Bauers Depeschen


Sonntag, 23. Dezember 2007, 96. Depesche

Jingle bells, jingle bells

Santa Claus is dead

Daddy took a fourtyfive

and shot him in the head

(Amerikanisches Kinderlied)



Raureif glitzert am Vormittag auf den Gehwegen, der weiße Frost hält sich lange, obwohl die Sonne scheint, es ist der Sonntag vor dem Heiligen Abend. Als ich die Treppe aus der U-Bahn zur Marienstraße hochsteige, stinkt es ausnahmsweise nicht nach altem Imbissbudenfett. Vielleicht hat der Frost den Gestank eingedost. Aus dem Keller-Club in der Eberhardpassage kann ich Schüttelfrostmusik hören. Vor der Tür klatschen sich ein paar Typen in Camouflageklamotten ab.

Noch eine Runde bei der Hausfrauengymnastikfirma Kieser in der Christophstraße, ich mache das ohne besonderen Ehrgeiz, aber einigermaßen regelmäßig. Meinen Sportrhythmus, mit Laufen, Schwimmen, Fußball, habe ich gehalten, seit ich Ende März nach vier Wochen aus dem Krankenhaus gekommen bin. Ich glaube, der Sport ist für mich die beste Möglichkeit, meine Abstinenz mit gutem Gefühl durchzuziehen.

Das Depeschenschreiben ist ein begleitender Rhythmus, Depeschenschreiben erinnert mich daran, den Sport nicht als einzige funktionierende Energieverbrennungsmaschine nach der regulären Arbeit zu betrachten.

Mein alter Freund Stefan hat mir gemailt. Mit ihm bin ich in Schwäbisch Gmünd zur Schule gegangen. Als ich 1976 nach Stuttgart kam, war er schon in Berlin. Sehr spät erst hat er eine Buchhändlerlehre gemacht. Mittlerweile arbeitet er bei Suhrkamp in Frankfurt am Main. In Berlin habe ich ihn oft besucht, in Frankfurt noch kein einziges Mal. Erstaunlich, dass wir heute immer noch (oder wieder) einen ähnlichen Geschmack haben, wenn es um Bücher oder Platten geht. Ende der Sechziger haben wir zusammen angefangen, Popmusik zu hören. Stefan hat irgendwann mal zwischendurch mit dem Jazzrock angebändelt, Jazzrock war mir zu manieriert.

Jetzt schickte er Grüße mit dem Verweis auf eine Rezension, die er vor kurzem geschrieben hat, und zwar für das Internet-Magazin Glanz@Elend:

http://www.glanzundelend.de/glanzneu/joehenry.htm

Ob man es mir glaubt oder nicht: Als ich die Mail öffnete und Stefans Text über den Songwriter Joe Henry vor mir hatte, lag Joe Henrys CD „Civilians“ unter meinem Schreibtisch. Ich hatte sie kurz zuvor aus dem CD-Player gezogen. Joe Henry hatte ich bis vor kurzem überhaupt nicht gekannt, dann bekam ich, eigentlich als Bote für Mirjam mit jott, die CD in die Hände: Country & Jazz.

Womöglich geben Blogs Sinn, wenn man Dinge weiter gibt, auf die man eher zufällig gestoßen ist. So wie auf Joe Henry und Glanz@Elend.

Vielleicht sind solche Blogs nützlicher als die mit den Buchstabendrehern aus dem Lexikon der Kalauerkasper. Mag sein, dass die wirklich Reinsch heißen.

Mit der Möglichkeit von Blogs glauben erdenschlechte Autoren ihre Gabe zu erkennen, amüsant und witzig zu sein. Sie hatten nie einen radikalen Gedanken, denken aber, schon ihr Leben tauge für eine Pointe.

Die Pointe kommt meistens zum Schluss.

Erst kommt der Schüttelfrost, sagt der tödlich verletzte Al Pacino in „Carlito’s Way“, und dann schließt die Bar.

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Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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