Bauers Depeschen


Samstag, 27. September 2014, 1354. Depesche


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FUSSBALLSPORT: Borussia Dortmund II - Stuttgarter Kickers 1:1



LIEBE GÄSTE,

Psycho-Freaks und Internet-Opfer. Es ist, wie es ist. Ich hab es mit Publikumsbeschimpfungen und Drohungen versucht, mit Honig und mit Engelszungen. Und es wird. Für den FLANEURSALON am Montag, 13. Oktober, im Theaterhaus gibt es nicht mehr gar so viele gute Karten für gute Plätze im zweitgrößten Schlund des Theaterhauses. Steile Tribüne. Starke Musikanten. Väter und Söhne. Töchter und Väter. Frau Uta Köbernick, die Kabarettistin und Liedermacherin, kommt aus der Schweiz und führt uns durch den Abend. 20.15 Uhr.

Karten: THEATERHAUS und 0711/4020 720



SUPPENKÜCHE am Samstag, 11. Oktober, in der Leonhardstraße. 13 Uhr bis 18 Uhr. Drei verschiedene Eintöpfe, einer vegan. Live-Musik mit der Sängerin Anja Binder, dem Gitarristen Jens-Peter Abele, dem Tastenmann Marquis de Shoelch. - Für kleine Geldspenden sind wir dankbar. Wer etwas übrig hat, kann mir schreiben: Bitte "Kontakt" anklicken.

Schon mal herzlichen Dank an: Susann Breinbauer, Carmen Klees, Heike Schiller, Wolfgang Kaemmer, Thomas Maiwald ...



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



WIE MILCHGLAS

Die Indianersommer-Tage Ende September fordern einen geradezu heraus, in der Stadt herumzugehen, bevor die Hinterbacken auf dem Bürohocker landen. Morgens um zehn ist die Bettlermeile Königstraße kaum belebter als der Ringelnatzweg in Sillenbuch. Falls Sie den nicht kennen: Man findet ihn nach dem Ausstieg an der U-Bahnhaltestelle Silberwald, Linie 15. Ein viel zu kleiner Pfad, bedenkt man, dass der Dichter Ringelnatz der Stadt wunderbare Gedichte und den weltberühmten Leitsatz vermacht hat: „Ja, Stuttgart ist schön, gegen dies scheiß München ein Paris.“

In der Königstraße singt ein Straßenprediger seine Jesus-Botschaft zur Gitarre, bevor er zu einer Predigt ansetzt und außer mir keinen Zuhörer mehr hat. Ich gehe weiter zur Buchhandlung Wittwer. Im Fenster hängt ein Einkaufsbeutel mit dem Aufdruck „Herrgottsack“. Leider habe ich keine Zeit, damit den Jesus-Sänger zu trösten. Das nächste Wittwer-Fenster zieht mich an. Neben VfB-Reliquien wie Schal, Mütze und „Furchtlos und treu“-Plakat sehe ich ein Paar Filzpantoffeln mit weiß-rotem Vereinswappen. Das erklärt den Tabellenplatz. Nur mit solchen Schlappen an den Füßen spielt man wie der VfB.

Die Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz, eine dreißig Meter hohe Granit-Rakete zur Erinnerung an König Wilhelms 25. Dienstjubiläum vom 28. September 1841, ist immer noch eingerüstet. Die griechische Harmonie-Göttin Concordia, normaler­weise auf der Denkmalspitze wohnhaft, ist verschwunden. Ich habe extra mein kleines gummiertes Fernglas von Nikon mitgebracht, um die Sache zu untersuchen.

Das Gerüst steht schon lange. Vermutlich bauen Investoren auf der Säule gerade ein Penthouse mit Shopping Mall und Aussicht auf ihre Lobbyisten im Neuen Schloss. Oder Baden-Württembergs Verfassungsschutzpräsidentin Bube (die ich neulich bei einer Diskussion im Literaturhaus erlebte) lässt da oben Überwachungsantennen installieren, damit vielleicht auch sie mal sieht, was ihre braunen V-Männer im Nazi-Sumpf rund um den NSU-Skandal treiben. Die grün-rote Regierung verweigert ja bis heute einen Untersuchungsausschuss. Hat Angst, heißt es, weitere Enthüllungen könnten eine „Staatskrise“ auslösen. In Wahrheit gäbe es keine Staatskrise, sondern einen Politikerskandal, sofern das nach den staatlichen Schredder-Aktionen noch möglich ist.

Erst einige Wochen her, da haben die Mächtigen ihre lieben Bürgerinnen und Bürger ins Neue Schloss vorgelassen, ins Hohe Haus, wo seit der Sanierung der Villa Reitzenstein die Regierung tagt. Zielgerichtet habe ich das Kabinettszimmer des Prunkbaus aufgesucht. Unter Lüster steht im Kabinettszimmer eine ellipsenförmige Holztafel; sie erinnert an das Oval Office, das Amtszimmer des Präsidenten der USA. Die ovale Form im Weißen Haus hat man gewählt, damit sich die Gesprächspartner in die korrupten Augen schauen und dennoch ein Kopfende für den Chef behalten können. Dass an diesem Ort mal eine Dame Clintons Hosenschlitz ins Visier genommen hat, ist eine Fußnote der Sexualkunde. Im hocherotischen Klima unserer Landesregierung würde so etwas in Szenen ausarten, wie wir sie aus „Das große Fressen“ kennen.

Das Neue Schloss ist nicht das Weiße Haus. Im Kabinettszimmer hängt ein Bildnis des jungen Carl Eugen. Als Sechzehnjährigen hat man ihn für mündig erklärt und zum Herzog von Württemberg gekrönt. Carl Eugen litt an einer krankhaften, ruinösen Bauwut. Dieser Wahn hält sich bis heute in der Stadt. Erst im Alter wandelte er sich vom Despoten-Freak zum „Landesvater“. Mit dieser Nummer wiederum reisen seine demokratisch von Minderheiten gewählten Nachfolge-Despoten bis zum heutigen Tag.

Auf Din-A-4-großen Papierblättern auf dem Oval-Tisch im Neuen Schloss las ich die Namen der Minister, konnte mir allerdings keinen einzigen merken. Sah nur, dass der selbst ernannte Landesvater der Gegenwart eierformtechnisch am Kopfende thront. Früher war die Prachtbude wohl tatsächlich ein herrschaftliches Thronzimmer. Es hat sich also nichts geändert. Der Grüne Kretschmann praktiziert mit seinen 66 Jahren nicht mehr Demokratie als das 16-jährige Milchgesicht im 18. Jahrhundert.

Erst im vergangenen Juli schrieb der „Spiegel“ beim Blick auf die grün-rote Verweigerung des öffentlichen Einblicks in politische Akten: „In Baden-Württemberg soll Transparenz offenbar die Farbe von Milchglas haben.“ Das ist untertrieben. Die Informationsfreiheit der Landesregierung ist so durchsichtig wie eine Butzenscheibe.

Dafür durften die Bürger kurz mal ins Neue Schloss. Zwar gehört es ihnen so oder so. Aber jetzt erst konnten sie sehen, wie auch heute gewisse Politiker wie Fürsten hausen und sich wie Könige aufführen. Es sei ihnen gegönnt. Eines Tages wird man sie in den Herrgottsack der Geschichte stecken und die ganze Sache vergessen.



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