Bauers Depeschen


Donnerstag, 23. Januar 2014, 1235. Depesche


Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20140123

 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------





BEITRÄGE schreiben im LESERSALON (anklicken)



DIE FAMILIENSAGA:

FLANEURSALON IN DER ROSENAU

Mittwoch, 19. Februar 2014, ROSENAU: Der FLANEURSALON versammelt immer mehrere Generationen auf der Bühne, und nach unserem Familienbande-Gastspiel im Theater Rampe 2103 treten wir auf vielfachen Wunsch noch einmal in dieser Besetzung an. Mit Zam Helga & Tochter Ella Estrella Tischa, mit Roland Baisch & Sohn Sam sowie Toba Borke & Pheel. Andere Geschichten, andere Songs. 20 Uhr. Telefon: 01805 700 733.



TIPP II: Der Berliner Kabarettist Arnulf Rating, bei den 3 Tornados groß geworden, gastiert am Freitag, 24. Januar, im Stuttgarter Renitenztheater. 20 Uhr. Zur Erinnerung: Bei der Kundgebung "Der Protest geht weiter" am 19. Oktober auf dem Stuttgarter Schlossplatz war Arnulf auf der Bühne, unterstützte uns ohne einen Cent Spesen. Einer unserer großen Kabarettisten. Anwesenheitspflicht. Karten: 07 11/29 70 75



TERMIN

Heute, am Donnerstag, sind "Die Paipertiger" im Café Weiß. 19.30 Uhr.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



DAS VIERTEL

Es ist verstörend, wenn es im Winter nie schneit. Der Januar geht dem Ende zu, und der Schnee hat die Stadt kein einziges Mal so verhüllt, dass man eine Weile ihren Schmutz hätte vergessen können.

Herrgott, wenn die Floskel vom grauen Alltag ­etwas ­Wahres birgt, dann in diesem Winter. Der Spaziergänger hätte Freude am Schnee, der Schnee könnte seine angeborene Orientierungslosigkeit vertuschen. Ist die Stadt weiß bedeckt, findet sich leicht eine Ausrede für einen, der ständig Ost mit West und Süd mit Nord verwechselt. Mir passiert es, dass ich mitten in der Stadt in die falsche Straße einbiege, ein Haus oder einen Platz nicht finde, obschon ich Dutzende Male da gewesen bin. Zum Glück berichten größere Geister von einer solchen Behinderung, und von ihnen habe ich gelernt, warum es Vor­teile hat, sich zu verirren. ­Warum es gut ist, die Weite zu suchen. Das Leben wird als Zielloser auf­regender auf dem Weg zum Ziel, das man Ende nennt.

Gewisse Leute sind stolz auf ihre „Stoßrichtung“. Ich bin stolz, wenn ich die ­Wag­gons der verbliebenen Künstler am Nordbahnhof finde. Neulich war ich wieder dort, erinnerte mich, wie ich die Waggons vor zwölf Jahren entdeckte. Es war ein Sonntag, es lag tiefer Schnee, ich stapfte stundenlang herum. Die ausrangierten, bunt besprühten Eisenbahnwagen nicht weit vom Pragfriedhof und von den Backsteinhäusern wirkten danach wie die Kulisse eines apokalyptischen Films. Scheinbar nutzlose Dinge standen herum, eine Flugmaschine, kaputte Bildschirme, rostige Drahtfiguren. An diesem kalten Tag traf ich keine Seele, ich blieb mit meiner Orientierungslosigkeit allein.

Die Künstlerkolonie in der Nachbarschaft der Wagenhallen mit ihrem heutigen Event-Betrieb ist einst am Rand von Stuttgart 21 entstanden. Als das Wahnsinns­projekt stockte, öffneten sich Räume für Mutige mit Fantasie.

Jetzt komme ich erneut an einem Sonntag, und diesmal treffe ich an den letzten Waggons den Künstler Locke. Ich erkenne ihn nicht gleich, aber es ist der Mann, der uns im Sommer 2011 als Graffiti-Artist beim großen Zeitungsstreik unterstützte. Die verbliebenen Nordbahnhof-Künstler bekommen seit Jahren von der Deutschen Bahn Kündigungen, und einige können dennoch bleiben, weil Stuttgart 21 nicht wie geplant vorankommt. Locke sagt, eine Reihe der Wagen sei vielleicht generell mit einem Zaun vor S 21 zu schützen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Die Schrottberge des Recycling-Unternehmers Karle sind verschwunden, zur Trauer der Hinterbliebenen auch der ­Waggon des Vereins für Flüssigkeiten und Schwingungen (FFUS). In diesem Karren hat Moritz Finkbeiner auf engstem Raum große Konzerte veranstaltet. Zum Glück fand er im Theater Rampe eine neue Bühne und ist auch sonst aktiv: Am kommenden Montag (21 Uhr) präsentiert er im Tonstudio an der Ecke Theodor-Heuss-Straße/Lange Straße den großartigen Sänger/Songschreiber Steve Gunn aus Brooklyn, New York.

