Bauers Depeschen


Montag, 05. November 2012, 1005. Depesche


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FÜR DEN FLANEURSALON mit Buch-Premiere am Sonntag, 18. November, im THEATERHAUS gibt es keine Karten mehr. Nächster Termin: Montag, 26. November, Uhu-Bar, Leonhardstraße. Mit Klaus Bittermann, Zam Helga, Ella Estrella Tischa. Karten an der Theke.



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Die aktuelle StN-Fußballkolumne



TENDENZ GEWALT

Neulich blätterte ich in der Broschüre „Verein für Begeisterung“ und wunderte mich, warum der Begriff „VfB Mitglieder“ nicht mit einem Bindestrich verbunden war. Erst dachte ich, ein Strich fällt leicht mal untern Tisch. Später hörte ich, der VfB-Präsident habe seinen Leute befohlen, in allen Texten die Abkürzung VfB nur allein stehend zu verwenden. Also: „VfB Spieler“.

Man könnte auf die Idee kommen, den gestrichenen Bindestrich als symptomatische Fußball-Grammatik zu bewerten. Kein Clubchef würde den Gedankenstrich verbieten; Gedanken erscheinen einem nicht so wichtig in diesem Gewerbe.

So einfach ist es aber nicht. Der VfB-Chef Mäuser war früher Manager für Marketing, und in diesem Metier verhunzt man die Sprache ständig zum Selbstzweck. Der VfB ohne Strich soll signalisieren: Ich bin die Marke, das Alleinstellungsmerkmal, Satzzeichen stören den Wiedererkennungswert.

Industrieleute, die ins Fußballmetier wechseln, sehen ihren Verein vorwiegend als „Wirtschaftsunternehmen“, das „Produkt“ ähnlich vermarktbar wie Autozubehör und Zahnpasta. Im Managerstress übersehen sie, dass Recaro-Sitze und Colgate-Tuben eher selten kurz vor Abpfiff einen Elfmeter an den Pfosten schießen und damit zigtausend Kunden in unberechenbare, unbekannte Emotionswelten katapultieren.

Ungeachtet der Strategie, Fußball als „Event“ zu vermarkten, wird zurzeit über Gewalt in Stadien berichtet. Unsereins fasst sich an die eigene Nase: Jeder halbwegs geschulte Schreiber ist es gewohnt, nach einem ungewöhnlichen Vorfall eine „Tendenz“ auszurufen. Auf dieser Basis entstand – mit extra fettem Bindestrich – die angeblich neue Tendenz „Fan-Gewalt“.

Wer sich öfter in Menschenansammlungen bewegt, bei Rockshows und Fußballspielen, bei Bierfesten und politischen Demonstrationen, hat gelernt: Es ist extrem schwierig, Auslöser und Motive für Gewalt zu verstehen. Oft haben wir es mit Phänomenen zu tun, oft mit dummen Zufällen – und hinterher wissen vor allem Leute Genaues, die nicht dabei waren. Das gilt für Politiker, Kommentatoren und andere „Experten“, die ihren Realitätssinn in den Tratschrunden der TV-Sender schulen.

Es ist Unsinn, die Ultras in den Fanblöcken zu dämonisieren. Außenstehende wissen wenig von ihnen, so wie wir fast nie etwas von Subkulturen mitkriegen, wenn sie entstehen. Die heute organisierten Ultras sind eine kreative Jugendbewegung. Auf ihren Webseiten spielen die Begriffe Freiheit und Mitbestimmung, Solidarität und Respekt eine Rolle. Und es gibt Trittbrettfahrer unter ihnen, die sich um Fußball einen Teufel scheren und ihren „Event“ im Kampf mit der Polizei suchen (wie umgekehrt Polizisten oft ohne Not glauben, sich mit gleichaltrigen Fans messen zu müssen).

Wie eng die Dinge beieinander liegen, mag dieses Beispiel zeigen: Als ein wichtiges Ziel ihrer Bewegung gilt gewaltlosen Ultras die „Autonomie“ – während gleichzeitig Neo-Nazis unter dem Namen „Autonome Nationalisten“ ungehindert ganze Gegenden der deutschen Fußballhauptstadt Dortmund terrorisieren und sich mit dem Outfit der Hooligans tarnen.

Wir haben wenig Ahnung von der Berechtigung des Bindestrichs zwischen Fan und Fußball, zwischen Ultras und Gewalt. Deshalb hilft nur der Dialog – nicht der Plan, Stadien in Hochsicherheitstrakte zu verwandeln und die billigen Ränge wahrer Fußballliebhaber zu schließen. Selbst wenn sich Fußball als rein profitables Event durchsetzen würde und es wurscht wäre, wer in der 90. Minute an den Pfosten schießt, hätte man nichts gelöst. Das Problem würde nur stärker als bisher in die unteren Ligen verlagert: Wenn die Stuttgarter Kickers auch ihr nächstes Spiels verlieren, schließe ich mich den Hooligans an.



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