Bauers Depeschen


Donnerstag, 08. April 2010, 480. Depesche



Nachtrag: Kickers - Pfullingen 0:0. Ergebnis = Spiel.



NÄCHSTER FLANEURSALON am Mittwoch, 28. April, mit Stefan Hiss, Michael Gaedt, Dacia Bridges & Alex Scholpp in der ROSENAU. Beginn: 20 Uhr. Es gibt noch Karten.



JOE BAUER IN DER STADT - DIE STN-KOLUMNEN

(Leider nicht immer aktuell)



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www.edition-tiamat.de (Hier gibt es mein aktuelles Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart")

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Fußball interessiert mich nicht mehr. Deutscher Fußball ist etwas für Trampeltiere. Themawechsel. Die Stuttgarter Kickers spielen an diesem Freitag, mitten in der Krise, gegen Angstgegner Pfullendorf. 19 Uhr. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten.



DER SPITZ

Die zum Glück nie gelesene Zugabe



In der Straßenbahn beobachtete ich eine Frau, sie war jünger als ich und las ein Buch. Mich interessiert, was die Leute lesen. Die Frau las Eyke Schmidt-Rohdes literarisches Standardwerk "Der Spitz". Wollte man der Humorniveau der Mundart-Sendungen im SWR-Fernsehen nacheifern, käme man zu dem Schluss: Das Buch behandelt die Biografie des SWR-Intendanten.

Darum aber geht es nicht. Meine Recherchen ergaben: Das Buch „Der Spitz“ gibt "Ratschläge für Haltung, Pflege und Erziehung" des gleichnamigen prähistorischen Torfhundes.

Als ich das Thema vertiefte, fiel mir ein, wie ich den Fußballkollegen Werner S. einen "Spitz" geheißen hatte. Der Beschimpfte reagierte nicht beleidigt, er war verwundert: Dieses Wort, sagte er, habe er seit seiner Kindheit nicht mehr gehört.

Ich erinnerte mich, wie ich mich vor nicht langer Zeit mit einem berühmten Autor und Verleger unterhielt, er kommt aus dem Schwäbischen und lebt seit Jahrzehnten in Hamburg. "Du sprichst ja inzwischen noch breiteres Schwäbisch als ich", sagte ich. "Du Schbitz", sagte er, "je älter ich werde, desto härteres Schwäbisch bricht aus mir heraus. Und in meinem Alter ist das scheißegal."

Allenthalben wird beklagt, selbst die fundamentalsten schwäbischen Landeier brächten ihren Kindern nur noch Hochdeutsch bei. Das gilt vor allem für die frei laufende Bio-Bäuerin. Sie lehrt ihrem Nachwuchs nicht Schriftdeutsch oder Honoratiorenschwäbisch, wie wir es von den Komödianten Oscar Heiler und Willy Reichert kennen. Diese Leute verlangen von ihren Kindern manieriertes Hochdeutsch mit offenen Lauten, es kligtwie in der Fernsehwerbung: Krombacher, Gott, Hombre.

Schwäbisch stirbt immer mehr aus, je näher die Menschen an der Großstadt wohnen.

Der Schbitz, habe ich bei meinen Studien herausgefunden, entspricht inhaltlich in etwa dem schwäbischen Schimpfwort Seckel, Seggel oder Seggl, je nachdem.

Merkwürdig. Sowohl der Spitz als auch der Segg(e)l benennen im richtigen Leben ein nicht unerhebliches Teil des Gemächts. Was aber wäre an meinem Big Willie so verwerflich, um ihn auf eine Stufe mit einem Trottel oder, schlimmer, einem Halbdackel zu stellen?

Das Adjektiv spitz hingegen gilt als Prädikat der Tatkraft, es bezeichnet auch im Hochdeutschen den Zustand sexueller Erregung. Schon etwas abgedroschen, aber in diesem Zusammenhang unvermeidlich die psychedelische Erfahrung des Fußballprofis Wolfram Wuttke, Sie kennen den Spruch: "Immer wenn ich breit bin, werde ich spitz." Das bedeutet: Unter Einfluss von dreizehn Flaschen Hofbräu bin ich scharf wie Nachbars Lumpi.

Liest man jedoch in einem guten Roman den Satz: ",Ich weiß, was sich gehört, Herr Barrron', sagte die Fürstin spitz", meint diese Formulierung nicht: ",Ich weiß, was sich gehört', sagte die brünftige Fürstin sexuell erregt." Spitz steht in diesem Fall nicht für geil (was sowieso alles heißen kann), es bedeutet schnippisch, leicht borniert.

Vollkommen unverfänglich dagegen kann ein Mann behaupten: "Ich bin Spitze." Damit meint er bei Gott nicht, er verfüge über einen Spitzenspitz oder einen spitzen Spitz.

Man sollte Wortspiele generell nicht auf die Spitze treiben. Sonst schmecken sie nach Rindvieh, es wird daraus der Schwafelspitz. Oder man verwechselt die Dinge im zoologischen Bereich. Westerwelle beispielsweise hält sich für einen tollen Hecht. In Wahrheit ist er ein Tollhund mit Hang zum Superspitz. Selten findet man einen Spitzenpolitiker (Helmut Schmidt), oft einen spitzen Politiker (Clinton, Seehofer, Oettinger), und im Wahlkampf begegnet Ihnen an jeder Ecke ein schwarzer, ein roter oder ein grüner Granatenspitz (Namen bitte selbst wählen).

Traurige Wahrheit ist (und damit beende ich meinen Spendenaufruf für das Botnanger Tierheim): Der gute alte Spitz gilt seit 2003 offiziell als "gefährdete Haustierrasse". So bleibt mein letzter Wunsch: Er lebe hoch, mein lieber Spitz!




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