Bauers Depeschen


Donnerstag, 19. Januar 2017, 1726. Depesche


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Die aktuelle StN-Kolumne:



OFFENES TOR IM LEONHARDSVIERTEL

Manchmal kommen auch gute Nachrichten aus der Altstadt, sogar im kalten Januar. Hilfreich für das Quartier zwischen Wilhelms- und Charlottenplatz könnte sein, dass sich am 2. Februar engagierte Bürger mit Carolin von Brügge vom Stadt­planungsamt zur nächsten Gesprächsrunde über die langfristig geplante Neugestaltung der historischen Leonhardsvorstadt treffen. Und gut ist ganz sicher, dass sich im Leonhardsviertel die Mitarbeiter des neuen Stuttgarter Fanprojekts eingenistet haben.

Eher zufällig stolpere ich in ihren Laden – fürs Publikum hat er noch geschlossen. Die Vorbereitungen werden noch dauern. Ende Februar oder Anfang März soll die Eröffnungsparty steigen. Der neue Treffpunkt liegt an der bunten Piste zwischen dem originellen Jazzclub Kiste und der schönen Kneipe namens Immer Beer Herzen.

Viele Jahre hat es gedauert, bis sich die Mehrheit des verstockten Gemeinderats zur Mitfinanzierung dieser wichtigen, sozialpädagogisch betreuten Anlaufstelle für Fußballfans durchringen konnte. Seit Jahrzehnten gibt es in ganz Deutschland solche Projekte, zurzeit etwa 60.

Hauptstätter Straße 41, das Haus, in dem der Fotograf Jim Zimmermann sein Atelier betreibt und immer wieder zu kleinen Theaterabenden einlädt. Bis Ende 2011 war in diesem Gebäude die Bäckerei Schmälzle mit ihrem legendären Frühcafé. Nach dem Abschied des Ehepaars Helga und Hans-Georg Schmälzle zog das DGB-Beratungszentrum für Arbeit und soziale Gerechtigkeit (Basis) ein. Basis und Fanprojekt werden die Räume gemeinsam nutzen; zuletzt war die Freikirche der Adventisten mit ihrer Suppenküche Untermieter.

Träger des Fanprojekts sind die Sportkreisjugend und der Stadtjugendring, finanziert wird es, wie überall in der Republik, von DFB, Stadt und Land. Michael Bulach von der Sportkreisjugend­Geschäftsleitung ist froh über diesen Ort in der Altstadt. Lange haben die Macher Räume gesucht, „irgendwo zwischen Mercedes-Benz-Arena und Degerloch“. Das Haus für junge Fans von VfB und Kickers im Leonhardsviertel ist gut mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar, und die üblichen Vorurteile gegenüber den Verhältnissen im Rotlichtbezirk stören Bulach nicht: „Das Viertel hat sich in den vergangenen Jahren positiv verändert, wir haben keine Berührungsängste.“

In den Basis-Räumen im Erdgeschoss stehen neuerdings Sofa und Sessel. Die Fanprojekt-Sozialarbeiter Daniel Metz, 35, Jörg Reinhardt, 29, und Andreas Kirchner, 25, testen zurzeit gewissermaßen die Platzverhältnisse. Sie bewegen sich in jeder Hinsicht auf Neuland. Keiner weiß, wie die bevorstehenden Begegnungen aussehen werden. Ihre Arbeit starten sie in der Rückrunde der Fußballsaison, entsprechend sind sie mit Prognosen zurückhaltend. „Wir müssen uns erst mal kennenlernen“, sagt Reinhardt, der mit seinem Kollegen Kirchner die VfB-Fans betreuen wird; die Kickers-Fans übernimmt Metz. Und so geht das Spiel: nicht Rot gegen Blau, sondern Rot mit Blau. Es gibt viel zu tun.

Die Annäherung an die Fans, sagt Michael Bulach, wird dauern: Vertrauen schaffen bedeutet oft lange, hartnäckige Arbeit. Wo die Schwerpunkte des Sozialprojekts liegen werden, lässt sich nicht genau sagen, bevor es losgeht – in den Städten gibt es große Unterschiede. In München laufen die Dinge anders als in Dortmund, in Heidenheim anders als in St. Pauli.

Ein Fanprojekt ist die Anlaufstelle zur Lösung von Problemen junger Menschen zwischen etwa 14 und 27 Jahren, die eines gemeinsam haben: Sie gehen zum Fußball und unterstützen ihren Verein. Das Stadion, egal wie groß oder klein, ist vielleicht der wichtigste Orte ihres Lebens, der Fußball, dieses einzigartige globale Spiel, ihre Gemeinsamkeit. Sehr wichtig, sagen die Sozialpädagogen, wird ihre Einzelfall-Arbeit sein: Wer Probleme hat – mit den Eltern, in der Schule, bei der Arbeit – findet künftig ebenso Rat und Hilfe wie bei Schwierigkeiten, die das Leben als Fußballfan mit sich bringen kann. In den Programmen der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) finden sich Themen wie: Konflikte mit der Polizei und Behörden, Wahrnehmung seiner Rechte, Aggression, Drogen, Verletzung unserer demokratischen Regeln (Rassismus, Extremismus).

Pädagogische Konzepte sind oft nicht identisch mit den Strategien der Polizei. Fanprojekt-Mitarbeiter treten deshalb als Vermittler, Mediatoren, Helfer auf. Die Sozialarbeiter des Stuttgarter Projekts sind selbst Fußballanhänger, unterstützen VfB oder Kickers. In Zukunft mischen sie sich mehr als bisher unter die Fans bei Heim- und Auswärtsspielen, um sich zu informieren und Kontakte herzustellen. Fanprojekte sind von den Vereinen unabhängig: Zu ihren Aufgaben gehört die Zusammenarbeit mit den Fanbeauftragten der Vereine, den Mitgliedern der Fanclubs und den Behörden.

Selbstverständlich wird das Fanprojekt auch auf Ablehnung stoßen. Neuankömmlinge haben es immer schwer. Es ist wie beim Fußball: Die Sozialarbeiter müssen ihr Spiel in einer noch relativ unbekannten Liga eher defensiv, abwartend und mit scharfem Blick eröffnen. Kontrollierte Offensive. Viele Fans, etwa die Ultras, leben in eigenen Welten, pflegen eigene Rituale, die Außenstehende nur schwer nachvollziehen können. Will man harte Fans verstehen und mit ihnen zusammen etwas auf die Beine stellen, darf man sie nicht nach den gängigen Kriterien bürgerlicher Moral beurteilen. Und es wäre anmaßend, würde ich an dieser Stelle als Fußballliebhaber mit gelegentlichen Stadionverirrungen etwas über das Klima in der Stuttgarter Fanszene sagen. Ich habe mich nur in die Räume des Fanprojekts verlaufen.

Klar ist für mich aber, dass das Fanprojekt nicht nur dem Fußball, sondern auch dem Leonhardsviertel guttun wird. Ähnlich wie Musik und Tanz eröffnet Fußball großartige Chancen, Grenzen aller Art zu überwinden. „Jugendhaus-Atmosphäre“ soll in den Räumen herrschen. Tischkicker und Playstation wird es geben – und das Tor auch neugierigen Altsäcken wie unsereins offenstehen.

Das Spiel beginnt, ich bin gespannt.



 

im Nordbahnhof-Areal
 

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