Bauers Depeschen


Donnerstag, 18. September 2014, 1349. Depesche


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NACHTRAG: Stuttgarter Kickers - VfL Osnabrück 1:1



ALLERLIEBSTE GÄSTE,

noch immer suche ich anständige Leute, die für diese schöne Veranstaltung ein paar Karten kaufen und diese Nachricht verbreiten:

JOE BAUERS FLANEURSALON, die Lieder- und Geschichtenshow, am Montag, 13. Oktober, im Theaterhaus. 20.15 Uhr. Die Kabarettistin/Liedermacherin Uta Köbernick führt durch den Abend. Musik machen Vater Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, Papa Roland Baisch & Sohn Sam Baisch, Rapper Toba Borke & Beatboxer Pheel.

Karten THEATERHAUS und 0711/4020 720



GERBER ETC.

Mein Gastbeitrag für KONTEXT.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



FREIHEIT

Der Herr Ministerpräsident, 66 Jahre alt, hat vorgeschlagen, die Altersgrenze für Bürgermeister (65) abzuschaffen. Er habe mal, erzählte er, in Kanada eine hochbetagte Oberbürgermeisterin erlebt, wie sie erst einen „knackigen Vortrag“ gehalten und dann mit ihrem Sportwagen einen „Kavalierstart“ hingelegt habe.

Ungeachtet der physikalischen Tatsache, dass jede Karre gut losgeht, wenn man Brems- und Gaspedal verwechselt, hat der Landesgroßvater recht. Auch fortgeschrittenes Alter schützt Parteikarrieristen nicht vor der Tollheit, ihre Machtgier den Wählern als demokratische Politik zu verkaufen. Da kommt es, in meinem Alter kann ich das beurteilen, auf einen Greistagschef mehr oder weniger nicht an.

Die ehrwürdige Dame aus Kanada allerdings taugt nicht als Vorbild für rüstige Pflegefälle der Grünen. Erstens hat man von denen noch nie einen „knackigen Vortrag“ gehört. Zweitens reiten sie gerade wieder verschärft die Nummer, sich beim Wahlvolk als FDP mit Fahrrad einzuschleimen. Das ist eine kalkulierte Drahteselei im Kampf um die Marktlücke, die uns die Lobbyisten-Partei der Neoliberalen hinterlassen hat. Anders gesagt: Es ist Leichenfledderei.

Der neue, medienwirksame Freiheitskurs der Grünen soll ablenken von ihrer Verbotsliste, die uns im Alter vor Glühbirnen, Pony-Karussells und Weichmachern in Kunststoffpenissen schützt. Wie groß die Sehnsucht nach marktkonform deregulierter Persönlichkeitsentfaltung ist, demonstrierte neulich der Grünen-Chef Özdemir. In einem Akt heroischer Selbstverwirklichung stülpte er sich vor dem Hintergrund einer Cannabispflanze einen Kübel Eis über den Schädel, um wie zigtausend andere PR-süchtige Halbstars der Welt zu beweisen: Auch mein Hirn ist im Eimer.

Özdemir, das muss man zu seiner Entlastung sagen, hat es nie leicht gehabt. In seinem selbst gewählten Exil in Berlin-Kreuzberg leidet er bis heute vor allem unter seiner ethnischen Herkunft. Sein Migrationshintergrund ist Bad Urach, eine schwäbische Albgemeinde mit extrem hohem Kalkaufkommen.

Kretschmanns Verehrung des Kavalierstarts fiel mir auf, weil ich mich mit den verschiedenen Möglichkeiten zeitgemäßer Fortbewegung befasse. Immer wieder suche ich unsere schöne Bahnhofsruine auf, um auf Ausflügen nach Vaihingen am Nesenbach oder Endersbach im Remstal Abstand zum Kessel zu gewinnen. Wenn ich zwischen unseren denkmalgeschützten Bahnhofstrümmern mit integriertem Ramsch-Basar mein Gleis suche, kommt es regelmäßig vor, dass mich Fremde nach dem Weg zum Stuttgarter Bahnhof fragen. Diese Leute irren meist unter einer mit Isolierstreifen zugeklebten Uhr herum und können beim besten Willen nicht ahnen, dass sie bereits am Bahnsteig stehen – und nicht, wie befürchtet, zwischen den Karussellbremser-Trupps zum Aufbau der Geisterbahn auf dem Cannstatter Wasen.

Wer nicht an Gedächtnisschwund leidet, erinnert sich, wie uns die Politiker Oettinger und Schuster einst erklärten, von den Bauarbeiten für Stuttgart 21 würden die Bürger nichts mitbekommen, weil sich die Verschandlung der Stadt allein im Untergrund abspiele. Leider sind es heute nicht Maulwürfe wie auf den Propagandaplakaten am Bahnhof, sondern Menschen, die leiden, wenn am Nordbahnhof Tag und Nacht die Baulastwagen rollen.

Oettinger und Schuster, die schwarzen Propheten des Unterirdischen, schieden inzwischen aus ihren Führungsämtern aus, allerdings nicht altersbedingt. Der eine arbeitet heute für gutes Steuergeld als Kommissar bei der Brüssler Digitalpolizei (laut „taz“ als „Bildschirmschoner“), der andere führt in Stuttgarts Altem Waisenhaus unter dem Tarnnamen „Entwicklung“ eine Firma für nachhaltige Stadtzerstörung.

Beim Blick auf dieses Riesenrad zur Beförderung ehemaliger politischer Größen blieb mir nur noch die Flucht aufs Wasser. Für 25 Euro Fahrgeld heuerte ich auf dem Neckarschiff Wilhelma als Passagier an und fuhr nach Marbach. Mit einem solchen Kahn gelingt dir selbst in Kretschmanns Alter kein kanadischer Kavalierstart.

Nichts dient so sehr der Entschleunigung wie eine Fluss-Tour. Man blickt auf das Lichtspiel der Wellen, schaut den Nil-Enten vor den Ufern beim Schwimmen und den Kormoranen auf den Schleusenlampen beim Kacken zu. Das, meine Damen Herren, das ist Freiheit.



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