Bauers Depeschen


Donnerstag, 02. Juli 2015, 1485. Depesche


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SOLIDARITÄT MIT GRIECHENLAND

Demo an diesem Freitag um 18 Uhr auf dem Stuttgarter Schillerplatz

Veranstalter: Die Anstifter u. a.



ACHTUNG, nur noch wenige Karten!!!

FLANEURSALON AM FLUSS

KLICKS ZUM LESEN:

STUTTGARTER ZEITUNG

KESSEL.TV

Samstag, 4. Juli 2015

Picknick-Gelände mit Grill, geöffnet ab 16 Uhr

Showbeginn: 18.45 Uhr Uhr

Neckarhafen, 70327 Stuttgart

Stahlbau Heil, Mittelkai 12 -16

Anfahrt über B 10, Ausfahrt Hedelfingen

Siehe: STAHLBAU HEIL

VORVERKAUF: MUSIC CIRCUS - Kartentelefon: 07 11 / 22 11 05

NUR NOCH SEHR WENIGE KARTEN AN DER TAGESKASSE, ab 16 Uhr

° Unser Hafen-Gelände ist überdacht °

KLEINES EINSTIMMUNGS-VIDEO: HAFENPICKNICK



Die Kolumne "Joe Bauer in der Stadt":



ABGANG IN DER ALTSTADT

Die heiße Phase des Jahres 2015 hat begonnen. Die Griechen führen ihren letzten, aussichtslosen Kampf gegen die Geld­Offensive ihrer europäischen Schwestern und Brüder, in Deutschland häufen sich Meldungen über Anschläge auf Flüchtlingsheime, und im Stuttgarter Rathaus feiert man einen triumphalen Sieg im Ringen um die freie Fahrt des Paternosters.

Für den Spaziergänger ist es schwierig, sich im schwülen Schatten der Jahrhunderthitze einen Überblick zu verschaffen. Erschöpft sitze ich auf einem Gartenstuhl vor dem Brunnenwirt am Leonhardsplatz und lausche dem Meeresrauschen, das von unserer schönen Stadtautobahn herüberweht. Diese spirituelle Beschaulichkeit an der Hauptstätter Straße stören nur die Sirenen der Polizei und der Feuerwehr.

Das Leben ist eine Stuttgarter Baustelle im Blaulicht, und der Soundtrack des Feinstaub-Kessels begleitet vollendet die seltsamen Gestalten, die an meiner Ecke vorübergehen. Ich habe nicht das Recht, sie namentlich zu nennen und ihre Geschichten zu enthüllen, auch wenn in dieser Kolumne nach meinem Empfinden das Allzumenschliche öfter mal fehlt. Einige der Passanten und Abhänger sind lebendes Stadtmobiliar, wie der vom Fahrstuhl des Lebens ­gezeichnete Altstadtmann, den man seit Jahrzehnten „Flitzer“ nennt, auch heute noch, da sein Zustand einen Rollator verlangt. Leider hat ihm, wie wir Polizeireporter sagen, ein unbekannter Täter die Lebenshilfe gestohlen. Einige Überlebende im Viertel würden den ehrlosen Dieb sofort umgekehrt an eine Laterne in die Julisonne hängen, so sie ihn greifen könnten.

Mein Freiluft-Refugium vor den Treppen zur U-Bahn der Haltestelle Rathaus wird leider schon im kommenden Herbst zerstört: Das benachbarte Plattencafé Ratzer Records zieht an den Marienplatz um. Immerhin vier Jahre lang hat dieses Fachgeschäft für den besseren Tonträger den gesunden Kreislauf am Leonhardsplatz garantiert. Die Miete für den Laden in einem stadteigenen Haus ist aber selbst für einen über dreißig Jahre gut funktionierendes Plattenladen zu hoch. Jetzt haben sich Brigitte und Karl-Heinz Ratzer entschieden, im Oktober in etwas kleinere, wesentlich billigere Räume an der Ecke Hauptstätter Straße/Marienplatz umzuziehen: direkt neben die kleine Café- und Bar-Meile am Kaiserbau, wo Provinz-Späher seit langem zwanghaft die Zusammenrottung angeblicher Hipster beobachten: Menschen, die im Gestern das Morgen suchen und es für sich finden.

