Bauers Depeschen


Samstag, 14. März 2015, 1431. Depesche


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SO IST DAS LEBEN: VfL Osnabrück - Stuttgarter Kickers 4:1



FLANEURSALON-TERMINE

AUSFLUG: Der nächste Flaneursaon mit Stefan Hiss, Dacia Bridges und Roland Baisch findet am Donnerstag, 16. April, in Stetten im Remstal statt, in der Glockenkelter, dem Domizil der politisch-kulturellen Initiative Allmende. 19 Uhr. Reservierungen sind möglich: 071 51/36 88 06 und info@allmende-stetten.de. Oder einfach auf der Flaneursalon-Seite via "Kontakt" anmelden.

HEIMSPIEL: Am 6. MAI sind wir in neuer Besetzung in der Stuttgarter ROSENAU. Mit Michael Dikizeyeko & Steve Bimamisa (afrikanische Songs), Marie Louise (Indie-Folk), mit dem Freestyle-Rapper und Zeremonienmeister Toba Borke sowie dem Beatboxer Pheel. Reservierungen ab sofort online: ROSENAU



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LIED DES TAGES



WIE INGMAR BERGMAN AUF DIE GÄNSHEIDE KAM

War gar nicht so leicht, einen guten Tag für ein Mittagessen in der Stuttgarter Altstadt zu finden. Zu viele Termine, Konzerte. Eigentlich wollte ich den Dirigenten Patrick Strub nur zum Plaudern treffen, ihm Dankeschön sagen. Hie und da hat er mir geholfen, junge Klassik-Musiker für „Die Nacht der ­Lieder“, die Benefiz-Show zu Gunsten der Aktion Weihnachten unserer Zeitung, zu finden. Bis 2007 war er fast dreißig Jahre lang Geiger im Radio Sinfonieorchester Stuttgart (RSO). Dann der Unfall. Er stürzt eine Treppe hinunter. Schwere Verletzung am linken Handgelenk, Operationen. Das Aus als Violinist. Nicht aber als Dirigent.

Wir reden eine Weile über dies und das, und dann ziehe ich doch lieber Stift und Notizbuch aus der Tasche. Seine Geschichte macht mich neugierig. Einige Dinge wenigstens muss ich aufschreiben, beispielsweise, warum Patrick Strub als junger Mensch in den sechziger Jahren den berühmten schwedischen Theater- und Filmregisseur Ingmar Bergman („Szenen einer Ehe“) auf der Stuttgarter Gänsheide getroffen hat. ­Warum er zwar der Onkel, eher aber ein Bruder der in Stuttgart groß gewordenen Komikerin Patricia Moresco ist.

Der Stoff aus dem Leben des Patrick S. taugt für eine Familiensaga. Leider kann ich heute nur eine kleine Kolumne daraus machen. Die Geschichte birgt viele dramatische Kapitel. Herr Strub aber ist zum Glück ein unkomplizierter, aufgeschlossener Mensch. Er hat die ganze Welt bereist.

1947 wird er in Escheberg bei Kassel geboren, sein Vater ist der damals berühmte Geiger und Kammermusiker Max Strub, seine Mutter die italienische Pianistin Marialuisa Strub. 1949 zieht die Familie nach Stuttgart. Der Vater, 1900 in Mainz geboren, hat eine Professur an der Musikhochschule in Aussicht; bis 1922 war er Konzertmeister an der Stuttgarter Staatsoper, danach in Dresden. Das Stuttgart­Engagement scheitert an der Zögerlichkeit der in der Stadt stationierten Amerikaner, wohl weil Max Strub 1938 bei den NS-Reichsmusiktagen auftrat. Die Nazis hatten ihn dazu gezwungen, er war nie in der Partei, seine Frau hasste Hitler. Patricks Vater verlässt Stuttgart, in Detmold gründet er die Musikhochschule mit.

