Bauers Depeschen


Mittwoch, 31. Dezember 2008, 268. Depesche



BETR.: KURZ VOR JEFF BECK



Jeff Beck, einer der größten Gitarristen und eigenwilligsten Menschen des Rockzeitalters, spielt heute um zehn Uhr morgens auf 3 Sat, viel mehr könnte der Silvestertag fast nicht bieten, es sind allerdings auch AC/DC, Elvis Presley und Frank Sinatra im TV-Programm. Dieses Wissen sagt alles über mein Privatprogramm. Silvester ist nicht meine Veranstaltung, angesichts der wichtigen Ziele eher Munitionsverschwendung, und das Nötigste habe ich bereits erledigt: War am 30. Dezember noch einmal schwimmen im Bad Berg; früh morgens stand die Sonne über dem Wasser im Freien so tief, dass man keine fünf Meter weit sehen konnte. Dieses kalte Bad ist das beste der Welt, bald wird es „modernisiert“, wie es offiziell heißt, dann ist die Saison vermutlich vorbei.

Am Silvestermorgen noch eine Runde Kieser, diese seltsame Muskelgymnastik, vielleicht hilft sie gegen die allgemeine Jahresendlösungsverspannung, und dann ist der Tag für mich gelaufen.

Wen interessiert das eigentlich, was ich da notiere? Tagebuchnotizen im Internet sind so langweilig wie Fernsehen: "Wo waren Sie gestern zwischen null und 24 Uhr?". Tagebuchmäßig würde ich dennoch gern wissen, was einer wie Jeff Beck gerade treibt. Vielleicht repariert er wie so oft ein schönes altes Auto, oder er hat kein Geld mehr und spielt deshalb irgendwo Gitarre, so gut, dass man es sowieso nicht bezahlen kann.

Es gibt ein paar Pläne für das neue Jahr, die sich wie alle Neujahrspläne von den Altjahresplänen nicht wesentlich unterscheiden. Ich gehe bereits ins dritte Depeschen-Jahr, diese Zufallserfindung beruht auf dem Beginn der Abstinenzzeit, Anfang 2007. So lange kann ein Zufallsmoment dauern.

Wir werden, um zum propagandistischen Kern dieser Homepage vorzustoßen, auch im kommenden Jahr einige Flaneursalons veranstalten, der erste findet bekanntlich am Mittwoch, 18. Februar, im Stuttgarter Theater Rampe statt. Es wird ein denkwürdiger Abend werden: zum letzten Mal Stefan Hiss & Ralf Groher als Los Gigantes auf der Bühne. Was soll man dazu sagen? Vamos, companeros. Herr Hiss ist seit zehn Jahren dabei (und wird auch weiterhin spielen), Ralf Groher war im Flaneursalon erstmals am 8. März 2005 in der Rosenau zu Gast. Das weiß ich so genau, weil ich seinerzeit das Plakat auf mein Klo gehängt habe, dort hängt es immer noch.

Wir haben eigentlich gar keine richtigen Plakate. Es sind Papierfetzen aus dem Kopierladen, aber immer mit der schöne Zeichnung des Schweizer Grafikers Jörg Schwerzmann garniert (siehe Homepage „Joe Bauers Flaneursalon“). Die Schwarzweiß-Poster sollen an die Vergänglichkeit der Zeitung erinnern – ist das vielleicht keine gute Ausrede für das Billige? Ich schätze, irgendwann sehen wir Ralf Groher und Herrn Hiss im Flaneursalon wieder, Los Irgendwas, nur so ein Gefühl.

Zunächst aber ist der Ritt zu Ende, deshalb wird es im kommenden Jahr einen schwimmenden Flaneursalon geben: am Donnerstag, 25. Juni 2009, auf einem Wasserfahrzeug auf dem Neckar. Schiff oder Floß, wir werden sehen. Eher Schiff. Und das Akkordeon wird spielen. Wir werden auf jeden Fall während der Show fahren und nicht vor Anker liegen wie das Cannstatter Theaterschiff. Die Details prüft bereits der Event-Pirat Johannes Zeller, der sich auf dem Neckar auskennt. Er war 2005 beim Theater-der-Welt-Projekt „Singing River“ als Mitorganisator an Bord, 2008 hat er das Fest zum 50. Geburtstag des Stuttgarter Hafens mitgestaltet. Also wird er auch für den schwimmenden Flaneursalon ein Tau kappen. Frühe Anmeldungen sind in diesem Wasserfall von Vorteil. Irgendwann schreit unser rassistischer Käptn: Das Boot ist voll.

So verabschiede ich mich auf die Schnelle aus dem alten Jahr mit dem Wunsch, keiner möge ersaufen, vor allem nicht im eigenen Saft, bevor er sein Eintrittsgeld ins Leben, also an uns bezahlt hat. Und schon heute an die wichtigste aller Bauernregeln denken:

Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.



REKLAME:

- Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



- Nächster Flaneursalon: Mittwoch, 18. Februar 2009, Theater Rampe, Filderstraße 47, Stuttgart. Letzter gemeinsamer Auftritt von Ralf Groher & Stefan Hiss als LOS GIGANTES. Weitere Gäste: Dacia Bridges & Alex Scholpp. Beginn 20 Uhr. Karten 0711 / 6 20 09 09 - 16.



Kontakt




Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20081231
 

 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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