Bauers Depeschen


Donnerstag, 06. Oktober 2016, 1684. Depesche


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FLANEURSALON LIVE

> Freitag, 7. Oktober, Neuer Hospitalhofplatz: Bei der Aktion "Platz da?!" bestreiten wir ab etwa 18 Uhr eine einstündige Freiluft-Show. Mit dem Duo Steve Bimamisa (g) & Thabile (voc) sowie dem Rapper Toba Borke und dem Beatboxer Pheel. (Eintritt frei)

> Donnerstag, 3. November: Flaneursalon im Esslinger Kabarett der Galgenstricke: mit Loisach Marci, Anja Binder und Rolf Miller.

> Sonntag, 11. Dezember: Flaneursalon in der Rosenau mit der Kabarettistin Christine Prayon und den Musikern Steve Bimamisa & Thabile, Toba Borke & Pheel.

> 31. Dezember: 2 x Silvester-Flaneursalon im Theaterhaus: mit Stefan Hiss, Eva Leticia Padilla, Rolf Miller und Michael Gaedt. 1. Show um 19 Uhr, 2. Show um 21:15 Uhr. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.



Die aktuelle StN-Kolumne:



RETTET DAS KEEFERTAL

Neulich habe ich mir ein altes Fahrrad gekauft, was außer mir weltweit niemanden bewegen dürfte. Ich erwähne es nur, weil ich mir das Rad besorgt habe, um damit am Neckar entlang zu strampeln.

Bei meiner Jungfernfahrt von Cannstatt Richtung Hofen und über den Fluss nach Münster habe ich mir war nicht den Hals gebrochen – und dennoch keine gute Nachricht mitgebracht: Das Keefertal – die auf Stuttgarter Gebiet einzige Gaststätte direkt am Neckar – wird am 19. Dezember schließen. Die Wirtsleute Marion und René Zachmann wollen sie nach acht Jahren aufgeben und verkaufen.

Das Gasthaus Keefertal ist ein selten schönes Ausflugsziel, hat es aber leider – wie so viele gute Dinge in dieser Stadt – nie richtig ins Bewusstsein der Menschen geschafft. Ein paarmal habe ich im Sommer auf der Terrasse des Lokals gesessen und den Wellen des Flusses hinterher­geträumt. Man ist so nah am Neckar, dass es keine Kunst wäre, ins Wasser zu spucken oder schlimmere Dinge zu tun. Davon­jedoch rate ich ab: „Eine Mütze voll Regen verursacht im Neckar Hochwasser“, hat Mark Twain geschrieben, „und ein Zuber voll Wasser führt eine Überschwemmung herbei.“

Schon der Weg zum Keefertal baut einen auf: Nicht weit vom Max-Eyth-See überquert man den Neckar auf dem Max-Eyth-Steg: Ende der Achtziger hat der Stuttgarter Architekt Jörg Schlaich einen der schönsten Stege weit und breit geschaffen. Von dieser Brücke, leider wie viele andere mit unzähligen dämlichen Liebesschlössern verschandelt, ist es nicht weit zum Keefertal. Mit René Zachmann bespreche ich in der Raucherlounge des Hauses die Lage. Seine Frau und er haben die Mitte der Fünfziger überschritten und wollen in den Ruhestand. 41 Jahre lang habe er gearbeitet, sagt er, es sei genug. Das Wirtshaus ist keine Goldgrube und Herr Zachmann kein gelernter Wirt. Und es ist keine Beleidigung, wenn ich sage: Nachdem das Keefertal zwei Jahre lang geschlossen hatte, übernahm er es 2007 mit der Haltung eines Freaks: Volles Risiko stürzte er sich mit seiner Frau in ein Abenteuer.

Eine Zufallsgeschichte. Als die Eheleute eines Tages auf dem Weg in ihr Lieblingsland Dänemark einen Stopp in Hannover einlegen, landen sie in einer Kneipe – und der Mann darf nicht rauchen. Das passt ihm nicht, so wie ihm viele Dinge im bürokratischen Alltag nicht passen. Lass uns eine Kneipe eröffnen, sagt er zu seiner Frau – im Spaß. Wenig später fängt er an, ernsthaft einen Laden zu suchen, zunächst eine Eckkneipe.

Sie hätten immer gutes Geld verdient, erzählt er. René Zachmann, im Stuttgarter Stadtbezirk Münster geboren, und seine Frau haben einst als gelernte Technische Zeichner in Stuttgart eine eigene Firma aufgebaut, spezialisiert auf Technische Dokumentationen. Statt einer Eckkneipe entdecken die Zachmanns das Keefertal. In der Gastronomie unerfahren, erwirbt das Ehepaar 2007 das Anwesen und renoviert es komplett. Die Kosten, sagt der Wirt, gingen ins Siebenstellige. Die Eröffnung 2008, ausgerechnet am 1. Mai, endet als Katastrophe. Nichts funktioniert. Anfängerschicksal.

Einige Jahre später geben die Zachmanns ihre Technikfirma auf und ­widmen sich dem Keefertal. Das Lokal am Fluss mit Restaurant und Lounge, Terrasse und Biergarten wäre ein guter Ort für kleine Veranstaltungen und Aktionen zu jeder Jahreszeit. Nur auf den ersten Blick erscheint das Gelände etwas abgelegen. In Wirklichkeit ist es leicht zu erreichen, per Bahn (Linie 14, Haltestelle Wagrainäcker) und nach kurzem Fußweg, zur Not auch mit dem Auto.

René Zachmann hat keine guten Erfahrungen mit den Behörden. Immer wieder, erzählt er, hätten unverständliche Auflagen seine kleinen Feste und Sonderaktionen behindert. Ein beantragter Anlegesteg für die Ausflugsschiffe des Neckar-Käpt’n wurde abgelehnt. Nachdem er einen Kinderspielplatz auf einem zusätzlich von der Stadt gemieteten Grundstück angelegt hat, muss er ihn wieder abbauen – die Stadt plant an dieser Stelle einen „Wasserspielplatz“. Bis heute aber ist nichts passiert.

Der Fischermeister Emil Keefer hat gleich nach Ende des Zweiten Weltkriegs am Neckarufer in Münster eine Holzhütte für die Schützengesellschaft Tell gebaut und ihr seinen Namen gegeben. Für zehn Pfennige konnten die Gäste über den Fluss setzen; die Brücken waren zerbombt. 1959 wich die Hütte einem Neubau, bis 2007 war die Gaststätte in den Händen von Emil Keefers Nachfahren. Es wäre jammerschade, würde die Geschichte des Keefertals als Ausflugslokal im Dezember für immer enden. Der ohnehin bis heute vernachlässigte Neckar braucht dringend zugängliche Orte wie dieses Gasthaus am Ufer.

Rettet das Keefertal!



 

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