Bauers Depeschen


Dienstag, 06. Mai 2014, 1281. Depesche


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NACHTRAG, WFV-Pokalfinale in Großaspach:

FC Heidenheim - Stuttgarter Kickers 4:2



ACHTUNG, VORVERKAUF: FLANEURSALON LIVE

Der Flaneursalon gastiert in Stuttgarts ältestem Live-Club, im Laboratorium im Osten: Mittwoch, 28. Mai 2014. 20 Uhr. Mit Stefan Hiss & Freunden, Dacia Bridges & Uwe Metzler (g), Roland Baisch. Karten im Internet: LABORATORIUM



BLOCKUPY IN STUTTGART

Zum ersten Mal findet eine Blockupy-Demo mit Kundgebungen in Stuttgart statt, und zwar am Samstag, 17. Mai (gleichzeitig mit Veranstaltungen in Berlin, Hamburg und Düsseldorf). Thema: "Für ein Europa von unten". Start ist um 12 Uhr in der Lautenschlagerstraße am Bahnhof. Dort sage ich ein paar Worte.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



EUGEN UND ALEXANDER

Am Eugensplatz, an der Aussichtsplatte mit gutem Blick auf Bahnhof, Museum, Theater, gehe ich los. Habe mir die Alexanderstraße vorgenommen. Der Eugensplatz ist heute nicht so sehr für Otto Rieths Galatea-Brunnen von 1890 bekannt, obwohl das Kunstwerk mit seinem satten Frauenhintern eine Geschichte hat: Der Damen-Po erregte einst den Zorn der Stuttgarter Spießer.

Zurzeit ist es eher cool, mit vermeintlich Lüsternem zu werben. Reklamefritzen tapezieren die Stadt mit Plakaten aus der erogenen Öko-Zone: „Wir haben die Dicksten“ (das Foto zeigt Kartoffeln), „die Prallsten“ (Tomaten), „die Schärfsten“ (Rettiche). Drunter steht: „Besorg‘s Dir im Bioladen“. Man hätte Lust, die Dümmsten (Werbetexter) mit der Längsten (Gurke) zu beglücken.

Heute kennen die Leute den Eugensplatz weniger für sein Frauenbild als für seine Anleihen aus dem Tierreich. Bei gutem ­Wetter steht eine Schlange vor der Eisbude Pinguin, und seit Monaten macht ein Köter ­Schlagzeilen, dem man wohl nicht ohne Grund ein schönes Schlachtlied gewidmet hat: „Ein Mops kam in die Küche / und stahl dem Koch ein Ei / da nahm der Koch den Löffel / und schlug den Mops zu Brei . . .“

Seit man im November 2013 am Eugens­platz eine Säule zu Ehren des Komikers und Mops-Verehrers Loriot aufgestellt hat, herrscht in der Stadt ähnlich provinzielle Aufregung wie über den Müll. Loriot ging ja mal aufs Eberhard-Ludwigs-Gymnasium und inszenierte die Oper „Martha“ an der Staatsoper, wo er einst als Komparse ­gedient hatte. Die Spaßvögel des Blogs „Kessel.TV“ allerdings fanden das von dem Bildhauer und Hobby-Tubisten Uli Gsell gefertigte Auerkalk-Denkmal langweilig und stellten einen goldfarbenen Mops aus Stein drauf. Weil das Viech aber flugs geklaut wurde, formierte sich die Stuttgarter Mops-Bewegung mit dem Ziel, der Säule einen Hund zu finanzieren. Das neue Modell hat inzwischen Uli Gsell geformt; an diesem Dienstag wird es mit reichlich öffentlichem ­Gekläff auf die Säule gesetzt.

Ohne es zu ahnen, hat die Mops-Fraktion alles getan, um Loriots wichtigste Komik-Botschaft im wahren Leben zu ­bestätigen: Wie kein Zweiter hat er den deutschen Spießern ein Gesicht ­geben. Man muss sich ­hüten vor Leuten, die ­komisch mit „witzig“ verwechseln und Humor mit Lachzwang. Schon morgen könnten sie, damit die Kunst ihren Geschmack trifft, Picassos „Badenden“ in der Staatsgalerie eine Gummi-Ente verpassen. Oder einen Rollmops.

Vor lauter Hintern, Gurken und Möpsen verliere ich fast das Wesentliche aus den Augen. Vom Eugensplatz bis zur Immenhofer Straße im Süden zieht sich zwei Kilometer lang die Alexanderstraße durch die Stadt. Eine Stunde habe ich gebraucht, um die Strecke zu bewältigen. Die Bomber der Alliierten haben diese Straße weitgehend verschont, es stehen noch viele Gebäude aus der Gründerzeit. Spätklassizismus, Barock, Jugendstil, deutsche Renaissance. Alles da. Auffallend viele Architekten und Rechts­anwälte sind hier, auch Heilpraktiker, Galeristen, unter ihnen (im Haus 53) Rainer Wehr, der alte Kämpfer für die gute Kunst.

Der attraktive Teil der Alexanderstraße mit fast sechzig Häusern unter Denkmalschutz beginnt nach dem Abstieg vom Eugens­platz, wenn man die Hohenheimer Straße überquert hat. Doch der weite Weg ist steinig: Nirgendwo sehe ich eine Kneipe.

Noch was zum ersten Teil der Route. In der Alexanderstraße 36 steht das Autohaus Albrecht + Deffner. Es gilt als eines der ­ältesten Autohäuser Deutschlands. Am 17. Mai feiert es sein 110. Jubiläum. In diesem Gebäude, im vierten Stock zur Blumen­straße hin, hat von 1899 bis 1903 die Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin gewohnt; sie lebte – wie Robert Bosch – auch in der Rotebühlstraße und lange in Sillenbuch. Von der Alexanderstraße gibt es die Geschichte, der russische Revolutionär Lenin habe eines Tages Frau Zetkin besucht und sei nur durch einen Sprung vom Balkon aus dem ersten Stock seinen Häschern entkommen. Diese Anekdote habe ich aus dem Internet. Wenn sie nicht stimmt, bin ich zwar wieder mal der Mops. Aber gut ist die Geschichte allemal für eine Straße, die man nach ­Alexander II., dem Kaiser von Russland (und Bruder der Königin Olga von Württemberg), benannt hat.



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