Bauers Depeschen


Samstag, 16. Juni 2012, 930. Depesche


Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20120616



WERTE HOMEPAGE-GÄSTE,

im Moment ist es nicht ganz einfach, zwischen Fußball, Kolumnenschreiberei und Hafen-Vorbereitung diese Seite am Laufen zu halten. Die aktuelle StN-Kolumne ist hier ab Mitternacht zu lesen - und die wichtigen Dinge sollte man nicht vergessen:

 

MONTAGSDEMO

Bei der bevorstehenden Montagsdemo (18. Juni) auf dem Stuttgarter Marktplatz halte ich neben Dr. Dietrich Heißenbüttel eine Rede. Thema: Stadtzerstörung. Musik macht unser großer Sänger und Akkordeon-Virtuose Stefan Hiss. Beginn 18 Uhr.



Bereit zum Kentern!

FLANEURSALON AM NECKARUFER

Sonntag, 24. Juni, Mittelkai - bis dahin ist gutes Wetter!

Der Vorverkauf hat in den vergangenen Tagen ein wenig angezogen, wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Noch können wir ganz schön absaufen. Das Bild für die Depeschen-Seite (rechts) hat der Fotograf und Kollege Leif Piechowski am Ort unserer Flaneursalon-Show im Stuttgarter Hafen gemacht. Ich appelliere an alle Homepage-Besucherinnen und -Besucher, an die Freunde bunter und informativer Unterhaltung: Unterstützt unser Hafen-Picknick, die Hommage an den Neckar, besorgt Euch bitte Karten im Vorverkauf für unser (überdachtes) Hafen-Picknick am Sonntag, 24. Juni. Auf die Bühne, einen Eisenbahnwaggon, gehen Roland Baisch & The Countryboys, das Elektro-Duo Putte & Edgar, die Sängerin Dacia Bridges und der Beatboxer Pheel. Wäre schade, wennn der Flaneursalon ausgerechnet bei dieser Aktion baden gehen würde ... Hier geht es zum rettenden Ufer: HAFEN-PICKNICK

(Siehe auch rechts das Archiv, Depesche vom 20. Mai)



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



DÄNEMANN

Nach der Weltmeisterschaft 2006 hatte ich mir geschworen, das F-Wort so schnell nicht mehr in den Mund zu nehmen. Fußball war vorbei, es war genug. Dann aber gab es, noch bevor Iniesta und Spaniens neue Weltfußballkunst die Erd-Kugel in den Schatten stellten, Handlungs­bedarf In weiten Kreisen der Bevölkerung herrschten nach der WM 06 große Lücken beim Versuch, den Begriff „Dänemann“ historisch korrekt zu interpretieren. Es gibt also einiges zu klären, bevor die Deutschen am Sonntag gegen die Dänen spielen.

Das Problem hatte ich kurz nach dem WM-Finale zwischen Italien und Frankreich erkannt. Kaum war Zidane, der Göttliche, vom Platz geflogen, bat ich eine Kollegin im fernen Rom per SMS um sofortige Aufklärung: Was hatte der italienische Spieler Materazzi zu seinem französischen Gegner gesagt, damit dieser beinahe den Kopf verloren hätte?

Die Antwort kam prompt: Wie sie ihre Pappenheimer kenne, meldete Signora, habe Materazzi den großen Zidane mit einer in Italien traditionsreichen Allerweltsbemerkung gegrüßt: „Deine Mama ist eine Berber-Hure.“ Unter diesen Umständen, schrieb ich zurück, hätte Zidane seinen entschieden höher ansetzen müssen. Umgehend piepste wieder mein Handy, die Kollegin wollte wissen: „Was zum Teufel ist ein Dänemann?“

Der Reihe nach. Ganz sicher ist der Dänemann kein Begriff aus der „Fußballersprache“, wie in verschiedenen Einträgen im spärlich bestückten Internet behauptet wird. Im November 2005 berichtete eine Reporterin der „Westdeutschen Zeitung“ über einen Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht. Es ging um einen Spieler, der in der Kreisliga-D-Partie FC Gerresheim gegen TV Grafenberg einen Gegner außer Gefecht gesetzt hatte. Und zwar so nachhaltig, dass der Grafenberger Spieler noch ein Jahr später eine Schraube im Schädelknochen mit sich herumtrug. Der Staatsanwalt, meldete die Reporterin, habe von einem „Dänemann“ gesprochen. Der Dänemann, und diese Falschaussage geht ganz klar auf das Konto des Staatsanwalts, stehe „in der Fußballersprache“ für eine „Kopfnuss“.

Als gelernter Nichtjurist und ehemaliger Hobby-Boxer im Eintagsfliegengewicht weiß ich: Das ist kompletter Bullshit. Eine Kopfnuss wird in der Regel mit den Knöcheln einer zur Faust geballten Hand am Kopf des Gegners platziert; früher hatten diese unwürdige Technik vor allem verknöcherte Schullehrer mit Nazi-Vergangenheit parat. Ich weiß, wovon ich rede. Hätte man mir diese Kopfnüsse erspart, müsste ich heute keine Kolumnen tippen.

Was ein Dänemann wirklich ist, kann Ihnen jeder erfahrene Junge aus der Stuttgarter Altstadt erklären, bei guter Führung des Interviewers auch mal ohne schmerzhaften Anschauungsunterricht. Der Dänemann gilt als Klassiker im Duell verfeindeter Männer im Rotlichtmilieu, er wurde schon vor der Erfindung der Thompson Gun und des Pitbulls eingesetzt. Das war zu einer Zeit, als man in der Stadt noch nicht Spenden für reklamesüchtige OB-Kandidaten sammelte, sondern aus Gründen der Ehre Kollekten für in Not geratene Banditen organisierte.

Bei einem Dänemann trifft die Stirn des Angreifers den Kopf des Gegners, in der Regel die Stirn – oft so hart, dass der Attackierte schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden muss. Nur bei guter Laune gibt sich der Angreifer mit einem handelsüblichen Nasenbeinbruch zufrieden.

Portugals Fußballgott Figo beispielsweise setzte bei der WM 2006 gegen den Holländer van Bommel einen leichten Dänemann an – dermaßen defensiv, dass man ihn als ehrfurchtsvolle Verneigung vor einem Fußballbehinderten deuten konnte. Van Bommel aber hob umgehend ab wie ein bekiffter Trampolinspringer. Figo sah deshalb zu Unrecht die Gelbe Karte.

Völlig neu an Zidanes Dänemann im Spiel der Franzosen gegen die Italiener war auf jeden Fall die technische Ausführung: Er stieß, nach einigen Metern Anlauf im Stil eines spanischen Kampfstiers, mit seinem fein geformten Charakterschädel nicht etwa gegen Materazzis weiche Birne. Er traf ­dessen Macho-Busen.

Einen ähnlich harmlosen Dänemann hatte ich nie zuvor gesehen. Erst recht nicht in der Stuttgarter Altstadt. Dem ordnungsgemäßen Dänemann des Luden folgte normalerweise auf dem Fuße der Salamander. Dabei handelt es sich um einen Tritt mit dem Stiefelabsatz gegen das am Boden liegende Dänemann-Opfer. Am besten in den Bereich der vorderen Jacketkronen. Davon war im Fall Zidane nichts zu sehen, die Rote Karte gegen ihn deshalb unbegründet.

Damit ist nur noch eine Frage offen. Leider, werte Sportsfreunde, ist bis heute nicht geklärt, warum der Dänemann Dänemann heißt. Die Fachwelt behauptet, ein Däne habe ihn erfunden.

Gott schütze Dänemark. Gott rette die Altstadt.



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