Bauers Depeschen


Dienstag, 18. September 2012, 978. Depesche


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MIT MARTINA BRANDL IN DER ROSENAU

An diesem Freitag, 21. September, präsentiert die ehrenwerte Comedy-Künstlerin und Autorin Martina Brandl in der Rosenau die neue Live-CD zu ihrer Show "Jedes zehnte Getränk gratis". Mit von der Partie bei der CD-Premiere sind als Bühnengäste ihre Kollegen Roland Baisch und Helge Thun, der Schriftsteller Wolfgang Schorlau und unsereins. Beginn: 20 Uhr.



FLANEURSALON LIVE AM 25. SEPTEMBER

Am Dienstag, 25. September, ist die Lieder- und Geschichtenshow im Club Speakeasy, Rotebühlplatz 11, zu Gast: Joe Bauers Flaneursalon mit Zam Helga, Toba Borke & Pheel, Dacia Bridges & Alex Scholpp. Beginn 20.30 Uhr. Karten zu nur 12 € gibt es Di - Sa im Plattencafé Ratzer Records im Leonhardsviertel (neben dem Brunnenwirt) und im Internet: EVENTBÜRO



DEMO-WOCHENENDE

AM SAMSTAG, 29. September, gibt es vor dem zweiten Jahrestag des "Schwarzen Donnerstags" (30. September) eine Stuttgarter Großdemo. Die Kundgebung geht thematisch über S 21 hinaus, sie behandelt Justizwillkür, Spekulantengier, Stadtzerstörung, Bankendiktatur - und läuft so:

13 UHR HAUPTBAHNHOF: Stuttgarts ehemaliger Bahnhofsvorsteher Egon Hopfenzitz geht mit seinem Florenzer Pendant Tiziano Cardosi auf die Bühne; der Italiener kämpft in seiner Heimat gegen ein Großprojekt der von ehemaligen Automanagern geführten Bahn. - Danach Demozug zum Schlossplatz.

14.30 UHR SCHLOSSPLATZ: Es reden Walter Sittler, Volker Lösch, Michael Wilk (Frankfurt am Main), Dieter Reicherter, Winfried Wolf (Berlin), Joe Bauer.

Musik: Mood a.k.a., Rapper Toba Borke, Kleines Elektronisches Weltorchester (Mannheim), Trommlergruppe Lokomotive Stuttgart.

AM SONNTAG, 30. September, findet im Mittleren Schlossgarten der zweite Gedenktag zum Angriff der Polizei-Wasserwerfer auf die Demonstranten gegen Stuttgart 21 statt. Lesungen, Musik. Beginn ist um 11 Uhr.



NOTIZ

Meine StN-Kolumnen findet man ab sofort nicht mehr StN online. Bis auf Weiteres nur hier. Womöglich gibt es sie im kommenden Jahr nur noch gegen Bezahlung auf App - und live im Flaneursalon.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



IHR SEID UNSERE BRÜDER

Wer aus dem Dortmunder Bahnhof kommt, steht vor einer Baustelle, der DFB errichtet hier sein zentrales Fußballmuseum. Es ist zu Fuß nicht weit vom Bahnhof zur Arena der Borussia. In Dortmund ist es nirgendwo weit zum Fußball, die Borussia ist überall präsent in der Stadt, jede Kneipe ist eine Art BVB-Kapelle. Ohne die Borussia wäre Dortmund ärmer als Stuttgart ohne Daimler.

Vor dem Stadion mit seinen achtzigtausend Plätzen hat man im Fanshop-Gebäude das Borusseum eingerichtet, einen Ort, wo die Vereinsgeschichte ernsthaft, also mit Humor aufgearbeitet wird. Man erfährt, wie der Torwart Willi Kronsbein in der Saison 1947/48 im Trainingslager einen auffallend feinen Büstenhalter von einer benachbarten Wäscheleine klaute und dem Kollegen Werner Erdmann in den Koffer schmuggelte. Ein handfester Skandal wurde daraus, als Frau Erdmann den Koffer öffnete.

