Bauers Depeschen


Freitag, 22. März 2013, 1076. Depesche


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NACHTRAG: Stuttgarter Kickers - Arminia Bielefeld 1:1 



DAS LIED DES TAGES



FLANEURSALON IN DER RAMPE

Keine zwei Monate mehr, dann ist es so weit: Flaneursalon im Theater Rampe. Als kleine Geste zum bevorstehenden Abschied von Rampe-Intendantin Eva Hosemann, die das Theater im Zahnradbahnhof in der Filderstraße geprägt hat, machen wir am Freitag, 17. Mai, unser Familienfest. Der Entertainer Roland Baisch tritt mit seinem Sohn Sam auf, er singt Songs zur Gitarre, und unser Sänger/Songschreiber Zam Helga bringt seine Tochter Ella mit - auch sie eine hoch talentierte Sängerin. Ergänzt wird der Flaneursalon-Clan von dem fantastischen Rapper Toba Borke und seinem virtuosen Beatboxer Pheel. Beginn ist um 20 Uhr. INFOS UND VORVERKAUF



Die aktuelle StN-Kolumne:



VIEROHRFUCHS

Je länger man in einer Stadt herumgeht, desto größer wird die Ratlosigkeit. Die Stadt ist ein verdammt kompliziertes ­Wesen, auch dann, wenn sie irgendein Hexer zur Abgrenzung vom Rest der Welt mit erregende­n­­ Hügeln, teuren Hängen und hässlichen Baulöchern ausgestattet hat. In diesem Gelände treiben sich etliche Leute im Glauben herum, ihnen gehöre diese Stadt, sie könnten mit ihr machen, was sie wollten, solange nur genügend Profit für sie herausspränge.

Um das Schlimmste zu verhindern, haben die Menschen im Lauf der Zeit einige Dinge erfunden. Beispielsweise den Baubürgermeister. Er sollte dem Geschacher Einhalt gebieten. In besagter Kesselstadt ­allerdings hört man nie etwas vom Baubürgermeister, nicht einmal ein freudiges Japsen, wenn man aus unerfindlichen Gründen wieder einmal seinen Vertrag verlängert hat. Der Baubürgermeister heißt Hahn, er ist bei der SPD und immer dann zuverlässig ab­getaucht, wenn gerade die halbe Stadt umgebaut­ oder mal schnell eine Kirche für Discounterläden platt gemacht wird.

Diese Strategie nennt man sozialdemokratische Haltung oder auch Politik. Wie Politik generell funktioniert, hat uns der grüne Regierungschef Kretschmann diese Woche in einem „Spiegel“-Gespräch gelehrt­. Gefragt, ob er sich schon einmal „unter vier Augen“ mit seiner Chefkollegin Merkel über Stuttgart 21 unterhalten habe, antwortete er: „Ja, aber was dort besprochen wurde, bleibt unter vier Ohren.“

Diese Methode nennt man in Grünen-Kreisen Bürger­beteiligung. K. bespricht mit M. unter vier ­Augen, wie sie mit einer Stadt umspringen, danach behält er die Sache unter vier ­Ohren, auch wenn er selbst nur zwei besitzt. Diese Allmachtsnasen-Arroganz kennt der Mann auf der Straße als Ohrfeige. Der Mann auf der Straße sagt: Ich habe dich nicht zum grünen Landeschef gewählt, damit du dich beim ersten Vier-Augen-Kontakt mit der schwarzen Bundeschefin auf eine Vier­-Ohren-Affäre einlässt.

Es ist nicht leicht, seinen Augen zu trauen, wenn man Kretschmanns Sätze liest: „Meine Rolle ist natürlich paradox. Ich war ein engagierter Gegner von Stuttgart 21 und ein Befürworter von Alternativen. Das Volk hat es anders gesehen. Und nun bin ich verpflichtet, das Projekt zu bauen . . . Es ist eine schwierige Angelegenheit, aber erlebnispsychologisch interessant.“

Kretschmann scheint großen Nachhol­bedarf zu haben. Es ließ ja bereits auf merkwürdige Lüste schließen, als ihn kürzlich der Anblick von Herrenknechts alternativen Tunnelbohrmaschinen erlebnispsycho­logisch schwer erregte. Macht ist geil. Auch was das Volk bei der Volksabstimmung über die S-21­Finanzierung zu sehen bekam, ist erlebnispsychologisch hoch interessant. Mit der Realität hatte das, was der Grünen-Chef dem Volk im weiten Land und fern der Stadt unter­jubelte, nichts zu tun. Das war ­pures Propaganda-Kino. Heute spielt Kretsch­mann im kulturellen Keinohrhasen-Klima der Grünen den schlauen Vierohrfuchs.

Im Namen des Volkes fühlt er sich „verpflichtet, das Projekt zu bauen“. Was da in Wahrheit läuft, geht erlebnispsychologisch weit über „das Projekt“ hinaus. Im Umfeld der neo­liberalen Lehrbühne S 21 verwandelt sich die ganze Stadt in ein Großprojekt, über das allein Investoren und Spekulanten entscheiden. Und da ist noch reichlich zu holen im Vierohrfuchsbau namens Kessel.

Vom Killesberg bis zur Gänsheide, vom „City Gate“ am Bahnhof bis zum gespens­tischen „Südtor“ am Marienplatz läuft trotz Mietwahnsinn das ­Immobilienroulette. Ich weiß nicht, wie das Volk die Entwicklung der Stadt beurteilt angesichts der vielen, nicht nur einarmigen Banditen im großen Kasino. Ob das Volk eines Tages sein „Recht auf Stadt“ einfordert. Habe nur gehört, dass gleich nach den Bundestagswahlen (September 2013) der Wahlkampf für die Gemeinderatswahlen (Juni 2014­) beginnt. Gut möglich, dass der eine oder andere erkennt, wie ihn die großen Erlebnispsychologen der „Alternativen-Befürworter“ sehenden ­Auges übers Ohr gehauen haben.

Womöglich kommt bei den Gemeinderatswahlen eine schwäbische Ausgabe des Italo-Rebellen Grillo an­geflogen. Was mit ihm dringend zu besprechen wäre, bleibt vorerst unter vier Segelohren.



PS: Habe bewusst auf alle ohrgastischen Kalauer verzichtet, bitte keine Ohrakel und kein Grün hinter den Ohren nachreichen ...





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