Bauers Depeschen


Mittwoch, 12. August 2009, 364. Depesche





BETR.: DIES UND DAS AUCH NOCH



Die Dinge sind am Laufen, ich bin um etwa 70 Spritzen in Nacken, Rücken, Schulter und Ellbogen sowie 30 Physiotherapie-Stunden lebenserfahrener. Der Sommer geht. Mein Comeback als Fußballtorwart verläuft im Rennfahrerschumacherbereich. Pfui Teufel.

Dafür etwas Luft im Leben. Die Fußball-Sache im Theaterhaus ist abgewickelt, es blieb nach Abzug der Kosten für Technik, Miete, Catering, Gema usw. sogar noch etwas Spendengeld für die Kickers-Fans übrig. Am Freitag ist das erste Heimspiel (gegen den SV Wehen II), meine Stehplatz-Dauerkarte ist rechtzeitig eingetroffen. Auch in dieser Saison werde ich nicht sitzen. Lieber noch ein paar Spritzen.

Als nächste Veranstaltung steht der Flaneursalon mit der Buchpräsentation am 22. Oktober im Theaterhaus auf dem Terminplan. Das Buch ich so gut wie fertig (aber auch nicht besser). Es muss nur noch gedruckt und verkauft werden.

Ich habe läuten höre, Ratzer Records in der Paulinenstraße feiere demnächst 25. Geburtstag. Es müsster jeder hingehen und zum Fortbestand der einsamen Tonträgerklitsche 25 Platten kaufen. Ich habe gestern bereits drei gekauft und zwei bestellt. Welche Platten ich erwerbe, verrate ich nicht, und das hat einen guten Grund: Es interessiert keine Sau. Mir meldet auch keiner, was er hört, wenn nicht die Nachtigall.

Von meinem Kurzausflug nach Salzburg war vergangenen Samstag in meiner StN-Kolumne zu lesen. Habe mir den Tripp mit Herrn Johannes Zeller auch erlaubt, um wieder mal - nach vielen Jahren - Herrn Ben Becker zu treffen und für einen Augenblick dem Stuttgart-Loch zu entkommen. Becker spielt in Salzburg gerade den Tod im "Jedermann". Beim Essen nach der Vorstellung haben wir uns ganz gut vertragen, eigentlich wie früher, und über meine Abstinenz wundert sich schon lange keiner mehr. Jetzt sind es 30 Monate ohne Alkohol und Tabak, und mittlerweile bin ich froh, dass ich eine Arbeit weniger am Hals habe. Das Bar-Geschäft ist anstrengend und wäre aus Zeitgründen nicht mehr möglich.

Herr Becker hat mir erzählt, wie er, leicht ermüdet, in einem Salzburger Klavierkonzert eingeschlafen ist und in der Folge die Live-Aufnahmen für einen Tonträger gestört hat. Der Tod, weiß ich heute, ist ein Schnarcher aus Deutschlands Hauptstadt.

Willy De Ville ist tot. Anfang der Neunziger habe ich ihn ein paar Mal in der Garderobe gesehen, im Circus Krone in München, im Alten Schützenhaus zu Stuttgart, er war ein feiner und gastfreudlicher Mann.

Manchmal, wenn eine Kolumne erschienen ist, werde ich gefragt, ob ich das wirklich erlebt hätte. Im Salzburger Fall wollte man wissen, ob ich überhaupt dort gewesen sei. So weit fort, in Österreich! Manche Leute, vorzugsweise die schlauen, können mit erzählerischen Texten nichts anfangen, auch wenn sie noch so einfach gemacht sind. "Habe ich nicht verstanden." Sie brauchen diese Zeitungsbürokratie, um sicher zu sein: Wie Herr Becker "unserer Zeitung gegenüber" sagte, habe er in Salzburg während eines Konzerts gesägt. Das verstehen sie.

Andererseits stehen die tollsten Dinger in der Zeitung. Über unseren "Hurra, wir kicken noch!"-Abend war zu lesen, nur vor der Pause, als der Sprachkünstler Timo Brunke überraschend sogar das bekanntermaßen nur "primitive" Songs goutierende Fußballpublikum begeistert habe, sei die Show abwechslungsreich gewesen. In der zweiten Hälfte nicht mehr. In Wahrheit ist der Sprachkünstler Timo Brunke erst im zweiten Teil aufgetreten (so wie auch der unerwähnt gebliebene Überraschungsgast Roland Baisch, den der ahnungslose Berichterstatter wohl beim Abschreiben von der Homepage nicht finden konnte). Die primitiven Menschen haben im Gegensatz zum Kreisliga-B-Berichterstatter nicht geschnarcht, es herrschte eine unvergesslich schöne Stimmung. Diese Kritik auf Balljungenniveau ist bei Gott und Tod und Teufel nicht wichtig, man wundert sich halt über die Wahrnehmung cooler, junger, "kritischer" Blicker, die eine Goodwill-Aktion zu 9 Euro wie einen Wettbewerbsabend um den Kleinkunstpreis von Poppenweiler abhandeln. Was haben solche Leute bloß im Kopf, im Bauch und darunter. Lustig ist das Karussellbremserleben.

Dazu die Leserkommentare

So, abgeschlossene kurze Geschichten gibt es auf dieser Seite so schnell nicht mehr. Bin doch nicht blöd. Die stehen demnächst im Buch. Kauft Bücher, ihr "Trittbrettficker"! (Davon handelt ein Kapitel in Wiglaf Drostes neuem Buch bei Reclam.)

Heute, am Mittwoch, erscheint in den StN eine Seite über das Stuttgarter Heusteigviertel, die ich zusammen mit dem Fotografen Lutz Schelhorn gemacht habe. Ende. Zeit zum Schnarchen.



Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



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