Bauers Depeschen


Freitag, 08. Juli 2011, 752. Depesche



NACHTRAG

Starke Reden von Heinrich Steinfest (poetischer Motivator) und Volker Lösch (sarkastischer Mobilmacher) an diesem Samstag bei der Großkundgebung vor dem Hauptbahnhof gegen Stuttgart 21. Auf jeden Fall mehr als 10 000 Leute unterwegs...



NEU

DIE AKTUELLE STN-KOLUMNE in der Samstagsausgabe über das Ende der öffentlichen Uhr.



NOTIZEN

Es ist immer übertrieben, angesichts der Weltgeschichte zu behaupten, wir lebten in unruhigen Zeiten. Andrerseits ist dauernd etwas zu tun. Der Kampf gegen Stuttgart 21 wird noch lange weitergehen, lange über die nächste große Demonstration am Samstag, 9. Juli, und den sogenannten Stresstest hinaus. Die Stuttgarter Politiker waren außerdem so dumm, mitten im Schlamassel eine weitere Baustelle zu eröffnen, als sie das Ende des Mineralbads Berg ankündigten (SIEHE STN-KOLUMNE). Und was leider untergeht, ist die Tatsache, dass der Konflikt in den Verhandlungen um die Journalistentarife bei den Tageszeitungen immer härter wird. Es wird zu einer Urabstimmung kommen, die Zeichen stehen auf weitere (lange) Streiks. Im Radio, beim Staatssender SWR, wird über den Tarifstreit barer Unsinn berichtet, kein Wort darüber, dass es um Abstriche geht und um verheerende Voraussetzungen für journalistische Einsteiger. Der Journalismus kommt immer mehr auf den Hund. Zum besseren Verständnis: DIE TAZ ÜBER DEN STREIK. - Dem Trend folgend, und weil es einfach zu viel Arbeit ist, ständig neben allem andern eine Homepage zu füttern, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, serviere ich heute Konserve:



TAXI NACH TEXAS

In einigen Remstal-Käffern grub man im Sommer 2009 nach den "schwäbischen Wurzeln" des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Man suchte irgendeinen ominösen Vorfahren. Ich bin an der Rems geboren und weiß, dass es an der Rems selten etwas Besseres zu tun gibt, als Opas Knochen auszubuddeln. Widmen wir uns deshalb anderen Geschichten.

Unlängst lieferte ich mir eine SMS-Schlacht mit dem Stuttgarter Komiker Rolf Miller, diesmal um die Frage, ob Manchester United zu Recht gegen den FC Barcelona das Champions-League-Finale verloren habe. Miller ist ManU-Fan, und wohl allein deshalb prügelte er mich aus heiterem Himmel mit der Botschaft: "Dieser Obama ist gar nicht richtig weiß."

Fragen Sie mich nicht, was Präsident und Pokalfinale miteinander zu tun haben. Die Welt ist krisenkrank. Deshalb fahndet man in Beutelsbach nach Obama-Genen und beleidigt meinen Präsidenten, weil ich Herrn Miller gesagt habe, seine monarchistisch verbohrten Engländer könnten mich kreuzweise. Ich stünde so oder so aufseiten des freiheitlichen Amerika.

Amerika begegnet mir dauernd. Nicht lange her, da stellte ich einen Text über die große Vergangenheit der Firma Radio-Barth am Stuttgarter Rotebühlplatz auf meine Homepage. Anderntags erhielt ich eine Mail von Herrn J. aus Phoenix, Arizona, USA. Ich hatte nie zuvor von ihm gehört. Vor 20 Jahren, schrieb er, sei er von Stuttgart in die Vereinigten Staaten ausgewandert, und noch oft denke er voller Wehmut an Radio-Barth: "Ich kann mich genau an die Zeit erinnern, als man dort hockte und über Musik sprach und seine klobigen Kopfhörer über die Ohren presste und danach, wenn man genug hatte, über den Rotebühlplatz flitzte zur Holzkiste."

