Bauers Depeschen


Sonntag, 22. Februar 2015, 1421. Depesche


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LIED DES TAGES



LIEBE GÄSTE,

in zwei Wochen, am Mittwoch, 11. März, ist der Flaneursalon in der FRIEDENAU in Stuttgart Ostheim. Die Karten gehen bisher ganz gut weg. Der Wirtshaussaal der historischen Gaststätte ist ein schöner Auftrittsort, wir wissen ihn zu schätzen. Es spielen Stefan Hiss, Dacia Bridges & Gabriel Holz, Roland Baisch. Beginn ist um 20 Uhr. Reservierungen sind möglich unter der Telefonnummer: 07 11 / 2 62 69 24. Die Friedenau ist leicht mit der Straßenbahn erreichbar: Linie 9, Haltestelle Raitelsberg, Fußweg 1 Minute.



Die aktuelle StN-Bundesligakolumne:



DAS ORCHESTER

Die Bayern haben am 22. Spieltag in Paderborn nur ein halbes Dutzend gemacht, neulich gegen Hamburg waren es noch satte acht. Man muss hinter dieser Entwicklung nicht gleich eine Münchner Krise vermuten. Ganz oben wird die Luft nach oben gelegentlich knapp.

Kommen wir wieder runter. Am Abend vor dem Spitzenspiel der Stuttgarter Kickers gegen Arminia Bielefeld traf ich zufällig Herrn Zeyer in der U-Bahn. Wir unterhielten uns über die Vorzüge des Straßenbahnfahrens und die Gelassenheit der Menschen in Großstädten, also in größeren Städten als Stuttgart, und als ich wenige Minuten später ausstieg, dachte ich: Ein Glücksfall, dass dieser Herr Zeyer als sportlicher Direktor für die Kickers arbeitet. Der Club spielt in der dritten Liga, in der untersten Bundesliga, und da ist etwas Bodenhaftung gut fürs Klima. Herr Z. hat schon früh, noch als Erstliga-Spieler, erkannt, dass das Auto als wichtigstes Statussymbol der Fußballer nicht zwangsläufig das große Lebensglück beschert. Er redet heute lieber von den Geheimnissen und Tücken der Orchester- und Ensemble-Arbeit in einem Verein. Da wäre der Hang zu lärmender Hochtourigkeit eher schädlich.

Oft wird als Fußball-Romantiker verspottet, wer seine Liebe zum Spiel unterhalb der Businessklasse auslebt, fern der Stadien, in denen die Bayern ihren Gegnern sechs bis acht einschenken. Was soll’s.

Am 21. Februar 2015 standen wir wieder im B-Block der drittklassigen Kickers, es war ein besonderer Tag, und nicht nur deshalb, weil wir am Ende 0:2 gegen den Aufstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld verloren und dennoch mehrheitlich aufrecht und gelassen nach Hause gingen.

An diesem Tag wurde die neue Sitztribüne auf dem Kickersplatz eingeweiht, nach Monaten im Reutlinger Exil sind wir wieder daheim. Die Tribüne ist größer als früher und beschert den Besuchern weniger motorische Probleme als unseren Flügelspielern das verbreiterte Spielfeld.

Aus der Perspektive unserer Stehplätze sieht die neue Tribüne gut aus. Schlicht, funktional präzise gestaltet und so sensibel der Umgebung angepasst, dass sie das ­Seelenleben von Mensch und Natur auf der Waldau nicht durcheinanderbringt. Peinlich nur, dass bei der Premiere etliche blaue Schalensitze frei blieben. Womöglich hatten geladene Halb-Promis aus der Sesselpupser-Abteilung Angst vor frischer Luft.

Die Gesellschaft im gegenüberliegenden B-Block war noch bunter als üblich. Unter uns waren auch Fans der beiden Clubs, die sich am Abend zuvor ein klägliches Duell im Businessklasse-Stadion auf dem Wasen geliefert hatten. VfB und BVB. Massenereignisse dieser Qualität kosten auf den etwas besseren Plätzen eine Menge Geld. Bezahlt werden musste in diesem Fall ein sogenannter Topzuschlag: in Wahrheit ein Flopzuschlag. Wir in der Holzklasse am Waldesrand mit unserer Hautnah-Erfahrung dicht am Spielfeld freuen uns dagegen für einen Zehner Eintritt über einen Unterhaltungswert, wie ihn mir die TV-Übertragung des Spiels zwischen dem VfB und der Borussia nicht mal ansatzweise vermittelte.

Dies liegt keineswegs daran, dass ich blau bin. Nüchtern betrachtet, muss diese Art von VfB-Performance für den armen Zuschauer im Cannstatter Stadion noch schlimmer sein als für unsereins vor der Glotze. Freunde guter Unterhaltung wissen: Das berührendste Konzert, die erregendste Show steigt nicht zwangsläufig zum teuersten Preis in der größten Halle. Es gibt den Charme der kleinen Clubs, der Nischen. Und so hat auch der Fußball auf den Nebenschauplätzen seine Reize.

Viele Kickers-Fans träumen in dieser Saison von einem Zukunftsszenario, das die VfB-Fans fürchten und teilweise noch aus den bitteren siebziger Jahren kennen: Stadt-Derbys zwischen den Roten und den Blauen. Das wäre zwar großes Emotionskino, allerdings auf Provinzebene, im engen Talkessel vollendeter Zweitklassigkeit.

Souveräner ist es, sich als Blauer zu sagen: Wir, verdammt, machen unser Ding. Das ist schwer genug. Realitätsverlust als Folge von Großmannssucht, von unprofessioneller Abgehobenheit kennen wir. Diese Krankheit macht seit Jahren den VfB nieder. Der Club wirkt, als sei vom Dirigenten bis zum Triangel-Spieler jede Art von Teamgeist, jeder Ansatz von Harmonie zerstört. Von einer Orchester-Arbeit ist nur noch insofern etwas zu erkennen, als der VfB zielsicher auf den Graben zusteuert. Der ist, aus der Bayern-Perspektive betrachtet, verdammt tief. Er zieht die VfB-Fans vermutlich viel weiter runter als uns B-Block-Steher die dritte Liga.



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