Bauers Depeschen


Samstag, 21. Juli 2012, 950. Depesche


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NACHTRAG: 1:2 - unglückliche Kickers-Niederlage in Rostock.



KARTEN FÜR DEN FLANEURSALON

Unsere nächste Lieder- und Geschichtenshow findet am Dienstag, 25. September, statt - im Club Speakeasy, Rotebühlplatz 11. Auf die Bühne gehen der Rapper Toba Borke und sein Beatboxer Pheel, der Sänger/Songschreiber Zam Helga sowie die Sängerin Dacia Bridges mit ihrem Gitarristen Alex Scholpp. Ach so: unsereins ist auch dabei. Beginn 20.30 Uhr. Ab sofort gibt es Karten für den Flaneursalon, und zwar zu 12 €. Mit diesem Sonderpreis unterstützen wir eine neue Veranstaltungsreihe mit Stuttgarter Künstlern im Speakeasy. Vorverkauf im Plattenladen Ratzer Records im Leonhardsviertel (neben dem Brunnenwirt) und in der Bar Wurst & Fleisch, Rotebühlplatz 9. Außerdem gibt es Tickets im Internet: EVENTBÜRO



KLEINE LESUNG BEIM MARIENPLATZ-FEST

Heute, am Samstag, geht das Stuttgarter Marienplatz-Fest weiter. Um 14.30 Uhr startet das Bühnenprogramm mit dem Poetry-Mann Toby Heyel, um 15 Uhr tritt die australische Sängerin Coby Grant auf (siehe Sountrack), um 16 Uhr die Poetry-Frau Nikita, um 16.30 Uhr der Blues-Folk-Musiker Denis Jones - und ab 17.45 Uhr liest unsereins 20 Minuten lang Texte. Danach wieder Musik.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Fußballkolumne:



IN DER DRITTEN SIEHST DU BESSER

In der Saison 2008/09, als es uns an den Kragen ging und ich irgendwas tun wollte, habe ich auf dem untergehenden Schiff blaue Aufkleber verteilt: „In der Dritten siehst du besser!“ So wollte ich den kleinen Unterschied, die Alternative zum großen Fußball deutlich machen: Auf der Waldau stehst du so nahe am Kickersplatz, da kannst du an der Außenlinie die Stollen der Flügelspieler und unter der Tribüne die Rolex-Uhren des Schiedsrichters zählen. Dann sind wir in die Viertklassigkeit abgestürzt und in der Versenkung verschwunden. Die letzten Treuen standen am Platz, und nach außen drang so gut wie nichts.

In der neuen Saison, nach drei verdammten Regionalliga-Jahren, wird der Blick auf die Blauen schärfer werden, und wir selbst schauen hinter den Horizont. Mit dem Aufstieg in die dritte Liga haben wir wieder ein Zimmer mit Aussicht und TV-Anschluss. Schon am ersten Spieltag kann uns die Welt im Fernsehen bewundern. Die Auswärtspartie der Stuttgarter Kickers an diesem Samstag bei Hansa Rostock wird standesgemäß live vom NDR übertragen. Angesichts der abgehalfterten ARD sagen wir zu Recht: „Im Dritten siehst du besser!“, und wir singen im Chor: „Oh Lord won’t you buy me a color TV . . .“

Der Hinweis, die dritte Liga sei eine amtliche Bundesliga, wird von Erstliga-Touristen regelmäßig mit hochnäsigem Lächeln quittiert. Dabei ist es die Wahrheit: Dritte Liga bedeutet Eingleisigkeit, wir fahren durch die ganze Republik. Von Burghausen bis nach Babelsberg, von Wehen bis nach Bielefeld, von Unterhaching bis nach Chemnitz. Wir reisen auch nach Karlsruhe, und wenn wir in dieser Gemeinde landen, stellt sich wie früher die Frage der Ehre. Wer die bessere Kurzpasstechnik beherrscht, bedarf keiner Diskussion. Im Badischen sind die Fußballer bis heute damit beschäftigt, sich an das Tragen von Lederschuhen zu gewöhnen.

Jedenfalls bestreiten wir vorurteilsfrei gegen den Landesrivalen ein echtes Derby, zumal man die innerstädtische Auseinandersetzung mit der zweiten Mannschaft des VfB nicht so nennen kann. Der VfB II spielt seit Jahren auf unserem Kickersplatz unter dem Fernsehturm, und wir können nicht von einem historischen Derby sprechen, weil die Roten auf der Waldau in einer Art Entwicklungshilfeprogramm für Migranten unsere Gäste sind. Da gilt es zunächst, multikulturelle Korrektheit zu wahren und zu vergessen, dass wir bereits in der Hinrunde gegen den VfB II ein Auswärtsspiel auf eigenem Platz bestreiten müssen. Als Fremde im eigenen Land. Das ist fast so schlimm, wie wegen der Umbauarbeiten 2013/14 in die Diaspora nach Reutlingen umzuziehen. Sollten uns die Ordnungsheinis bei der Partie gegen den VfB II wie in der Saison 2008/2009 aus unserem B-Block aussperren, uns Liebhabern des gepflegten Fußballsports im Naherholungsgebiet Waldau die Heimat rauben, werden wir das Rathaus besetzen, noch ehe die Oberbürgermeister-Wahl entschieden ist.

Neu an der kommenden Saison ist: Wir sind nicht mehr unter uns. Künftig sind wir „Sportschau“-Futter. Es wird Spieltage geben, an denen der Kickers-Kapitän Marchese im deutschen Fernsehen länger im Bild sein wird als sonst der Fluchtlichtmast des VfB. Die blauen Fans müssen sich angesichts dieser Lage ihrer neuen Verantwortung bewusst werden: Wir stehen unter Beobachtung. Weltmännische Choreos müssen her, großartige Lieder, wir brauchen das neue Wir-sind-mehr-denn-je-Gefühl. Es wird nicht länger reichen, „Wir sind al-le Dä-ger-loch-er Jungs“ zu grölen, Celtic Glasgow mit 1:0 in einem Freundschaftsspiel wegzumachen und dem VfB die Wahrheit ins Gesicht zu singen: „In Europa kennt euch keine Sau.“

Es geht auf Degerlochs Höhen – so hat man die Gegend früher genannt – um eine neue Ernsthaftigkeit, um eine neue Kreativität auf der Stehtribüne, auch wenn unser Block kaum besser aussieht als eine überdachte Grillstation im ramponierten Schlossgarten. Wir, die Blauen, brauchen neue Fans. Wir müssen es allen Leuten erzählen: In der Stadt gibt es neben einer großen Bundesliga-Arena für Fußball-Events im Neckartal eine einzigartige Live-Bühne für intime Fußballkultur auf den Hügeln. Dieser Laden heißt Kickersplatz, und auf diesem Platz treffen sich die Aufrechten, die Sehnsüchtigen und die Demütigen. Wir sind nicht die Underdogs. Wir sind die blaue Bande. Wir wissen, warum man das eng­lische „blue“ mit „traurig“ übersetzt, und warum die Farbe Blau für Treue steht.

So, damit verkünde ich das Ende der Sentimentalität. Uns erwartet eine harte Saison. Alle reden vom Kampf gegen den Abstieg. Spielt keine Rolle. Für uns ist jede Saison die härteste. Wir werden dem Sensenmann von der Schippe springen, und wenn er fragt, warum wir aus seinem Fahrstuhl steigen, werden wir ihm sagen: In der Dritten, Blödmann, siehst du besser.



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DIE STN-KOLUMNEN



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