Bauers Depeschen


Dienstag, 04. Juni 2013, 1118. Depesche


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TAGEBUCH

Sidar Demirdögen, die türkischstämmige Vorsitzende des Bunds der Migrantinnen, hat sich bei der 174. Montagsdemo auf dem Stuttgarter Marktplatz für "Brücken der Solidarität" zu den Gezi-Parkschützern von Istanbul eingesetzt. Sie zitierte einen schönen, einen bleibenden Satz aus dem Repertoire der türkischen Protestbewegung: "Erdogan holzt Bäume ab, deren Schatten er nicht verkaufen kann."



LIEBE HOMEPAGE-GÄSTE,

Sie sind nicht lieb. Sie sind von Grund auf böse. Keine drei Prozent der Leute, die täglich aus irgendwelchen mysteriösen Gründen diese Seite besuchen, haben bisher eine Karte für das Hafen-Picknick des Flaneursalons gekauft. Keiner, der mal sagen würde: Okay, was soll der Scheiß, wir unterstützen den Laden, diese Typen kann man auch sonst mal brauchen. Eine Hand wäscht die andere. Am Ende, meine Herrschaften, können Sie nicht wieder alles auf das Wetter schieben und die Leute anlügen: Wir waren's nicht, wir haben nichts gewusst. Bevor es zur neuen StN-Kolumne geht - hier steht alles:



AUF EINEN BLICK:

Das Wetter wird gut!



Samstag, 6. Juli 2013

JOE BAUERS FLANEURSALON AM FLUSS -

DAS HAFEN-PICKNICK

Große Samstagsshow am wilden Neckarufer mit:



Yasmine Tourist - die beste Band der Welt

Dacia Bridges - die Balladen-Königin

Roland Baisch - der Entertainer

Georg Dietl (p), Ekkehard Rössle (sax)

& Sara Wohlhüter (voc) - Lieder von Hugo Wolf, Hanns Eisler

Rahmenlos & Frei - der Chor der Vesperkirche

Toba Borke & Pheel - Rapper & Beatboxer

Joe Bauer - der Levitenleser



Picknick-Gelände mit Grill geöffnet ab 16 Uhr

Showbeginn: 18.45 Uhr

Neckarhafen, 70327 Stuttgart

Stahlbau Heil, Mittelkai 12 - 16

Anfahrt über B 10, Ausfahrt Hedelfingen

DER KLICK ZUR ANFAHRT HAFEN-GELÄNDE

DER KLICK ZUM VORVERKAUF via MUSIC CIRCUS – Kartentelefon: 07 11 / 22 11 05

° Unser Hafen-Gelände ist überdacht °



DER KLICK ZUM LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



AKROBAT - SCHÖÖÖN WÄR'S

Hochverehrtes Publikum, falls Ihnen dieser Tage jemand den Sitz unterm Hinten wegziehen sollte, gibt es Hoffnung: Das Fried­richsbau-Varieté bietet „Stuhl-Patenschaften“ an. Für 1200 Euro kann der Kunde ein Polster für seine Varieté-Besuche erwerben. Bis zum Juli müssen die Artisten allerdings 160 Stuhlkäufer finden, wollen sie wenigstens vorläufig ihr Sitzfleisch ins Trockene bringen. Bekanntlich streicht die ­L-Bank dem Varieté im eigenen Haus an der Friedrichstraße den Jahreszuschuss von ­750 000 Euro. Dem ­Laden droht deshalb zum Ende dieses ­Jahres – kurz vor seinem 20. Geburtstag – das Aus. Spon­soren müssen her, Gesellschafter für eine geplante Gemeinnützige GmbH gefunden werden.

Am heutigen Dienstag, wenn das holländische Königspaar Stuttgart besucht, lässt der Friedrichsbau seine „Artistokraten“ unter freiem Himmel auf die Menschen los: Von 17 Uhr bis 19 Uhr zeigen sie auf dem Schlossplatz (neben der Commerzbank!) Ausschnitte aus ihrer gleichnamigen ­Barock-Show. Die Aktion soll Passanten die Bühne in der ­L-Bank näher bringen. Ein anschließender Stuhl-Gang der Zuschauer gegen Spendenkohle wäre von Vorteil.