Die Waggon-Kolonie im sogenannten Inneren Nordbahnhof ist noch immer ein Lehrbeispiel für viele, die beim Blick auf jede nicht subventionierte Kneipenbühne von „Subkultur“ reden, weil sie nicht ­wissen, was das ist. An der Eisenbahn­brücke über den kleinen Wohnhäusern, welche die Bahn jetzt für ihre Bauarbeiten beansprucht, führt ein schmaler Weg zu den Waggons hinauf, wo jahrelang etwas gewachsen und untergegangen ist. Die ­Kolonie blieb fast immer unbeachtet, wenn auswärtige Reporter ihre Klischees vom Stuttgart-21-Protest des ewig schwäbischen Spießers verbreiteten.

Unsereins, der oft den Weg nicht findet, geht immer wieder staunend durch die Straßen am Nordbahnhof, weil er nicht begreifen kann, warum sich diese Gegend nie zu einem Viertel urbanen Lebens entwickelt hat. Alle Voraussetzungen waren vorhanden: die Künstler, die Architektur, die Kneipen­straße entlang der Stadtbahngleise.

Und überall Geschichte. Am Nordbahnhof steht die ­Gedenkstätte für die jüdischen Bürger, die man von Stuttgart aus in die Vernichtungslager der ­Nazis deportierte. Am Nordbahnhof ist der Galgenbuckel, wo man 1738 den jüdischen Kaufmann Joseph Süß Oppenheimer hingerichtet hat. Inzwischen haben die Abrissarbeiten für Stuttgart 21 begonnen, die blauen Wasserrohre ­ und die Baulastwagen zeigen die Stoßrichtung einer Politik, die den Charakter ­der Stadt zerstört. Es ist die Stadt, die Quartiere wie das Bohnenviertel oder das Gerber­viertel nie zum ­Leben erweckt hat. Die das zentrale Leonhardsviertel verkommen lässt.

irgendwo hat sich ein urbanes Viertel entwickelt, das diesen Namen verdient. Nicht zufällig liegt Stuttgarts bekannteste Bar-Meile an einer Stadtautobahn, auch wenn selbst in diesem Fall der stadtplanerische Zufall nach­helfen musste.



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

BLICK NACH RECHTS

INDYMEDIA

FlUEGEL TV

RAILOMOTIVE

EDITION TIAMAT BERLIN

Bittermanns Fußball-Kolumne Blutgrätsche

VINCENT KLINK

KESSEL.TV

GLANZ & ELEND



 

im Nordbahnhof-Areal
 

Archiv 


Depeschen 1891 - 1905

Depeschen 1861 - 1890

Depeschen 1831 - 1860

Depeschen 1801 - 1830

Depeschen 1771 - 1800

Depeschen 1741 - 1770

Depeschen 1711 - 1740

Depeschen 1681 - 1710

Depeschen 1651 - 1680

Depeschen 1621 - 1650

Depeschen 1591 - 1620

Depeschen 1561 - 1590

Depeschen 1531 - 1560

Depeschen 1501 - 1530

Depeschen 1471 - 1500

Depeschen 1441 - 1470

Depeschen 1411 - 1440

Depeschen 1381 - 1410

Depeschen 1351 - 1380

Depeschen 1321 - 1350

Depeschen 1291 - 1320

Depeschen 1261 - 1290

Depeschen 1231 - 1260
15.03.2014

13.03.2014

11.03.2014
09.03.2014

07.03.2014

05.03.2014
04.03.2014

02.03.2014

01.03.2014
28.02.2014

25.02.2014

21.02.2014
20.02.2014

17.02.2014

15.02.2014
13.02.2014

11.02.2014

09.02.2014
07.02.2014

04.02.2014

01.02.2014
31.01.2014

28.01.2014

27.01.2014
25.01.2014

23.01.2014

21.01.2014
18.01.2014

16.01.2014

14.01.2014

Depeschen 1201 - 1230

Depeschen 1171 - 1200

Depeschen 1141 - 1170

Depeschen 1111 - 1140

Depeschen 1081 - 1110

Depeschen 1051 - 1080

Depeschen 1021 - 1050

Depeschen 991 - 1020

Depeschen 961 - 990

Depeschen 931 - 960

Depeschen 901 - 930

Depeschen 871 - 900

Depeschen 841 - 870

Depeschen 811 - 840

Depeschen 781 - 810

Depeschen 751 - 780

Depeschen 721 - 750

Depeschen 691 - 720

Depeschen 661 - 690

Depeschen 631 - 660

Depeschen 601 - 630

Depeschen 571 - 600

Depeschen 541 - 570

Depeschen 511 - 540

Depeschen 481 - 510

Depeschen 451 - 480

Depeschen 421 - 450

Depeschen 391 - 420

Depeschen 361 - 390

Depeschen 331 - 360

Depeschen 301 - 330

Depeschen 271 - 300

Depeschen 241 - 270

Depeschen 211 - 240

Depeschen 181 - 210

Depeschen 151 - 180

Depeschen 121 - 150

Depeschen 91 - 120

Depeschen 61 - 90

Depeschen 31 - 60

Depeschen 1 - 30




© 2007-2018 AD1 media ·