Bauers Depeschen


Montag, 26. April 2010, 490. Depesche



Ausnahmsweise mal wieder kurz in den "Tatort" reingeschaut: Tri-tra-trallala, bösa Onkel von da Mafia war da. Dümmer geht's nicht (siehe auch brandneue StN-KOLUMNE "Richy schießt").



AKTUELLES

Nach meiner Stuttgart-21-Kolumne vom Samstag heute etwas Sport, die aktuelle Bundesliga-Kolumne:



DIE VÖGEL



Die Bundesliga, behauptet man in diesen Tagen, sei ein „Krimi“, und um das Ereignis zu dramatisieren, wird ständig Hitchcock genannt. Er ist seit 30 Jahren tot.

Ich verstehe nur bedingt, was an der Liga kriminell sein soll. Selten findet man Mörder, Opfer und Detektive; es fehlt das Personal, um die Aufklärung der Schweinerei bis zum Ende spannend zu halten. Meinetwegen, ein paar Spielerberater könnten als Gangster durchgehen und der eine oder andere Spieler à la Ribéry als naives Rotlicht-Opfer. Welche Verstrickung aber wäre um Himmels willen krimimäßig so erregend, um schweißnass dem Showdown der Saison 09/10 entgegenzufiebern?

Nach dem 32. Spieltag habe ich tatsächliche die Schlagzeile „Vorhang auf zum Titel-Krimi“ gelesen, in der „Welt am Sonntag“. Hinter einem fast durchsichtigen Duschvorhang, fiel mir ein, ließ Hitchcock mal eine Dame mit der Klinge meucheln. Das geht in Ordnung. Wenn aber Ribéry vorzeitig duschen geht, bevor er, von etwas Herzeleid abgesehen, bei guter Gesundheit in seiner Limousine aus dem Stadion rauscht – ist das aufregend? Nebenbei: Dass ein frisch vom Milieu gezeichneter Fußballstar auch auf dem Platz die Farbe Rot sieht, würde man jedem Krimiautor übel nehmen (auch wenn es deutschen Fernsehregisseuren zuzutrauen wäre). Die Geschichte ist zu plump und trivial, um wahr zu sein. Deshalb: Freiheit für Ribéry.

Auch ist es eher lustig als spannend, wenn sich geneigte Medienmenschen bemühen, im Fall des Bayern-Franzosen jede Art von „Voyeurismus“ (Marcel Reif, Sky) weltläufig zu vermeiden. Als wäre der Hinweis, Sex bei Promis sei etwas Privates, nicht die größte Heuchelei.

Am meisten wundere ich mich über die Spielerberater. Oft selbst milieuerfahren, dürfte es für sie kein Problem sein, ihren Kunden die Regeln beizubringen: Die Chance, bei Geschäftsbeziehungen mit minderjährigen Damen auf dem „Bild“-Titel zu landen, ist milliardenfach höher als Schalkes Aussicht auf den Meistertitel.

Zurück zum Krimi. Klar, mit etwas gutem Willen ist es möglich, der mittlerweile sogar in England für ihre Spannung gelobten Bundesliga ein aufregendes Finale zu prophezeihen. Beispielsweise könnte Sportskamerad Eyjafjallajökull noch einmal seine ganze Verachtung auf die Welt herauskotzen und damit den Bayern den Flug zum letzten großen Spiel der Saison in Berlin vermasseln. Mit ihrem Mannschaftsbus würden die Bayern die Reise nicht schaffen. Die Luxuskarre blieb bereits nach dem 1:1 in Gladbach liegen, vermutlich aus Langeweile. Es heißt, die Klimaanlage habe gestreikt. Die Klimaanlage! Am Bus, einem Modell vom Typ MAN Lion’s Coach L Supreme, kann es nicht liegen. Deshalb die Frage des Detektivs: Stinkt es bei den Bayern? Hat Rummenigge nicht rechtzeitig die Leichen entfernt, die er sonst mit Hoeneß in den Keller bringt?

So darf man das nicht sagen. Ich bemühe mich ja nur, einen Krimi aus dem Bundesligastoff zu stricken, scheitere aber mangels Fantasie. Es wird nichts Überraschendes mehr passieren im finalen Akt der Saison, vorne und hinten nicht. Selbst im Clinch mit Berlins hilflosestem femininem Subjekt wird kein Münchner Freier ins Visier von Jugendschützern geraten. Die Hertha heißt nicht umsonst alte Dame.

Es fällt mir schwer, der Liga mehr Spannung abzugewinnen als den Spielen der großen Stuttgarter Kickers. Legen wir uns am besten schlafen, einen Kriminalroman unterm Kopfkissen und das Bild vor Augen, wie der deutsche Meister auf dem Balkon des Münchner Rathauses Schalke die Zunge rausstreckt, weil sich Schalke keinen Rathausbalkon leisten kann.

Dann die traumatische Wendung. Ein Sturm zieht auf, der Balkon mit Spielern und Trainern, Managern und Marketenderinnen stürzt in die Tiefe. Horden böser schwarzer Vögel verdunkeln den Himmel über München. Unten steht Hitchcock und brüllt über den Marienplatz: Wer, verdammt, hat diesen Scheißfilm gedreht?



UND DIESE DREI DINGE:

1.) Wir sind am Boden:

Joe Bauers Flaneursalon am Mittwoch, 28. April, mit Stefan Hiss, Michael Gaedt, Dacia Bridges & Alex Scholpp in der ROSENAU. Beginn: 20 Uhr. Restkarten an der Abendkasse.



2.) Wir gehen ins Wasser:

Neckar-Ausflug am 17. Juni mit Los Santos, Roland Baisch, Dacia Bridges... Der Vorverkauf läuft bereits. FLANEURSALON IM FLUSS



3.) Ich fresse Gras:

Nach dem jetzigen Stand findet am Samstag, 7. August, im Theaterhaus zum zweiten Mal die Unterstützer-Show für die Stuttgarter Kickers statt: "Hurra, wir kicken noch!". Bin am Anfang. Näheres demnächst. KOMMENTAR



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JOE BAUER IN DER STADT - DIE STN-KOLUMNEN



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