Warum die Bank wegen einer Handvoll Zockergeld das Ende des Varietés in Kauf nimmt, weiß keiner genau. Als das Geld­institut 1993 seinen Neubau hochziehen ließ, hatten die Architekten auf Verdacht Räume für Kulturereignisse eingeplant. Die Gedankenspiele der Bank, diesen Platz zu beleben, scheiterten allesamt kläglich. Dann bot ihr der Berliner Entertainment-Unternehmer Peter Schwenkow die Lösung. In Berlin bereits mit dem Wintergarten im Geschäft, schlug er vor, gegen gute Bedingungen das Umfeld der Salto-Mortale­Akrobaten von der Bank mit Bühnenkünstlern zu bereichern. Die Idee kam wie gerufen. Zuvor hatte die Stadt eine lustige Kneipenklitsche auf dem Killesberg mit Butterfahrten-Varieté bespielt. Beim Versuch, dem Metier danach eine Zukunft zu schaffen, versagte das Kulturamt.

Am 24. Februar 1994 feierte die neue Bühne als Friedrichsbau Varieté die Eröffnung mit großen Namen. Schwenkow führte die österreichischen Star-Entertainer André Heller und Bernhard Paul (Circus Roncalli) als Werbeköpfe in die Manege und präsentierte als Premierengast den schwäbischen Humoristen Oscar Heiler, einen Überlebenden der legendären Friedrichsbau-Zeiten von den zwanziger Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg. Bis heute bewachen Oscar Heiler und sein berühmter Komiker-Partner Willy Reichert („Häberle und Pfleiderer“) den Varieté-Eingang als bronzene Denkmal­figuren. Der ursprüngliche Fried­richsbau wurde im Krieg ausgebombt und später für Straßen plattgemacht.

Schwenkows Deutsche Entertainment AG wird das Haus nach dem Ausstieg der Bank aufgeben. Es wäre eine Schande, ­würde Stuttgart sein ­Varieté verlieren. Die Stadt hat, auch dank ihrer Rummelplatz-Historie auf dem Wasen, eine große Zirkus- und ­Varieté-Tradition. Vor allem in den zwanziger und dreißiger Jahren, in der Epoche der deutschen Moderne, erlebte die Artistenkunst in Stuttgart ihre Blütezeit.

Im Excelsior in der Büchsenstraße und im Fried­richsbau-Theater an der Ecke Schlossstraße/Friedrichstraße ging das große Spek­takel über die Bühne. Was Varieté bedeutete, notierte der erfolgreiche Conférencier Willy Schaeffers: „Musik rauscht auf, Schein­werfer flammen, Pfropfen knallen, das ­Leben siegt, und Menschen lachen!“

1933 zogen Häberle und Pfleiderer vom kleinen Excelsior ins Friedrichsbau-Theater um, Willy Reichert leitete den Laden zusammen mit dem Schweizer Varieté­Pionier und ehemaligen Excelsior-Boss Emil Neidhardt. 700 Besucher kamen Abend für Abend. Zu den Stammkünstlern zählten neben Heiler und Reichert der grandiose Clown Grock, der nicht minder begnadete Charlie Rivel („Akrobat – schööön!“), die frechen Sängerinnen Claire Waldoff und Trude Hesterberg, der wunderbare Dichter Joachim Ringelnatz (dessen Bücher die Nazis 1933 verbrannten).

In der Zeit vor dem Nazi-Terror gab sich Stuttgart als liberale, kulturell weltoffene Stadt. In der Architektur entstanden revolutionäre Projekte wie die Weißenhofsiedlung und der Tagblattturm, in der Kunst machten abstrakte Maler wie Oskar Schlemmer, Willi Baumeister und Adolf Hölzel von sich reden, und auf der Bühne durfte – anders als in ähnlichen deutschen Häusern – die großartige Tänzerin und Sängerin Josephine Baker unzensiert die Hüllen fallen lassen. In diesem Klima fiel dem ­Kabarettisten Ringelnatz die Zeile ein: „Stuttgart ist schön – gegen dies Scheiß-München ein Paris.“

Auch heute fühlen sich junge Artistinnen und Artisten, in renommierten Zirkus­schulen ausgebildet, in Stuttgart wohl. Die neue ­Varieté-Generation hat sich von der alten Nummern-Revue verabschiedet, sie inszeniert Themenshows, erzählt Geschichten in neuer Ausstattung

Mal schauen, ob auch im Stuttgart von heute die Menschen lachen. Ob das Leben oder die Kohle siegt. Akrobat? Schön wär’s.



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