Bauers Depeschen


Samstag, 09. August 2014, 1331. Depesche


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FUSSBALLSPORT: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz II 2:0



DIE FAMILIEN-BANDE IM THEATERHAUS

Flaneursalon am 13. Oktober im THEATERHAUS. 07 11 / 4020 720.

Mit Uta Köbernick. Vater Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa. Toba Borke & Pheel. Vater Roland Baisch & Sohn Sam Baisch. Unsereins macht auch mit.



Der KLick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



KÖPFE AUF STANGEN

Es stärkt nicht nur den Kreislauf, am Morgen in der Stadt herumzugehen, bevor man seine Hinterbacken in einen Bürostuhl zwängt. Auch die Neugier wird geweckt. Neben dem Kaufhof beinen sie die Imbissbude aus, ein fettiges Überbleibsel aus den großen Tagen des 2007 verarmt verstorbenen „Wasen-Königs“ und CDU-Stadtrats Walter Weitmann. Über der Bude steht „Spielcenter am Hirschbuckel“. Demnächst wird im Haus die „Fritty Bar“ eröffnet.

Zufällig habe ich zuvor in der Bahn einen Satz des Modeschöpfers Wolfgang Joop gelesen: „Die Leute fragen mich, warum ich so schlank bin – ich bin appetitlos geworden, durch das Überangebot an Fressen!“ Der Mann sprach vom Fast-Food-Wahn.

Mein Ziel ist nicht der Futtertrog, ich gehe zum Wilhelmsplatz, der Steinhalde neben der Chaoskreuzung an der Stadtautobahn Hauptstätter Straße. An diesem Morgen ist ein Bauernmarktstand aufgebaut. Ich könnte etwas Honig kaufen und ihn den Genossen in der benachbarten SPD-Zentrale ums Maul schmieren. Oder ihnen ein paar Eier bringen. Die kannst du brauchen, wenn deine Partei auf 14 Prozent heruntergekommen ist.

In Wahrheit bin ich da, um ein paar Züge Stadtgeschichte zu atmen. Vor genau 500 Jahren, am 9. August 1514, wurden auf dem heutigen Wilhelmsplatz sechs Aufständische des Bündnisses Armer Konrad hingerichtet. Den Männern hat man auf dem Richtblock, wegen seiner Laib-Form „Käs“ genannt, den Kopf abgehackt. Der verschwenderische Herzog Ulrich von Württemberg hatte Bauern und Bürger gegen sich aufgebracht, weil er maßlos Steuern eintreiben ließ, um seinen bankrotten Haushalt zu sanieren und Krieg zu führen.

Die Opfer des Tyrannen waren Hans Schmeck aus Waldenbuch, Peter Wolf, dessen Sohn Bernhard Wolf, Kaspar Schmid und Peter Koch aus Glashütte (heute ein Stadtteil von Waldenbuch) sowie Jörg Legelin, genannt Tiegel, aus Stuttgart.

Die Kämpfer unter der blauen Flagge des Armen Konrad hatten ihren Verbündeten das Stadttor öffnen wollen. Der Stuttgarter Historiker und Dichter, Politiker und Theologe Wilhelm Zimmermann, 1807 in der Jakobstraße 6 geboren, schrieb in seiner „Allgemeinen Geschichte des großen Bauernkrieges“: „Fast wäre die Hauptstadt den Bauern in die Hände gefallen. Ein Stuttgarter, Jörg Tiegel, dessen Mutter Legelin hieß und am Zwingtor wohnte, ging auf den Kappelberg und versprach den Bauern, Stuttgart zu überliefern.“

Der Verschwörer Legelin-Jörg verabredete mit „vier städtischen Soldknechten“, den Bauern um Mitternacht das Tor zu öffnen. Leider war die staatliche Abhörspionage auch schon vor 500 Jahren erfolgreich. Die Rebellen wurden belauscht und verhaftet, der geplante Angriff abgeblasen.

Bevor der Scharfrichter am 9. August seinen Job erledigte, hatte der Herzog ein Spektakel „auf offenem Markt“ angeordnet. Die abgeschlagenen Häupter von zwei Delinquenten mussten an Stangen zum „abschreckenden Beispiel öffentlich aufgesteckt“ werden. Die Mutter Legelin bat nach der Hinrichtung vergeblich um den Kopf ihres Sohnes. Sie erhängte sich am „Heilandbild am Ilgenzwinger“. Ihre Leiche wurde weggeschleift und neben Jörgs Überresten verscharrt.

Erst 1811 wurde die Hinrichtungsstätte am Wilhelmsplatz abgerissen und in die Feuerbacher Heide verlegt. Die blutigen Schauspiele mit den fallenden Häuptern erklären uns den Namen „Hauptstätter Straße“ (die eigentlich Hauptstätterstraße geschrieben werden müsste, weil sie auf keinen geografischen Ort hinweist). Heute erinnert allenfalls die jährliche Open-Air-Party mit dem wohl witzig gemeinten Namen „Henkersfest“ an die Brutalität der Herrschenden, ihre Justizwillkür und an den traditionsreichen Widerstand schwäbischer Bürger. Mit üblicher Geschichtsverdrängung haben die Rathauspolitiker den Märtyrern des Armen Konrad bis heute kein Zeichen des Respekts gesetzt.

Als ich über den Wilhelmsplatz gehe, sind über dem Freiluft-Mobiliar der Bar Mono Sonnenschirme mit Werbung für französische Zigaretten aufgespannt. Aufschrift: „Place de la liberté“, Platz der Freiheit.

>> An diesem Samstag findet am Mahnmal für die Opfer des Faschismus vor dem Alten Schloss eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt: Der Heimatforscher Günter Randecker und Ebbe Kögel von der Initiative Die Anstifter thematisieren in ihren Reden den Armen Konrad. Beginn 11 Uhr. Danach gibt es einen Rundgang auf den Spuren der Geschichte. Der Weg führt auch zur Gedenktafel für den Historiker Zimmermann. Dank einer Privatinitiative hat man sie im Januar dieses Jahres an die Wand seines Geburtshauses (mit der heutigen Altstadtkneipe Jakobstube) geschraubt.



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