Bauers Depeschen


Mittwoch, 14. November 2012, 1010. Depesche


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FLANEUSALON LIVE - im Weilimdorfer Weihnachtszelt

Für unsere Veranstaltungen an diesem Sonntag im Theaterhaus und am Montag, 26. November, in der Uhu-Bar gibt es keine Karten mehr.

Am Sonntag, 2. Dezember, machen wir einen Flaneursalon im Weilimdorfer Kulturzelt: Weihnachtstipi, Löwen-Markt, Beginn 19.30 Uhr. Mit Eric Gauthier & Jens-Peter Abele, Dacia Bridges & Gabriel Holz. Siehe WEIHNACHTSTIPI



DIE GEFAHR WÄCHST, deshalb habe ich auf der Depeschen-Seite unter der Rubrik "Friendly Fire" diese Seite auf Dauer verlinkt:

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Die aktuelle StN-Kolumne:



DIE ERZÄHLUNG

Nicht jeder Tag ist ein guter Tag zum ­Herumgehen. Bei Novemberregen renne ich gern auch mal wie Lola durch einen Kinofilm. Als angenehm an der neuen James-Bond-Folge „Skyfall“ werten Kritiker im fünfzigsten 007-Jahr allenthalben die Verbeugung vor den Wurzeln. Auch im Zeitalter der Computer- und Drohnen-Verbrecher scheint es möglich, erfolgreich die Bordkanonen eines uralten Aston Martin aus­zufahren, im Showdown mit einer doppelläufigen Jagdflinte zu punkten und den Oberschurken am Ende nach guter alter Indianersitte abzustrafen: Mr Bond schleudert dem Dreckskerl ein Messer ins Kreuz, worauf der etwas uncool aus der Wäsche schaut, bevor er sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet.

Diese Art Erzählung ist trivial, entspricht also nicht den Anforderungen dynamischer Gegenwartspolitik. Im höheren Parteien­geschäft kommt es heute darauf an, „die ­erfolgreiche wirtschaftspolitische Erzählung zu verbinden mit einer Erzählung von Ökologie, Emanzipation und Gleichberechtigung“. Diese Worte stammen nicht aus dem Handbuch für grüne Amateurfilmer. Formuliert hat sie der große Vorsitzende der baden-württembergischen CDU, ­Thomas Strobl, Heilbronn.

Seit geraumer Zeit bringen Politiker-Coaches ihren Zöglingen bei, Strategien und Inhalte „Erzählung“ zu nennen. Erzählung klingt etwas eleganter als der im Marketing-Metier zu Tode getrampelte Begriff „Konzept“. Ein Politiker-Coach ist eine Mischung aus Schauspiel- und Benimmlehrer, Schamane und Klamotten-Berater. Das Wort „Erzählung“ ist ein anderes Wort für politische Propaganda. Es soll dem Wähler den Eindruck vermitteln, dahinter stecke ein Gedanke.

Tatsächlich folgen die von einem Coach geschulten Politiker der dreisten Absicht, den Leuten Politik als Unterhaltungsstoff mit den Mitteln des Erzählhandwerks unterzujubeln: Spannung aufbauen, Situationen zuspitzen, Konflikte schaffen. Das Wichtigste an dieser Methode ist es, die Wahrheit aus­zublenden. Sprich: Geschichten zu erfinden (Lügen zu verbreiten). Nach diesem Rezept tischte der schwäbische Mundartdichter Strobl neulich der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ besagte „erfolgreiche wirtschaftspolitische Erzählung“ in Verbindung mit „einer Erzählung von Ökologie, Emanzipation und Gleich­berechtigung“ als CDU-Programm auf.

Zu den großen Erzählungen der Gegenwartspolitik gehört das Großprojekt Stuttgart 21. Wenn Milliarden von Steuergeldern in die Finanzindustrie gepumpt werden, wenn ständig neue Investitionen zu Lasten der Bürger fällig werden, spricht der sozialdemokratische Erzähler Schmiedel nicht etwa von einem Fass ohne Boden. Im Einklang mit gleich gestrickten Minnesängern redet er von einem „Sonder-Finanztopf“, als ging es darum, Münzen in die Portokasse zu werfen. Gleichzeitig verkauft er als Lobbyist der Wirtschaft den Menschen ein vom Größenwahnsinn gesteuertes Großprojekt als „Zukunft“ und „Fortschritt“. Darüber schwebt wie ein Heiligenschein der „Kostendeckel“, im Volksmund inzwischen als „Kostendackel“ bekannt: Der Hund wedelt so lange mit dem Schwanz, bis die Chose zusammenkracht.

Im Fall Schmiedel muss man wissen, dass der in den Stahlgewittern vieler Vereinshocketsen geformte Sozialdemokrat seit fast vierzig Jahren im immer gleichen politischen Geschäft tätig ist. In bisherigen ­Erzählungen fiel er meist durch dürftige Rhetorik auf, mit Namenswitzen à la: „Mappus ist ein Brutus.“

Als Hobby-Psychopath und mein eigener Therapeut habe ich gelernt, wo Erzählungen im Schmiedel-Format herkommen. Der Genosse tut seit zwanzig Jahren im Stuttgarter Landtag alles dafür, seine eigene Partei mit miserablen Erzählungen an den Rand des Abgrunds zu führen. Wenn so ein Mann endlich die Chance bekommt, das ganz große Eisenbahnrad zu drehen, muss er sich vorkommen wie Agent 07141 aus Ludwigsburg. Dafür ist ihm jede Geschichte recht, weshalb seine aktuellen Drohungen an die Adresse des grünen Regierungspartners locker das Niveau von Landserheften erreichen. In größter Not hilft in Schmiedels S-21-Erzählung bekanntlich der sachdienliche Hinweis auf „Gottes Segen“.

Wahrscheinlich glaubt er sogar daran. In Max Frischs Roman „Mein Name sei Gantenbein“ steht der Satz: „Jeder Mensch ­erfindet sich früher oder später eine ­Geschichte, die er für sein Leben hält . . .“

Für manchen ist das Leben ein Sonder-Finanztopf.



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