Der Fußball hat andere Skandale überlebt, und das Wetter ist gut, als ich am Sonntag nach meiner außerbetrieblichen Fortbildung beim 3:0 der Borussen über Leverkusen zum alten Stadion Rote Erde gehe. Die Stuttgarter Kickers zu Gast bei der zweiten Mannschaft des deutschen Meisters. Eintausendsechshundert Fans sind da, und im BVB-Block werden Ultras, darunter viele Pubertätsgesichter, zwei Halbzeiten lang ohne eine Sekunde Pause singen und trommeln. Zu Beginn skandieren sie: „Stadion-Verbotene – ihr seid unsre Brüder.“ Vor den Eingangsgittern stehen versprengte Fans, irgendwann haben sie die Berechtigung verloren, einen Borussen-Platz zu betreten.

Nicht nur in der Fußballhauptstadt, in ganz Deutschland ist von einer „neuen Gewaltwelle“ die Rede. Solche Diskussionen kommen schnell auf, unabhängig davon, wie groß die Gefahr wirklich ist. Ende ­August kam es im wunderschönen Stadion Rote Erde zu Ausschreitungen, als sich Fans des Karlsruher SC beim Spiel gegen Borussia II im Stadion Rote Erde mit der Polizei anlegten. Pfefferspray und Schlagstöcke kamen zum Einsatz, es gab Verletzte.Was soll ich dazu sagen, ich war nicht dabei. Ständig kommentieren Leute die Lage, die nicht dabei sind, vor allem Politiker. Sie neigen dazu, grundsätzlich der Polizei recht zu geben, ohne Rücksicht darauf, dass der Umgang mit Fans Erfahrung und Gespür erfordert und unsensible Polizisten Fehler machen. Das für den 29. September geplante – und auf den 24. Oktober verlegte – Drittligaspiel zwischen den Kickers und dem Karlsruher SC bringt reichlich Unruhe. KSC-Fans gelten als Risikogruppe. Das ist nicht neu, seit Jahrzehnten reden wir über verpeilte KSC-Fans. Seltsam, warum es Verein und Stadt nie gelang, die Dinge besser zu regeln. Fanprobleme bekommt man nicht allein mit Polizisten in den Griff. Die müssen das Elend meist ausbaden. Es fehlt an guter Sozialarbeit, an effektiven Fanprojekten. Das Massenphänomen Fußball ist schwer zu berechnen, vor allem, wenn man wenig weiß.

In Dortmund wird viel getan auf diesem Gebiet, das ist Pflicht im Risikorevier Ruhrgebiet, in einer Stadt mit vielen Arbeits­losen, wo reichlich Neonazis operieren. Nach den Ausschreitungen beim Spiel gegen den KSC muss Dortmund II demnächst seine Partie gegen Hansa Rostock in der Riesen­arena austragen. Auch die ostdeutschen Fans gelten als Risiko.

Es ist ein Unding, wenn kleine Gruppen in der Lage sind, die Fußballkultur zu zerstören und Clubs wie die Kickers wirtschaftlich an den Abgrund zu treiben. Kein Dortmunder will das Spiel der zweiten Mannschaft in einem Stadion für achtzigtausend Besucher sehen, und kein Stuttgarter ein Kickers-Spiel in der VfB-Arena. So entgleitet das Spiel ins Absurde, in ein Horror-Szenario: Fußball in einer apokalyptischen Kulisse ohne Menschen auf den Rängen. Die Kosten für die Sicherheit im sechsstelligen Bereich. Man wird doch ein paar Dutzend halbstarker Blödmänner in den Griff kriegen, in einem Land, wo Politiker tönen, man dürfe sich das Leben nicht von Terroristen diktieren lassen. Ordnungs- und Sportbürgermeister sollten ihre Hintern mal aus den VIP-Logen Richtung Fan-Blocks be­wegen – auch wenn Sponsoren dafür keine Freikarten bieten. In Stuttgart kam nie ein gutes Fanprojekt zustande.

Wenn der Kickers-Platz auf der schönen Waldau aus Furcht vor einer Horde Aggressionsbolzen aufgegeben wird, kommt morgen ein ahnungsloser Wichtigtuer aus der Politik und stellt diesen Spielort grundsätzlich infrage. Es geht in dieser Sache nicht nur um Fußball. Der Kickers-Platz auf der Waldau ist eine kulturelle Bühne, sie hat Lebensqualität. Der Kickers-Platz verkörpert ein Stück Geschichte dieser Stadt, auch wenn sich der Club kein Museum mit einem seidenen BH in der Vitrine leisten kann.



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