Bauers Depeschen


Mittwoch, 27. Mai 2015, 1466. Depesche


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LIEBE GÄSTE,

die kommenden Tag bin ich in Berlin, lese am Donnerstagabend auf Einladung von HEIKO WERNING bei den BRAUSEBOYS im La Luz im Wedding, bin am Sonntag um 15 Uhr Gast bei "Weltstars privat" im Comedyclub Kookaburra, Prenzlauer Berg, und am Sonntagabend in der Reformbühne Heim & Welt.



LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne "Joe Bauer in der Stadt":



VOM FLECK WEG

Keine Ahnung, warum: Gestern ist mir ein Couplet des Berliner Sängers und Komikers Otto Reutter aus den zwanziger Jahren eingefallen. Herr Reutter erzählt in dem Lied, wie Herr Fichte beim Erwerb eines Paletots vom Verkäufer einen Rat fürs Leben erhält: „Geben Se acht auf die Pracht, / wird ­gestohl’n bei Tag und Nacht. / Sind se mal im Lokal, / häng sen vor sich auf im Saal. / Schaun sen dann immer an, / bleibt der Überzieher dran, / sehn Se weg von dem Fleck, / ist der Überzieher weg.“

Nein, nein, keiner hat mir in der Kneipe den Mantel gestohlen, es ist Mai und keine Überzieher-Saison, die Sache ist viel schlimmer: Ich war ein paar Tage raus aus der Stadt, sah mal kurz weg von dem Fleck / da war die Übersicht weg.

Ich weiß, vom Fußball redet keiner mehr. Alles vorbei, alles gut: Der VfB hat sich an einem ostwestfälischen Provinzzipfel eine weitere Saison in der ersten Liga gesichert, weil er ein Tor mehr geschossen hat als der Gegner. Der Medienrummel rund um den kleinen Paderborner Fußballplatz, wie andernorts löwenmäulig Arena genannt, war so groß wie an jenem Tag, als Frau Merkel bei der Weltmeisterschaft das deutsche Nationalteam mit ihrer erregenden Tribünen­Gymnastik anfeuerte. Ihre Nummer geriet damals dermaßen außer Kontrolle, dass wir Angst haben mussten: Gleich ist ihr Überzieher weg. Und dann gnade Gott unserem Augenlicht.

Der zeitgenössische Fußball ist ein unglaubliches Ekstase-Instrument, pur und hart und ohne Überzieher, ein Spektakel mit fast absurden Regeln: Hätte ein Verein namens SC Paderborn 07 am letzten Spieltag nicht ein, sondern zwei Tore geschossen, wäre womöglich das ganze Unternehmen VfB Stuttgart zusammengebrochen. Angestellte hätten entlassen werden müssen, im Derby des Südens hätte man nicht mehr gegen den FC Bayern, sondern gegen den SB Heidenheim gespielt, die ganze Stadt wäre in Panik geraten: Jetzt ist auch noch der weiß-rote Überzieher weg, nackt und bloß versinken wir in der Zweitklassigkeit, die wir auf anderen Gebieten längst gewohnt sind.

Der Apokalypse fand nicht statt. Der Stuttgarter Kampfruf „Oben bleiben!“ zeigte endlich Wirkung. Dieselben Leute, die den Verein fast ruiniert hätten, lassen sich jetzt als Retter feiern. Und der nach Paderborn geeilte OB repräsentierte seine Weltstadt wie gewohnt in weltmännischem Ton: Er habe, ließ er der Presse mitteilen, ein „sautolles“ Spiel gesehen. Voll volksnah trug er Outdoor-Überzieher und Beulenjeans – mit Rücksicht auf die Jacketts der glorreichen VfB-Führung in der Tribünen-Nachbarschaft diesmal allerdings nicht seinen sautollen Rucksack zur politischen Identifizierung: Obacht, Grüner.

Im Nachrausch des Fußballfinales 2014/15 muss ich heute der Ehre halbe auch darauf hinweisen, dass zum letzten Drittliga-Spiel der Stuttgarter Kickers ein Sonderzug voller Fans nach Kiel fuhr, obwohl es im hohen Norden nur noch um „Sonne und Bier“ ging, wie mir ein erstklassiger blauer Globetrotter per SMS mitteilte. Die Tour dauerte achtundzwanzig Stunden.

Kaum war ich zu Pfingsten zurück von der Pader, war alles anders in der Stadt. Einige Straßenbahnen fuhren wegen Bauarbeiten gar nicht, andere anders als gewohnt. Der Überblick war vollends weg, als ich die Innenstadt aufsuchte. Auf dem Schlossplatz das Humbatätärä-Fest des SWR, auf dem Marktplatz der „Vegan Street Day“: die Kirmes der sich kaninchenhaft vermehrenden Tofu- und Soja-Community. Schauplatz ausgerechnet das Gelände vor genau dem Rathaus, wo der Geist bekanntlich schwach, das Fleisch aber sauwillig ist.

Weiter zum Karlsplatz, zum „Marktplatz Istanbul“. Noch bis heute, Mittwoch, feiern die Türken mit uns ihr Folklore-Fest. Ich aß etwas Fleischloses (Name vergessen), sah die Auftritte einiger Tanzgruppen – und bei leichtem Regen die Show des Stuttgarter Theaterhaus-Schauspielers und Bühnen­komikers Özcan Cosar. Er ist bereits eine ziemlich große, mit Preisen dekorierte Comedy-Nummer, kann Schwäbisch und Türkisch, Deutsch und Breakdance, wäre also ein geschmeidigerer Stadtrepräsentant als der OB. Sein „Ey, du Fisch, Alder“ klingt entschieden stuttgarterischer als „sautoll“.

Als ich das bunte Treiben auf dem Karlsplatz verfolgte, fiel mir ein: Ey Fisch, Alder, bald ist Weihnachten, und ich muss den Leuten vor der großen Sommerhitze rasch mitteilen, dass es noch gute Karten gibt für „Die Nacht der Lieder“, die Benefiz-Show für die Aktion Weihnachten unserer Zeitung. Am 8. und 9. Dezember steigt die große, von Eric Gauthier moderierte Gala im Theaterhaus.

Näheres: THEATERHAUS (Vorverkauf auch telefonisch: 07 11/4 02 07 20).

Kaufen Sie unsere günstigen Tickets vom Fleck weg für den guten Zweck. Kommen Sie, liebes Publikum, und ich garantiere Ihnen, Sie erleben Überflieger und einen extrem aufregenden Abend: Ich bewache Ihren Überzieher, als sei ich ein Verteidiger vom VfB.



ES IST SO WEIT:

Joe Bauers Flaneursalon

beim 3. Stuttgarter HAFEN-PICKNICK

Große Samstagsshow am wilden Neckarufer mit:



Ginger Redcliff - die Indie-Königin

The Tremolettes - die beste Band der Welt

Wiglaf Droste - der Poet und Entertainer

Ekkehard Rössle Duo – All that Jazz

rahmenlos & frei - der Chor der Vesperkirche

Joe Bauer - der Levitenleser



SAMSTAG, 4. JULI

Picknick-Gelände mit Grill, geöffnet ab 16 Uhr

Showbeginn: 18.45 Uhr Uhr

Neckarhafen, 70327 Stuttgart

Stahlbau Heil, Mittelkai 12 -16

Anfahrt über B 10, Ausfahrt Hedelfingen

Siehe: STAHLBAU HEIL

VORVERKAUF: MUSIC CIRCUS - Kartentelefon: 07 11 / 22 11 05

Unser Hafen-Gelände ist überdacht



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