Bauers Depeschen


Samstag, 23. April 2011, 713. Depesche



NACHTRAG: STUTTGARTER KICKERS 0:0 beim Tabellenführer in Kassel.



Achtung, Verwirrung

FLANEURSALON IN DER STRASSENBAHNWELT

Am Donnerstag, 5. Mai (20 Uhr), sind wir erstmals in der Straßenbahnwelt Bad Cannstatt zu Gast. Vorsicht, wenn Sie auf die WEBSEITE DER SSB gehen, teilt man Ihnen dort mit, es seien noch über 80 Plätze frei. Diese Zahl ist falsch, weil lediglich Karten registriert sind, die im Internet gebucht wurden - nicht aber die telefonischen Reservierungen, und davon gibt es inzwischen viele. - Flaneursalon mit Stefan Hiss, Dacia Bridges & Alex Scholpp, Michael Gaedt. (Kartentelefon: 07 11 / 7885-7770)

DER SONG ZUM SALON



Die aktuelle STN-KOLUMNE vom Samstag:



DER MANN AUS HA LONG

Am Morgen, wenn sich die Sonnenstrahlen durch die Rollos drängen, kann ich mit meinem Fernglas durch die Straßen bis zum Café Stöckle am Lerchenplätzle sehen. Und immer wenn das Viertel vor mir im Dämmerlicht liegt, als könnte sich nie etwas ändern, geht mir dieses Chanson durch den Kopf. Zwar hatte ich musikalisch mit den Franzosen nie etwas am Hut, dieses Lied aber hat sich eingebrannt.

Es heißt „Paris s’éveille“, der Sänger Jacques Dutronc erzählt, wie Paris am Place Dauphine erwacht: Die Travestiekünstler gehen sich rasieren, die Strip-Girls haben sich wieder angekleidet, die Betten sind zerknautscht, die Liebenden müde. Das alles kann ich mir gut vorstellen im Morgenlicht, auch wenn ich nie eine gute Strip-Show am Lerchenplätzle gesehen habe. (Sagen Sie mir jetzt nicht, ich sei zu faul, mein Viertel zu verlassen. Nur wer seinen Kiez nackt kennt, kann auch den Rest der Welt entblößen.)

An der Straßenbahn-Haltestelle Hölderlinplatz hat kürzlich das vietnamesische Restaurant Ha Long eröffnet, benannt nach einem „idealen Örtchen auf unserer schönen Erde, um sich Genuss, Ruhe, Gelassenheit und Harmonie zu gönnen“. Weil ich weiß, dass unsere Stadt in diesen Tagen arm ist an Ha-Long-Qualitäten, habe ich mir ein kleines Menü geleistet. Die Harmonie war vollkommen, bald schlief ich wie ein frisch rasierter Liebender in Paris.

Gut möglich, dass meine Lust, die Stadt mit Jacques Dutroncs Fünf-Uhr-Song zu wecken, von meiner Fußballmannschaft herrührt. Anders gesagt: Alles klar in Ha Long, zuvor war ich in Heilbronn.

Am Nachmittag bin ich mit ein paar Männern in den Regionalexpress gestiegen, um die großen Stuttgarter Kickers zum Spiel gegen Großaspach zu begleiten. Als wir am Bahnhof ankamen, erwachte die Stadt. Ein halbes Dutzend Polizisten umringten meinen Nebenmann, einen ehrenwerten Dienstleister aus der Tresenbranche, um sich von der harmonischen Übereinstimmung des Delinquenten mit seinem Reisepass zu überzeugen. Zur „Eigensicherung“ der Beamten musste er seine Bierdose abstellen, noch ehe er Gelegenheit hatte, den Boden zu küssen und den Heilbronnern einen einzuschenken. Bevor dort am 1. Mai die Neonazis zu ihrer Großkundgebung aufmarschieren.

Alles war in Ordnung, die Polizei gab unseren besten Mann wieder frei, und wir zogen weiter zum Fußballplatz. Das Spiel musste früh beginnen, die Heilbronner haben kein Flutlicht und auch sonst große Energieprobleme, seit man das Atomkraftwerk Neckarwestheim abgestellt hat. Bald nach Anpfiff, als wir 2:0 führten, fiel der Ökostrom für die Bierkühlung aus.

Normalerweise braucht man in Heilbronn keine Kühlanlage, weil zu Großaspachs Spielen immer nur so viele Leute kommen, dass der Bierproviant in einen nassen Plastikbeutel passt. Wir aber, auf dem Marsch an die Tabellenspitze der Regionalliga, waren mit 900 Mann und einem Trupp Bullen im Schlepptau angereist. Die Schlange vor dem Kassenhäuschen war so lang wie vor dem Centre Pompidou, und als wir endlich am Sportplatz waren, stellte ich mich zur Eigensicherung unter einen Baum. Dennoch schien mir die Sonne ins Gesicht, und in Teamarbeit mit dem gut gewärmten Heilbronner Bier verstrahlte sie manchen unserer Männer härter, als es Neckarwestheim könnte.

Doch auch dies konnte uns nicht hindern, am Horizont hinter der Tartanbahn des Sportplatzes unsere Elf siegen zu sehen. 3:0 hieß es am Ende, wer die Tore geschossen hatte, ermittelten wir mit unseren Taschentelefonen, und dann ging es im Regionalexpress zügig zurück nach Stuttgart. Rechtzeitig zur Übertragung des Pokalfinales zwischen Barcelona und Real Madrid kamen wir an. Real gewann 1:0 und ließ erkennen, dass es gewillt ist, auf unseren Spuren zu wandeln. Eines Tages werden sie Männer und Sieger sein.

Jetzt, nach dem Triumph von Heilbronn, geht es um alles. Heute spielen wir in Kassel, und am Morgen danach wird die Stadt erwachen: Die Strip-Girls auf dem Lerchenplätzle werfen ihre Kickers-Trikots in die Luft, die Betten knarren. Kassel ist rasiert.

SOUNDTRACK DES TAGES



FLANEURSALON AUF DEM NECKAR

Der Vorverkauf für den Flaneursalon im Fluss am Mittwoch, 29. Juni, auf dem Neckarschiff "Wilhelma" läuft. Ausflug mit Zam Helga, Roland Baisch & Friends, Michael Gaedt, Dacia Bridges - und zu unserer großen Freude hat auch der Berliner Kabarettist Nils Heinrich zugesagt. Unterwegs gibt es wie immer Überraschungen. „Der Flaneursalon war so überschwänglich inspirierend, dass man gerne noch länger zugehört hätte, als die Wilhelma nach dreieinhalb Stunden wieder am Zoo dieses Namens anlegte“, so Michael Werner in der "Stuttgarter Zeitung". PASSAGIERSCHEINE



KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON



DIE STN-KOLUMNEN



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

FlÜGEL TV

VINCENT KLINK

RAILOMOTIVE

UNSERE STADT

KESSEL.TV

GLANZ & ELEND

EDITION TIAMAT BERLIN (Hier gibt es mein Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart")

Fußball-Kolumne Blutgrätsche
Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20110423
 

 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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