Bauers Depeschen


Montag, 28. September 2015, 1528. Depesche


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30. 9.

An diesem Mittwoch, 30. September, jährt sich zum fünften Mal der Schwarze Donnerstag, der Tag, an dem eine Polizei-Armee im Schlossgarten die Demonstranten gegen Stuttgart 21 mit Wasserwerfern und Pfefferspray niedermachte. Einer der Redner bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof (19 Uhr) ist unsereins. Hier der Klick zum Ablauf:

ALLES ÜBER DIE DEMO & KUNDGEBUNG AM 30. 9.



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Die aktuelle StN-Bundesliga-Kolumne:



IM SUMPF

Willkommen im Feuchtgebiet. Die dominierenden Begriffe der Fußball-Berichterstattung sind zurzeit nicht „Tore“ (Lewandowski), „Langweilersiege“ (Bayern) oder „vergeigte Chancen“ (VfB). Die Schlagzeilen bestimmt das Wort „Sumpf“. Der Duden definiert den Sumpf als „ständig feuchtes Gelände [mit stehendem Wasser] besonders in Flussniederungen und an Seeufern“. Die zeitgemäßere Sumpf-Interpretation lautet etwas kürzer: „Fifa“. Und weil das Sumpf-Bild weniger die Flussniederungen als die menschlichen Abgründe meint, sind auch verwandte Begriff im Umlauf: etwa die „Sumpfblüte“, laut Duden „abwertend für moralische Verfallserscheinung“.

Die berühmteste Sumpfblüte unserer Tag ist der von der Staatsanwaltschaft verfolgte Fifa-Boss Sepp Blatter. Dahinter gilt sein (vom DFB hofierter) Kronprinz Michel ­Platini als eine Art Sumpfdotterblume – die „besonders auf sumpfigen Wiesen wachsende Pflanze mit dickem, hohlem Stängel“ (Duden). Wie immer geht es bei der Auf­deckung von dicken Hohlstängel-Auswüchsen darum, den Sumpf auszutrocknen, also den moralischen Morast zu beseitigen. Dieser Plan erscheint im korrupten Fußballgewerbe so aussichtsreich, wie Drogen und Waffen, die Mafia oder Angela Merkel abzuschaffen. Aus dem zweiten Teil von Francis Ford Coppolas Mafia-Trilogie „Der Pate“ kennen wir das Zitat: „Geld ist eine Waffe. Politik ist zu wissen, wann man abdrückt.“ Klar ist seit Al Capone, dass bei dieser Taktik der Schuss auch mal nach hinten losgeht. Dann ist die Justiz am Drücker, in unserem Fall die Ermittler in den USA, wo die Fußballmachenschaften zurzeit weniger Aufmerksamkeit genießen als der Skandal um die gefälschten Emissionswerte von VW.

Jessas, jetzt sind wir mitten drin im Sumpf. Nein, nicht Effenberg. Als der ehemalige Bayern-Spieler neulich im Auto mit 1,4 Promille erwischt wurde, nahm es sein Publikum eher gelassen: Als Experte des Fußballsenders Sky, hieß es, spreche er selten mit weniger als 2,4 Promille. Und damit im Sumpf nichts durcheinander kommt: Effenberg spielte zwar 2002/2003 beim VfL Wolfsburg. Bei seiner jüngsten Alkohol-Tour saß er aber nicht in einem VW­Diesel, sondern in einem Jaguar F.

Der Weltkonzern Volkswagen leistet sich ja eine dem Volkssport gewidmete Fußballfiliale namens VfL Wolfsburg, und die „Sportschau“ kündigt bereits auf ihrer Online-Seite an: „Auch der VfL Wolfsburg kommt auf den Prüfstand.“ Dabei geht es weniger um die Tüv-Frage, ob auch die Werte der teuren VfL-Stars manipuliert sind – selbst wenn einiges darauf hindeutet, dass sie nüchtern niemals nur 1:1 gegen die Gurken von Hannover spielen würden. Spekuliert wird vielmehr, ob die VW-Politiker auch künftig noch im Fußball die Waffe Geld abdrücken können, wo doch die Aktien ins Bodenlose stürzen. Hängt davon ab, ob neben dem zurückgetretenen Vorstandschef Winterkorn weitere maßgebende Fußballfans ihre Stammplätze im VW-Management verlieren. Gerade Winterkorn, in Leonberg geboren und damit der weltweit berühmteste Schwabe des deutschen Fußballs nach Alexander Zorniger, gilt als geradezu obsessiver Liebhaber des Sports. Er beschäftigte einst den für seine Sado-Praktiken bekannten Allmachtstrainer Felix Magath in Wolfsburg und drückte so lange VW-Kohle ab, bis der VfL Meister wurde.

Kaum aber war die Abgas-Lüge von VW aufgeflogen, schenkte Lewandowski dem VfL im Alleingang fünf Treffer ein. Ein Rekord auf VW-Kosten für die Ewigkeit. Zwar schoss der einstige ManU-Megastar Georgie Best mal in einem Spiel sechs Tore – aber 1.) fielen die gegen den Viertligisten Nor­thampton Town, und 2.) ist bis heute fraglich, ob Georgie in dieser Partie ausnahmsweise mal ohne Promille ballerte.

Angesichts dieses wunderbaren Stoffs bereitet es mir etwas Sorge, wenn viele Fans gerade jetzt „ehrlichen Fußball“ fordern. Wenn es wie in Berlin hip wird, dem großen Stadion den Rücken zu kehren und den Kick auf den Sportplätzen der unteren Ligen zu suchen. Bei allem Respekt vor der Graswurzel: Wir haben auch saubere Fußballer, man denke an den brillanten Monolog des Freiburger Trainers Streich über die Flüchtlingsproblematik. Kreisliga jedenfalls ist keine Alternative, so wahr ich die Stuttgarter Kickers auch dann noch in der dritten Liga besuche, wenn der Restfußball längst im Sumpf versunken ist.



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