Bauers Depeschen


Donnerstag, 06. Juli 2017, 1813. Depesche


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TERMINE

MONTAG, 24. JULI:

Spezielle Montagsdemo der S-21-Gegner zusammen mit anderen politischen Initiativen: "Druck in den Kessel - Für ein anderes Stuttgart". Mit Winfried Wolf (Buchautor), Jürgen Resch (Deutsche Umwelthilfe), Sarah Händel (Mehr Demokratie), Angelika Linckh (Robin Wood), Hannes Rockenbauch (Stadtrat). Moderation Sidar Carman & Joe Bauer. Schlossplatz, 18 Uhr.



MITTWOCH, 26. Juli

Kleiner Erinnerungsabend zum 80. Todestag der Stuttgarter Kriegsfotografin Gerda Taro. Gerda-Taro-Platz, 18 Uhr. Es sprechen die Taro-Biografin Irme Schaber, der Historiker Michael Uhl und unsereins. Musik zum Thema macht STEFAN HISS. Bei Regen im Theater am Olgaeck, Charlottenstraße 44.



DIENSTAG, 17. OKTOBER

Joe Bauers Flaneursalon live im Club Four 42 in Stuttgart-Untertürkheim, Augsburger Straße 442. Jürgen Heyls bizarrer Keller mit Industriecharme. Auf die Bühnen gehen der Komiker Rolf Miller sowie die Musiker Loisach Marci (mit Jens-Peter Abele) & Anja Binder. Begrenztes Platzangebot - und hier geht's zum Vorverkauf: EASY TICKET



RECHT AUF WOHNEN

Bei der Aktion "Stoppt den Ausverkauf der Stadt - Für Menschen, nicht für Profite bauen!" habe ich am vergangenen Montag zur Einstimmung auf dem Marktplatz einen kleinen Text des Schriftstellers Heinrich Steinfest vorgetragen. Er hat ihn eigens für diese Demo des Stuttgarter Aktionsbündnisses Recht auf Wohnen verfasst.



SCHÖNEN GUTEN ABEND, verehrte Protestgesellschaft von Stuttgart, willkommen auf dem Marktplatz.

Der Oberbürgermeister hat diesen Marktplatz hier unlängst als das 'Wohnzimmer der Stadt' bezeichnet. Ich bin mir nicht sicher, ob er dies als freundliche Einladung an die vielen Wohnungs- und Obdachlosen der Stadt gemeint hat. Oder nur als Hinweis auf seine Art von Luftnummern in der Immobilienpolitik. - Meine Damen und Herren, keine Angst, ich halte jetzt keine Rede - bin nur als Überbringer einer Botschaft gekommen, die der Schriftsteller Heinrich Steinfest für diese Aktion heute verfasst hat. Eine literarisch-philosophische Betrachtung des menschenwürdigen Wohnens - und Henrichs Text trage ich jetzt vor:

"Der kanadische Philosoph Marshall McLuhan schrieb einmal: 'Die Wohnung als Schutz ist eine Ausweitung des Wärmehaushaltsmechanismus unseres Körpers – eine Kollektivhaut, ein Gemeinschaftskleid.'

Was für eine schöne und richtige Definition!

Und das erklärt wohl auch, wie wichtig beim Wohnen das richtige Maß ist. Man trägt ja auch keine Zirkuszelte am Leib und zwängt sich nicht in die Kostüme einer Barbipuppe. Es sollte darum nicht nur vermieden werden, eine zu kleine Wohnung am Körper zu tragen, sondern das gilt eigentlich auch für zu große Wohnungen. Das eine wie das andere ist eine gegen den Körper gerichtete Perversion.

Auf den Wärmehaushalt bezogen, kann man sagen, dass das falsche Maß eines Raums – zu viele Leute auf zu kleinem Raum, zu wenige auf zu großem – zu einem Ungleichgewicht führt, mit der Folge, dass die Körpertemperatur nicht mehr im Normbereich gehalten werden kann. Und das gilt eben auch für die psychische Körpertemperatur.

Eine Destabilisierung der Kollektivhaut – wenn Wärmebildung und Wärmeabgabe nicht mehr im Gleichgewicht sind – gefährdet den gesellschaftlichen Frieden; wir schwitzen übermäßig und frieren übermäßig und kriegen keine Luft oder zu viel davon – und am Ende entsteht eine große Aggression, weil wir uns ganz einfach so unwohl im eigenen Körper wie im Kollektivkörper fühlen.

Es ist ein bedeutendes Problem, daß wir ausgerechnet das Wohnen der Spekulation überlassen haben, einer großen unchristlichen Geste - ironischerweise gerne betrieben von christlichen Parteien.

Man hat mitunter das Gefühl, dass der Wettbewerb, wo es denn gerade die höchsten Mieten und die teuersten Grundstücke gibt und wo die Verzweiflung der Wohnungssuchenden am größten ist, in einer Weise vorgetragen wird, die einen Hang zur Selbstzerstörung widerspiegelt. Die Bilder des Stuttgarter Abrisswahns kennen wir ja alle.

Keine Gesellschaft wird Frieden finden, wenn sie nicht die Wärmeregulation des kollektiven Körpers im Blick hat. Wenn sie nicht die fatalen Folgen der Kluft zwischen Arm und Reich erkennt. Und denen auf die Finger klopft, die weit Schlimmeres im Sinn haben, als nur ihre eigene Großmutter zu verkaufen."









 

im Nordbahnhof-Areal
 

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