Bauers Depeschen


Mittwoch, 23. März 2016, 1606. Depesche


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LIEBE GÄSTE,

am Samstag, 16. April, veranstalten Freunde der Stuttgarter Altstadt zusammen mit DGB-Leuten das 1. BASIS-Fest. Das Basis ist ein kleines Beratungszentrum des DGB in den ehemaligen Räumen des legendären Café Schmälzle im Leonhardsviertel, Hauptstätter Straße 41. Das Fest ist als Tag der Begegnung und als kleine Hommage an die Altstadt gedacht. Es gibt gutes Essen, Getränke - und ein Programm. Michael Dikizeyeko & Steve Bimamisa spielen afrikanische Songs. Mitglieder des Vesperkirchen-Chors rahmenlos & frei singen ihre schönsten Lieder. DGB-Mitarbeiter stellen das Basis vor, unsereins liest Texte über die Altstadt vor. Der Fotograf Jim Zimmermann stellt Bilder aus. Alle sind herzlich willkommen. Das Basis-Fest beginnt um 17 Uhr. Eintritt frei.



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LIED DES TAGES



Und hier ein Beispiel, wie die Flaneursalon-Abende immer mit speziellen, für den Spielort geschriebenen Texten eröffnet werden:



SCHÖNEN GUTEN ABEND IN DER FRIEDENAU,

zu Beginn möchte ich Sie, meine Damen und Herren, auf zwei historische Ereignisse hinweisen, an die sich die Älteren unter Ihnen vielleicht noch erinnern können:

Am 18. März 2009, als das Leben auch nicht besser war als heute, gastierte der Flaneursalon zum ersten Mal in der Friedenau, in diesem Stuttgarter Gasthaus, in dem Nationalitäten keine Rolle spielten. In der Friedenau wird heute dreisprachig gekocht – und meistens schwäbisch gegessen. Hier sind wir an einem der wenigen europäischen Orte, wo echte Solidarität mit Griechenland herrscht: Schon vor mehr als 30 Jahren hat man den griechischen Chef des Hauses einfach in Schorsch umgetauft – früher hieß er Georg Chatzitheodoru. Mit so einfachen Mitteln hat man dem heuchlerischen Integrationsgetue ein Ende gesetzt.

Heute Abend danken wir ein weiteres Mal Schorsch dem großen Griechen und seinem Team für ihre außerordentliche internationale Gastfreundschaft in Ostheim. In dieser Friedenau, meine Damen und Herren, ist die Welt zu Hause, ich darf das sagen, denn wir vom Flaneursalon kennen uns aus in Wirtshäusern und im globalen Geschäft: Unser Wirkungskreis war selten größer als ein Bierdeckel.

Übrigens: Auch im März 2009 standen Michael Gaedt und Stefan Hiss schon auf dieser schönen Bühne. Beide sehen heute lediglich etwas älter aus, als sie damals sowieso schon waren.

Das zweite Ereignis, das ich heute erwähnen muss, sind die Landtagswahlen vom 13. März 2016. Sie erinnern sich vielleicht noch an den Wahlkampf: Da ging eine Partei an den Start mit dem Slogan: „Es heißt Fahrzeug, nicht Stehzeug.“ Da fragt man sich schon, ob der Propagandachef der FDP neben anderem toten Zeugs auch sein Hirn in der Hose herumträgt. Liebes Publikum, im Stuttgarter Wahlbezirk Ost haben 9,5 Prozent AfD gewählt – also fast jeder Zehnte hat sein Kreuz bei dieser asozialen Alternativpartei für Reiche und Rassisten gemacht.

Wenn ich jetzt hier im Saal frage, wer diese Brut gewählt hat, war's garantiert wieder keiner. Nein, nein, das waren die Flüchtlinge. Die Flüchtlinge sind inzwischen sogar an den Wahlergebnissen schuld. Die nehmen uns nicht nur unser Hartz IV, unsere Renten und unsere Frauen weg, sondern neuerdings auch noch unsere Stimme. Als ich von der Briefwahl im Ordnungsamt aus dem hässlichen Schwabenzentrum kam, ging ich sofort rüber in die Hauptstätter Straße zum Elektro-Dräger und kaufte mir ein Megafon. Danach schrieb ich in mein Tagebuch: Die Welt wird noch hören von dem Mann, der seine Stimme verlor und sich ein Megafon besorgte.

Verehrtes Publikum, den Stuttgarter Osten hat man mal den roten Osten genannt – lange her. Die SPD z. B. brachte es bei der Landtagswahl auf sagenhafte 12,3 Prozent. Da machen sogar die Stuttgarter Kickers mehr Punkte, wenn's drauf ankommt. – Seltsam. Die Sozen-Partei glänzte einst mächtig im Osten, denn sie war ja selbst mal rot – damals, als noch Bismarck regierte.

Immerhin aber, und das muss auch gesagt werden: Die Linke kam im Osten auf 7,1 Prozent. Es muss also noch einige Überlebende in Ostheim geben, die auch nach dem KPD-Verbot von 1956 wie gewohnt ihre Sitzungen im Saal der Friedenau abhalten. Ihnen gilt mein spezieller Gruß.

Am Montag nach der Wahl war ich beim Pegida-Aufmarsch in Dresden. Tatjana Festerling, der Pegida-Führer in Frauenklamotten, sagte da unter anderem, die Kanzlerin sei ein „unempthatisches Durchschnittsweib“, das 80 Millionen Deutsche vergewaltige. Diese, ich zitiere, „Moslem-Merkel“ habe den „unterdurchschnittlich intelligenten, muslimisch verrohten Flüchtlingen! inzwischen von ihrer „Regierungs-Bande“ beibringen lassen, wie bei uns Sex mit Zweibeinern funktioniert – soll heißen: in ihren Heimatländern machen sie es mit Eseln und Kamelen. Diese Pegida-Hetzer, die sich als Widerstand begreifen und ihre Propaganda-Shows auch rhetorisch sehr professionell aufziehen, sandten von Dresden die besten Glückwünsche für das Abschneiden der AfD nach Stuttgart. Sie verstehen sich grenzübergreifend bestens, unsere neuen Eliten. Ich als Spaziergänger achte jetzt mehr denn je darauf, wo diese überdurchschnittlich intelligenten Zweibeiner ihr braunen Haufen hinterlassen.

Im Kampf gegen diese Leute würde ich mich nicht unbedingt auf einen Herrn verlassen, der als wandelnde Schießbudenfigur mit einem Plüschtier-Wolf durch die Gegend stolpert – und Reden hält, als sei er gerade als Bütten-Kasper beim Fasching in der Mäulesmühle. Ist ja abzusehen, dass der Plüsch-Wolf demnächst dem grünen Regierungschef als schwarzer Wadenbeißer hinterherdackeln muss.

Aber, meine Damen und Herren, alles nicht so schlimm. Kretschmann hat ja in Wahrheit keine politische Wahl gewonnen, er wurde Regionalliga-Meister beim badisch-schwäbischen Folklore-Wettbewerb für Landesväter – eine Art „Deutschland sucht den Super-Opa“. Eines aber muss man ihm lassen: So viel Vertrauen bei den Bürgern wie Kretschmann hat bei uns kein Mann mehr genossen – seit Hans Filbinger und Mutter Teresa.

So, nach dieser kleinen Einleitung mit Denkanstöße aus dem Workshop für SPD-Wähler, komme ich zu meiner ersten kleine Geschichte ...

 

im Nordbahnhof-Areal
 

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