Bauers Depeschen


Donnerstag, 23. Juni 2016, 1642. Depesche


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ES GIBT NOCH KARTEN:

FLANEURSALON IM GALERIENHAUS

Am Donnerstag, 14. Juli, ist der Flaneursalon im Galerienhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 48. Beginn: 19.30 Uhr. - Es machen mit: Vater & Tochter, nämlich die Musiker Zam Helga und Ella Estrella Tischa, sowie - erstmals - der Dichter und Bühnenkünstler Timo Brunke. Karten gibt es direkt im Galerienhaus - dienstags bis freitags von 14 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 11 Uhr bis 16 Uhr. Galerienhaus: 0711/65 67 70 68. Tickets diesmal 10 € - Jubiläumspreis zum Elfjährigen des Hauses.



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LIED DES TAGES



Die StN-Fußball-Kolumne



INTIMES

Neulich haben mir Freunde geraten, den Mund zu halten: Die EM habe doch noch gar nicht begonnen. Eine EM starte bekanntlich immer erst mit den Finals. Diese Belehrung erhielt ich, bevor Müller Bälle versemmelte, die der Nordire George Best einst mit drei Promille bei ausgefallenem Flutlicht reingemacht hätte.

Zuvor hatte ich im Kreis der letzten verbliebenen Freunde gemosert, die EM sei doch bereits so gut wie gegessen, verdaut und ausgeschieden – und mir, der Bedeutung meiner Körpersprache bewusst, einen weiteren Löffel Spargelsuppe in die große Klappe geschoben. Alles gesagt, habe ich gesagt, nichts mehr zu erwarten, die Teams total daneben, eine Langweilernummer ohnegleichen, voll überladen, viel zu viele Mannschaften, viel zu üppiger Spielplan, viel zu viel Fernsehen, viel zu viel Scholl. Und überhaupt kein Fußball.

Es kann nicht am Wetter liegen oder an den Millionen TV-Einspielungen von Löws Spiel mit den eigenen Bällen: Zurzeit neige ich dazu, den Fußball nicht mehr so ernst zu nehmen, wie man sein Leben ernst nimmt, wenn man den Humor verloren hat.

Diese Zeilen heute sind private, gar intime Mitteilungen aus meinem Leben, das zugegebenermaßen nicht unbedingt interessanter wird, wenn ich meinen Intimbereich öffne. Zuletzt habe ich die Spiele im Fernsehen nur deshalb durchgehalten, weil mich ein alter Freund pausenlos mit intimen Nachrichten auf mein Taschentelefon wach hielt. Sie handelten ausschließlich vom Fußball im Fernsehen. Meine Symptome dieses masochistischen Akts dürfen niemals an die Öffentlichkeit dringen, weil sie oft an den kriminellen Shitstorm im Fall der Fußballkommentatorin Claudia Neumann erinnern. Diese üblen Auswüchse, nicht nur in meiner Körpersprache, sind in meinem Fall nicht grundsätzlicher Natur, sie entstehen aber im Wahn der Droge Fernsehfußball. Nach drei Spiel-Übertragungen pro Tag plus Scholls Pausenclown-Auftritten bin ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Und wer je am Ende des Tages „Beckmanns Sportschule“ live aus Malente gesehen hat, taumelt in einen surrealen Grusel-Tunnel, wie ihn der schlimmste Horror der Trash-Industrie nicht hervorbringt. Die forensischen Folgen sind unkalkulierbar.

Der bereits erwähnte Digital-Freund hat meine Aufmerksamkeit zum Glück auf ein Thema gelenkt, das bis heute nicht mal ansatzweise befriedigend behandelt wurde. Um mit pseudowissenschaftlichem Unsinn von den künstlerischen Mängeln des EM-Fußballs abzulenken, traktieren uns die Scholls, Rethys und Bartels ja nicht nur mit Hohlwörtern wie „Packing“ und „Gebilde“. Ihr dümmster Dauerbrenner ist die „Körpersprache“. Während lange Zeit Pantomimen, Tänzer oder Komiker-Genies wie Buster Keaton als Meister der Körpersprache galten, bildet sich heute jeder TV-Schwätzer ein, die Mimik, Gestik und Haltung von Spieler und Trainern deuten zu können. Wobei sich keiner der Laien auf Löws Griff zum Gemächt beschränkt – oder wenigstens auf die abstrakte Wirkkraft unseres berühmtesten sprechenden Körperteils, der neben Geräuschen sogar Gerüche produzieren kann.

Die Körpersprache-Exegeten im EM-Fernsehen tun so, als könnten sie generell die Kommunikation der Sinne analysieren. Eine ungeheure Anmaßung, wenn man weiß, dass die übereinandergeschlagenen Beine Müllers im Strafraum nicht nur als Hommage an Claudia Neumanns Coolness angesichts der Facebook-Pest gelten können – sondern auch eine schlimme Beleidigung für Araber darstellen, weil ihnen die sichtbare Fußsohle als unrein gilt.

Nun könnte man einwenden, eine EM sei in erster Linie nicht Sache der Araber. Das aber wäre Erbsenzählerei. Von heute an widme ich mein Leben dem Studium der Körpersprache – und melde mich mit diesem Thema zurück, sobald ich etwas über die Bedeutung der nonverbalen Signale sagen kann, wenn Müller demnächst seine Beine entknotet.

 

im Nordbahnhof-Areal
 

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