Bauers Depeschen


Samstag, 13. Februar 2010, 444. Depesche



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Neue Kolumne

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BETR.: NEUE KOLUMNE

Da zurzeit meine aktuellen StN-Kolumnen nicht im Netz zu finden sind, reiche ich die von heute, Samstag, in meinem eigenen Online-Laden nach.



13. 2. 2010 "Joe Bauer in der Stadt"

NENNT IHN PAUL-BONATZ-BAHNHOF!



Es war Nacht, der frisch gefallene Pulverschnee glitzerte im Neonlicht, und außer einem Hund, der mitten auf der Kreuzung am Rotenbergplatz seinen gefrorenen Schwanz leckte, war nichts zu sehen. Es war der Tag, als die Krise voll durchschlug.

Ich hatte kein Geld bei mir, um dem Hund an der Tankstelle etwas Doornkaat zu kaufen, und ging in die nächste Bank. Wegen des Bankgeheimnisses darf ich den Namen der Bank nicht nennen, es war eine der Banken, die wie andere Banken vorgibt, dem Volk zu gehören und zu dienen.

Der Raum mit dem Bankomat war nicht größer als die Wohnung des Hundes, der draußen seinen gefrorenen Schwanz leckte. Ich schob meine Karte in den Schlitz und erledigte die Formalitäten. Alles funktionierte einwandfrei. Meine Karte kam zurück, allerdings kein Geld heraus.

Am Automat klebte die Nummer für Notfälle. Am Telefon meldete sich eine Dame, und ich sagte, ihr Automat gebe mir kein Geld, obwohl ich genug Geld auf dem Konto hätte, um jedem gottverdammten verfrorenen Hund in meiner Nachbarschaft etwas Doornkaat zu spendieren. Schließlich hätte ich nicht wie der Bankdirektor alles Geld in die Schweiz gebracht. Die Dame sagte, so wie ich den Fall schildere, gebe es nur eine Erklärung: Der Geldautomat sei leer.

Da war mir klar, dass ich den Höhepunkt der Bankenkrise 2010 gerade am eigenen Leib erfuhr. Nie zuvor hatte ich so etwas erlebt. Leere Geldautomaten hat es früher nicht gegeben. Wohl auch deshalb nicht, weil es früher überhaupt keine Geldautomaten gegeben hat. Früher hatte man so viel Kohle in der Tasche, dass es für Doornkaat an der Tankstelle gereicht hat.

An diesem Abend hatte ich kein Geld, der Hund keinen Doornkaat, und so zog ich weiter im Angesicht der Apokalypse. Es schneite, ich kam nicht vorwärts und beschloss, über die Hotline den Notstand auszurufen. Bei Notstand darf man die Bundeswehr mobilisieren. Man könnte auf diese Art die deutschen Truppen aus Afghanistan zum Schneeschippen heimholen. Und man hätte endlich Verwendung für unsere tapferen Gebirgsjäger, bevor sie sich mit Doornkaat totsaufen oder vorher an blutiger Leber ersticken. – Nein, Herr Feldmarschall, ich habe nicht gedient!

Warum der einstige Generalfeldmarschall Hindenburg immer noch als Namensgeber des Baudenkmals am Hauptbahnhof gewürdigt wird, versteht kein zivilisierter Mensch. Sogar in umliegenden Landkreisen ist man dabei, den Namen Hindenburg von den Straßenschildern zu entfernen. Das Thema erwähne ich nicht zum ersten Mal, auch nicht, dass sich kaum ein Stadtpolitiker für Stadtgeschichte interessiert. So werden sie ihren Hindenburg, den politischen Wegbereiter Hitlers, noch lange behalten, als Hindenburg 21. Womöglich steht sein Name für eine bestimme Art von deutscher Demokratie am richtigen Platz.

Man müsste einen Schritt weitergehen, nämlich daran denken, den Hauptbahnhof im Dienste der Demokratie des 21. Jahrhundert offiziell Paul-Bonatz-Bahnhof zu taufen. Seine Flügel wird das Gebäude voraussichtlich verlieren. Doch mit dem Namen Paul-Bonatz-Bahnhof könnte man etwas Bleibendes schaffen. Man würde an die Architektur, an die Geschichte dieses großartigen Bahnhofs erinnern und der Nachwelt eine Brücke in die Historie bauen.

Doch das werden sie nicht machen. In solchen Fällen ist nicht nur der Geldautomat leer. So wünsche ich dem Hund vom Rosenbergplatz, dass wenigstens er den nächsten Winter überlebt.


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