Bauers Depeschen


Montag, 07. März 2011, 683. Depesche



ATTACKE

Auf StN online ist quasi über Nacht eine Armee aus dem Pro-21-Lager angetreten und hat die Daumen-rauf-Daumen-runter-Klicks der Glossen "Fototapete" und "Narrenumzug" mit Hunderten von Klicks ins Gegenteil verkehrt. Man sieht es, wenn man die Kommentare zurückblättert. Es lebe die Intelligenz. STN-KOLUMNEN



Neues zum Film: STUTTGART 21 - DENK MAL!

Die Doku läuft auch täglich im Stuttgarter Delphi, jeweils 18.30 Uhr

Programmkino-Magazin



NÄCHSTER FLANEURSALON

Am Mittwoch, 16. März (20 Uhr), sind wir in der Friedenau in Stuttgart-Ostheim. Es spielen: Eric Gauthier & Jens-Peter Abele, Michael Gaedt & Anja Binder. Vielen ist die wunderbare Gaststätte Friedenau leider unbekannt, dabei hat das Haus mit seinem Versammlungs- und Bühnensaal die bewegendste Geschichte von allen Veranstaltungsorten, die wir normalerweise aufsuchen. Die ehemalige Arbeiterkolonie Ostheim ist nur einen Katzensprung von der Stadtmitte entfernt. Alle Wege führen dorthin: die Stadtbahn-Linien 4 und 9, der 42er Bus. Der Fußweg danach ist gleich null. Reservierungen: 07 11 / 2 62 69 24



Weil Montag, etwas Fußball: Meine StN-Bundesligakolumne:



SCHLAFES BRUDER

Am 25. Spieltag habe ich viel übers Leben gelernt. Den Satz, jemand mache etwas im Schlaf, hatte ich lange unterschätzt. Der Schlaf an sich ist weit wichtiger, als ich dachte. Trotz vieler Versuche, sich dem Phänomen der sogenannten äußeren Ruhe des Menschen zu nähern, hat bisher keiner herausgefunden, wozu man den Schlaf eigentlich braucht. Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Den Unterschied zwischen einem Popstar und einem Fußballstar etwa erkennt man an der Reporter-Neugier. Den Fußballtrainer Louis van Gaal hat man vor dem Spiel in Hannover gefragt: Wie haben Sie vergangene Nacht geschlafen? Einen Popstar hätte man gefragt: Mit wem haben Sie vergangene Nacht geschlafen?

Es hat sich viel verändert beim Starclub FC Bayern. Van Gaals Team stand 2010 im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand, in der Weltstadt Madrid, wo die Nacht noch nie zum Schlafen da war. Kein Jahr später liest man in der Zeitung, van Gaal bestreite sein „Endspiel“ – in Hannover, wo keiner hinkommt, wenn er nicht gerade beim Messebau beschäftigt ist.

Ein Finale, selbst wenn man es gewinnt, ist immer ein wenig wie der Tod. Nach dem Finale fällt man in ein schwarzes Loch. Das gilt, Fußballer wissen es, verschärft auch für den Sex: Das stirbt man den „kleinen Tod“ bereits während des Endspiels. Jeder kennt auch den Satz, der Schlaf sei der kleine Bruder des Todes. Vielleicht aber ist der Tod der kleine Bruder des Schlafs.

Es ist nicht klug, ständig mit philosophischen Weisheiten zu hantieren (ganz egal, ob sie wie im Fall des kleinen Bruders von Schopenhauer oder Homer stammen). Kein anderer hat die Problematik von Leben und Sterben so genau auf den Punkt gebracht wie der letzte große O-Bein-Künstler des Rasens, nämlich der heutige Wolfsburger Cheftrainer Pierre Littbarski. „Lieber ein Ende mit Schrecken“, hat er gesagt, „als ein Schrecken mit Ende.“

Die trickreiche Sprichwort-Variante „Ein Schrecken mit Ende“ ist leider nicht gut für den Fußball: Keine Skandalbranche hofft auf das Ende des Schreckens. Den Schrecken mit Ende erlebe ich derweil als Besucher der Stuttgarter Kickers: Heute sind wir so tief im Niemandsland, dass wir nicht einmal mehr wissen, was uns Schnarcher noch schrecken könnte.

Beim FC Bayern ist alles komplizierter. Nicht im Traum möchte man durchmachen, was der große Vorsitzende Rummenigge im realen Schlaf zu bewältigen hat. Als er nach der Endspiel-Pleite von Hannover gefragt wurde, ob van Gaal fliege, sagte Rummenigge, er müsse erst darüber schlafen. Dann korrigierte er sich: „Wir müssen eine Nacht darüber nachdenken. Schlafen wird keiner können.“

Das war nur vordergründig ein guter Plan. Das Leben lehrt uns etwas anderes. „Die Gedanken der Nacht“, hat der große Schriftsteller Raymond Chandler gesagt, „halten dem Tageslicht nicht stand.“ Keiner weiß, wohin einen die Dämonen der Nacht führen. Nicht umsonst sagt der Volksmund: Wer schläft, sündigt nicht. Jedenfalls nicht in der Art, dass man einen abgründigen Penner dafür verknacken könnte. Schlafentzug dagegen ist eine berüchtigte Folter.

Andererseits bringt der Schlaf oft nur ein böses Erwachen. Das konnte man lange beim VfB beobachten. Der Manager Bobic enthüllte gestern im Fernsehen: Bei den Spielern hat man schlechte körperliche Werte festgestellt. Könnte daran liegen, dass sie in der Birne nicht ausgeschlafen sind. Oder aber in einem bekannten Etablissement zu oft beigeschlafen haben.

Schlafes Bruder hat viele Gesichter.

Zum Glücke konnte Herr van Gaal nach Hannover eine Nacht lang entspannt darüber nachdenken: Nehme ich erst eine Mütze Schlaf oder gleich meinen Hut?

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