Patrick bleibt mit der Mutter zurück in Stuttgart, eine Familie ohne Vater. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, wohnen in einer dürftig ausgestatteten Wohnung, Teil einer Villa aus der Gründerzeit in der Albertstraße, Gänsheide. Marialuisa spricht mehrere Sprachen, auch Russisch, und schlägt sich mit Klavierunterricht durch. Zu ihren Schülerinnen gehört lange Zeit eine Frau namens Käbi Laretei. Die in Estland geborene Tochter eines Sowjet-Politikers ist seit 1959 mit Ingmar Bergman verheiratet, schreibt für den weltberühmten Regisseur Filmmusiken und feiert selbst internationale Erfolge als Pianistin.

In der ersten Hälfte der sechziger Jahre besucht das Ehepaar Bergman regelmäßig Marialuisa Strub und ihren Sohn. Bei ihren Stuttgart-Visiten wohnen sie inkognito in der nicht weit entfernten Pension Reitzenstein in der Richard-Wagner-Straße. Der Regisseur spricht fließend Deutsch. Patrick Strub erinnert sich an einen freundlichen, bescheidenen Mann. Bereits 1960 hat ihn Hollywood mit einem Oscar für seinen Film „Die Jungfrauenquelle“ ausgezeichnet. 1966 zerbricht Bergmans Ehe mit Käbi Laretei und wird drei Jahre später geschieden. Patrick will zunächst nicht Musiker werden. Wie viele Söhne fürchtet er den langen Schatten des berühmten Vaters. Nach seinem Abitur an der Waldorfschule auf der Uhlandshöhe studiert er zwei Jahre Psychologie und Musikwissenschaften in München. Dann siegt doch die Musik. Er geht nach Hamburg und absolviert ein Geigen- und Dirigentenstudium. Nach einem Erfolg bei einem Violin-Wettbewerb lebt und arbeitet er ein Jahr in Rom.

Die Familiensaga der Strubs funktioniert hier auf engem Raum nicht ohne Zeit­sprünge. 2014 feierte der Dirigent Patrick Strub in Stuttgart zwei Jubiläen als Orchesterchef: Das seit 1979 von ihm geleitete Christophorus Symphonie Orchester, ein Ensemble passionierter Musiker mit stets großem Publikum, wurde 45 Jahre alt. Das professionelle Arcata Kammerorchester beging seinen 30. Geburtstag.

Der Dirigent ist pausenlos im Einsatz. Hinter ihm liegen Orchester-Tourneen und Dirigenten-Gastspiele auf allen Kontinenten. In Stuttgart ist er im Vorstand der Hugo-Wolf-Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzender der Mozart-Gesellschaft; früher war er auch Vorsitzender des RSO-Vorstands.

Mit seiner Familie lebt er seit Jahren in Remseck. Er liebt die schwäbische Heimat. Der Blick auf die Entwicklung Stuttgarts schmerzt ihn, macht in zornig. Der profitorientierte, zerstörerische Umgang mit der Stadt, ihrer Architektur, ihrer Geschichte. Ich frage ihn, welche Musik er liebt. Schwierig, sagt er. Ja, Bruckner, Mahler. Und da ist noch der neugierige kulturelle Grenzgänger. Kommen wir damit zum Ende meiner bruchstückhaften Familiengeschichte. Die Komikerin Patricia Moresco, heute in Berlin zu Hause, ist die Enkelin von Patrick Strubs Mutter. Der Musiker also ihr Onkel, eigentlich aber auch ihr mehr als zehn Jahre älterer Bruder: Wie Geschwister sind zusammen im Haus seiner Mutter aufgewachsen. Es waren schweren Zeiten.

Patrick hat später verfolgt, wie Patrizia, genannt Patty, in Stuttgart mit der Band Shy Guys Pionierarbeit in der deutschen Comedy-Szene leistete. Das war in den Achtzigern. Ein gewisser Roland Baisch war dabei, Baden-Württembergs Kleinkunst-Preisträger von 2014. „Leider waren sie damals mit ihren Ideen zu früh dran“, sagt Patrick. „Ein wenig später, und es wäre eine große Sache geworden.“

Wir reden, und es ist halb drei geworden. In unserem Altstadt-Lokal, dem Murrhardter Hof, ist die Mittagessenszeit vorbei. Es reicht mir gerade noch, Patrick Strubs Tochter für „Die Nacht der Lieder“ 2016 einzuladen. Sie heißt Angelika, von Beruf ist sie Geigerin. 



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