Die Holzkiste war eine Kneipe und der Radio-Barth in den Siebzigern und frühen Achtzigern das kulturelle Zentrum für Lebemänner, Musikfreaks und Fußballprofis. Das Haus stand dort, wo heute die Architektur der sogenannten Häussler-Plaza Passanten erschreckt. "Nie", schrieb Herr J. aus Phoenix, Arizona, "werde ich die Zeiten beim Radio-Barth vergessen: Ich drückte mir die Nase platt an den neuen Dual-Geräten. Ein Tausender für ein Radio, Wahnsinn. Aber ich blieb der Marke treu, Made in Germany, das war noch was."

Leider ist danach der Kontakt mit Phoenix, Arizona, abgerissen. Doch Amerika ist überall. Am 1. Mai 2009 erwähnte ich in einer Kolumne eine Frau, die bei der Kundgebung auf dem Karlsplatz ein Zitat des US-Offiziers Davy Crockett (1786 bis 1836) auf ihrem T-Shirt trug: "Ihr könnt alle zur Hölle fahren, ich fahre nach Texas". Der Spruch spielt auf Crocketts Kampf in der texanischen Revolution gegen Mexiko an, und ich bestellte sofort ein Taxi.

Wenig später verwies ich auf den deutschen Auswanderer John O. Meusebach, einen Demokraten, der 1845 seinen Adelstitel ablegte und in Texas die Stadt Fredericksburg gründete. Als die Kolumne erschien, meldete sich dankenswerterweise Frau Ina Holländer aus Stuttgart: "Ich bin die mit dem Davy-Crockett-T-Shirt." Frau Holländer hatte eine weitere Geschichte samt Fotos aus Texas parat. Nach Crockett und Meusebach, schrieb sie, fehle für meine anzustrebende Trilogie nur noch der große Jacob Brodbeck.

Herr Brodbeck wurde 1821 in Plattenhardt geboren, er besuchte das Lehrerseminar in Esslingen und wanderte auf John O. Meusebachs Spuren 1846 nach Fredericksburg, Texas, aus. Er arbeitete als Pädagoge und wurde bald als Flugpionier bekannt. 1865 gelang ihm, auf einem Feld bei Luckenbach in der Nähe von San Antonio, Texas, mit einem von Federwerken angetriebenen "Airship" ein Flug über 30 Meter. Von weiteren Versuchen gibt es Zeugenberichte.

In Fredericksburg hat man Jacob Brodbeck ("born and educated in Plattenhardt") ein Denkmal gesetzt, Luckenbach ist heute der Festival-Schauplatz für Country-Fans aus aller Welt, und "Luckenbach, Texas" heißt ein Song des großen Countrymusikers Waylon Jennings.

So viel zu Amerika. Nach dem schwäbischen Höhlen-Obama graben Leute, die in der Rems auch nach Raddampfern tauchen.

SOUNDTRACK DES TAGES



KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON

DIE STN-KOLUMNEN



NÄCHSTER FLANEURSALON

Ich darf einen speziellen Abend in der Reihe unserer Lieder- und Geschichtenshow ankündigen. Am Mittwoch, 28. September, machen wir in den Rosenau einen Abend mit vergleichsweise kleiner Besetzung, einen intimen Flaneursalon mit dem Songschreiber/Sänger/Saitenvirtuosen/Fußtrommler Zam Helga und der amerikanischen Sängerin Dacia Bridges. Könnte eine schöne Sache werden, eine familiäre Show mit pointierten leisen Tönen. Der Vorverkauf ist eröffnet: ROSENAU



KICKERS-SHOW: Ran an die Karten!

Fußball, Männer: Zum dritten Mal steigt „Hurra, wir kicken noch!“, die Unterstützer-Show für die Fans der Stuttgarter Kickers. Der Abend geht am Samstag, 6. August (nach dem ersten Heismpiel der neuen Regionalliga-Saison gegen den KSC II), im Stuttgarter Theaterhaus über die Bühne. 20 Uhr. Der Vorverkauf läuft. Siehe TERMINE und THEATERHAUS



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

FlUEGEL TV

VINCENT KLINK

RAILOMOTIVE

UNSERE STADT

KESSEL.TV

GLANZ & ELEND

EDITION TIAMAT BERLIN (Hier gibt es mein Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart")

Fußball-Kolumne Blutgrätsche


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