Mal sehen, was nach dem Plattenladen in der Altstadt kommt, in Ratzers Räumen, wo zuvor ein unglückselig geführtes Caritas-Lokal namens Bohne untergebracht war. Ein kontrastreicher Schnitt schon damals: Früher hatte dieses Haus am Eck, einst im Besitz des Autorennfahrers Hans Herrmann, illustre Kundschaft in die Rotlicht-Bar Café Schlauder gelockt.

Die Altstadt ist und bleibt eine heiße Problemzone, auch wenn sich immer wieder neue Leute ins Viertel wagen, etwa die Wirte der sehr schön gestalteten Bar Paul & George in der handtuchbreiten Weberstraße; ein innenarchitektonisches Musterbeispiel für den Respekt vor der Umgebung.

Ins einstige, legendäre Café Schmälzle ist indes ein Gewerkschaftsbüro eingezogen. Bis Ende 2011 war die Gaststube der Bäckerei von Helga und Georg Schmälze Zufluchtsort der Streuner und Lebemenschen, und auch als altes Gewerkschaftsmitglied muss ich sagen: Der neue Laden, ebenfalls in einem Gebäude der Stadt, trägt nicht zwingend zur Belebung des Viertels bei. Für mehr Bewegung dürfte die bevorstehende Eröffnung der Kneipe „Immer.Beer.Herzen“ sorgen. Dahinter stecken die Leute der ehemaligen, inzwischen gentrifizierten Kneipe Libero (Olgastraße, Süd). Ihren für den einen oder anderen merkwürdig klingenden Namen haben sie sich bei Deutsch-verliebten Wirten in Asien geliehen.

Bei dieser Gelegenheit darf ich mitteilen, dass ein paar Altstadt-Freunde am Samstag, 18. Juli, ihr zweites „Schmuddel­Bankett“ in der Leonhardstraße veranstalten: Essen, Drinks und gute Live-Musik von 14 Uhr bis 20 Uhr an einer langen Tafel auf dem ermüdeten Straßenstrich. Die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle wird Neugierige auf einem Spaziergang durch das vergessene historische Zentrum der Stadt führen, so sie nicht vorher dem Rathaus­-Paternoster zum Opfer fällt.

Der Bürgermeister Werner Wölfe hat ja schon vor einiger Zeit todesmutig zur E-Mail-Bombardierung der SPD-Politikern Nahles aufgerufen, als die Bundesministerin für – angeblich – Arbeit und Soziales einen Zwangsstopp für Paternoster anordnete. Paternostern fehlen bekanntlich die wesentlichen Merkmale sozialdemokratischer Transparenz: Sie haben keine geschlossenen Türen.

Es war kein Zufall, dass ich als herumspazierender Fahrstuhl- und Rolltreppenfeind unlängst Post von einem in Dänemark lebenden Kollegen erhielt: eine Nachricht des Horrors. Erst neulich hat ein Paternoster in Kopenhagens stadtprägendem Gebäude Axelborg einen achtzig Jahre alten Fahrgast eingequetscht. Wenig später war der Mann tot. Über die wahre Unfallursache ist noch nichts bekannt. Sicher ist nur, dass der Paternoster schon 1920 zur Axelborg-Eröffnung eingebaut wurde und damit fünfzehn Jahre älter ist als sein jüngstes Opfer.

Mein Kollege teilte noch mit: Das neoklassizistische Haus Axelborg, benannt nach dem Bischof und Kopenhagen-Gründer Axel Absalon, stehe heute als Symbol für den mächtigen Agrarsektor Dänemarks. Außer ein paar Milchprodukten und einigen guten Auftritten auf dem Fußballrasen habe ich von den Dänen bisher nicht viel mitbekommen. Kann auf meinem Posten an der Stadtautobahn also nicht beurteilen, ob die Herrschenden in ihrem Prachtbau mit Blick auf den Tivoli den Paternoster als Menschenfalle missbrauchen.

Es hat sich herumgesprochen, dass Paternoster ein lateinisches und damit das erste Wort des Gebets „Vaterunser“ ist. Es hat noch viele andere Bedeutungen, etwa als Köderfach beim Angeln. Der Duden enthüllt, dass der Paternoster bei uns auch „Beamtenbagger“ genannt wird. Nie gehört. Einleuchtend in diesem Zusammenhang ist allerdings die erfolgreiche Paternoster-Aktionitis des Bürgermeisters Wölfle: Irgendwann endet das politische Engagement jedes grünen Amtsträgers beim Baggern um einen Platz im Fahrstuhl nach oben.

Runter kommen sie von allein.





 

im Nordbahnhof-Areal
 

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