Bauers Depeschen


Mittwoch, 01. Mai 2013, 1100. Depesche


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DAS LIED ZUM 1. MAI



21: DEN SPENDENAUFRUF findet man in der Depesche vom 29. April. Die Aktion hat sich gut entwickelt, es gibt berechtigte Hoffnung ... bitte dran bleiben!



ROLAND BAISCHS XXL-SHOW

MIT DEM CHOR DER VESPERKIRCHE

AM SAMSTAG IM THEATERHAUS

Meine Arbeit als Festredenhalter bei der Show zum zweijährigen Bestehen der Online-Zeitung "kontext" am 1. Mai im Theaterhaus ist erledigt. Am kommenden Samstag, 4. Mai, bin ich zusammen mit dem Komiker Otto Kuhnle und diversen Musikern Gast in Roland Baischs Jubiläumsshow "Der Graue Star XXL" im Theaterhaus - u. a. geht der famose Chor der Vesperkirche, Rahmenlos & Frei, auf die Bühne. Allein diese Truppe aus den Brennpunkten des Lebens ist ein bleibendes Erlebnis. Beginn 20 Uhr.

 

AM 17. MAI FLANEURSALON

IM THEATER RAMPE - ES GIBT NOCH KARTEN

Für unseren Abend am Freitag, 17. Mai, im Theater Rampe im Zahnradbahnhof Filderstraße gibt es noch Karten, allerdings nicht mehr allzu viele. Die Lieder- und Geschichtenshow mit: Zam Helga & Tochter Ella, Roland Baisch & Sohn Sam, mit dem Rapper Toba Borke und seinem Beatboxer Pheel. Gewidmet ist dieser Flaneursalon Rampe-Intendantin Eva Hosemann in ihrer letzten Saison. Über ein volles Haus aus speziellem Anlass würden wir uns freuen. Beginn 20 Uhr.

FLANEURSALON: INFOS UND VORVERKAUF



Die aktuelle StN-Kolumne:



IM SALONWAGEN

Die Mercedesstraße in Bad Cannstatt gehört zu meinen Lieblingshaltestellen. Der Blick von der Straßenbahn auf den Neckar, das ­ Gefühl, der Stadt am Fluss zu begegnen. Besonders erregend ist es im Winter, wenn die Lichter des Weltweihnachtscircus leuchten, oder im Frühjahr, wenn sich auf dem Wasen das Riesenrad dreht. Heute wirkt das Riesenrad wie das Entschleunigungs-Karussell der Kirmes, einer von Hightech-Maschinen und uni­formierten Menschen befeuerten Massenhysterie.

Die Dinge ändern sich, doch der Rummelplatz pflegt seine Geschichte, hat seine ­Geheimnisse. Von der Mercedesstraße die Treppe hinunter zur Kirmes, das Spiel ­beginnt auf dem Krämermarkt. Staubsauger, Socken, Unterhosen. Rechter Hand die Bude vom „Scharfmacher“. Wer eine Klinge bei sich trägt, kann sie schleifen lassen und sie ­abholen, wenn er nach Hause geht.

Es ist drei Uhr nachmittags, im Festpalast des Wasen-Königs Hans-Peter Grandl, 54, bereiten sich die Kellner auf den Ansturm vor. Auf ein Spektakel, das sich nicht in Worte fassen lässt. Der ­Wasen ist ein Phänomen, der Spaziergänger nicht scharf­sinnig genug, den Wahnsinn der kreischenden Dirndl und Lederhosen genügend aus­zuleuchten, gar zu begreifen. Als ich einen Tag später aus Neugierde das Punkrock-Festival im LKA in Wangen besuche, komme ich mir vor wie auf einer Geburtstagsparty der Katholischen Jugend.

Voll zivilisiert.

Der Rummel hat viele Gesichter. Bevor der Punk in den Bierzelten abgeht, sitze ich beim Festwirt Grandl in einer Nische, wir können uns eine Weile unterhalten, gleich wird die Band ihre Mitgröl-Hits durch die Boxen jagen. Wir sprechen über das neue Wir-Gefühl auf dem Frühlingsfest, auch über den „Charity-Tag“. Englisch ist heute auch im Kirmes-Entertainment Amtssprache. Eine Aktion zugunsten von benach­teiligten Kindern hat man „We care for kids“ genannt: „Wir kümmern uns um Kinder“. Festwirte und Schausteller spendieren den Kleinen eine Wasen-Tour, Karussellfahrten, Mittagessen.

Trotz aller Ausschweifungen, sagt der Festwirt Grandl, achtet das Frühlingsfest auf die Reliquien des Rummels; auf die ­Nischen, in denen der Opa eine Geschichte erzählt, wenn er dem Enkel den Wasen zeigt. Wenig später sitze ich mit den Schaustellern Stefan Kinzler, 48, und Joachim Kritz, 53, in einem Salonwohnwagen aus dem Jahr 1927, einem prächtigen Stück aus der Epoche, die man deutsche Moderne nennt. Ein Kunstwerk aus Holz und Glas, an der Decke die Oberlichtklappe. In diesem Wagen ist Stefan Kinzlers Großvater Robert über Land gefahren. Das Landschaftsbild hinter uns ist mit „Kinzler“ signiert, der Großvater hat es selbst gemalt. Schausteller, sagt der Junior, haben Künstlerblut in den Adern.

Zweifellos. Die Kirmes-Leute kommen aus einer Subkultur, sind vom alten Schlag, familienbewusst. Die Männer im Salon­wagen tragen farbenfrohe Westen, gute Schweizer Uhren, und sie ­können erzählen. Die Jungen wollen wissen, was die Alten gemacht ­haben, sagt Joachim Krick. Sie erforschen und ergründen, wie alles an­gefangen hat. Der Mann erzählt mit ­Leidenschaft. Diese Leute sind stolz auf ihre Geschichte, und sie zeigen es.

Auf dem Frühlingsfest ist erstmals eine historische Ausstellung zu sehen. Hundert Jahre alte Kirmesorgeln, großartige Stücke einer virtuosen Handwerkskunst, daneben Autoskooter-Oldtimer, eine Kinderschiff­schaukel, uralte Traktoren. Alles liebevoll beschrieben, ein kleines Historienmuseum. Die Herren im rollenden Salon erzählen, wie die Vorfahren mit ihren Zugmaschinen, 35 PS stark und mit nur einem Zylinder aus­gestattet, zwei Tage brauchten, bis sie Ulm erreichten. Unterwegs haben sie gekocht und am Straßenrand Pause gemacht. Das Wort Stress kannte man noch nicht. Die Plackerei war Alltag, auch das Risiko.

Als wir im Wagen sitzen, zieht Regen auf, mieses Wetter kündigt sich an. In den schon früh ausgebuchten Zelten wird das keinen stören. Das Riesenrad aber muss sich mit leeren Gondeln drehen. Egon Menzel kommt in den Wagen, seinen Hund Charly an der Leine. Der Schausteller, 1938 geboren, ist Stefan Kinzlers Schwiegervater. Oft genug, wenn er im Regen stand, hat die Familie zusammengehalten. Egon hat noch Harry, den Mäuseschlucker, gekannt, einen der ruhmreichen Schaubuden-Artisten, die es heute nicht mehr gibt.

Zum Glück gibt es diese historische Wasen-Schau. Im kommenden Jahr wird sie erneut aufgebaut, womöglich etwas größer, dann haben die Männer im Salonwagen wieder eine Menge zu erzählen. Die Welt dreht sich weiter. Auch das Riesenrad.



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