Bauers Depeschen


Samstag, 12. Mai 2012, 909. Depesche



Klassik & Lesung

JÖRG HALUBEK & JOE BAUER

AM DIESEM SONNTAG IM BIX

Jörg Halubek ist Dirigent, Cembalist, Organist und Professor an der Stuttgarter Musikhochschule. An diesem Sonntag, 13. Mai, spielt er im Stuttgarter Bix Jazzclub (Gustav-Siegle-Haus) Opus 1 – Goldberg von J. S. Bach, daraus: Clavier Übung (1742), Goldberg Variationen für Cembalo. Zwischen den Musikstücken liest Joe Bauer, so teilt der Veranstalter mit, einige Texte zur „Gemütsergötzung“. Beginn 20 Uhr. Karten an der Abendkasse.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle Kolumne in den Stuttgarter Nachrichten:



BA-BA-BANKÜBERFALL

Der Stadtrat Rockenbauch, 31, Kandidat bei der OB-Wahl, hat die Landesbank ­ (LBBW) öffentlich eine „kriminelle Verei­nigung“ genannt. Ich könnte sagen, „Das geht nicht!“, „Ein Stadtrat darf so etwas nicht sagen!“ und „Konsequenzen“ fordern. Am besten juristische. Damit wäre ich auf der sicheren Seite im schönen Stuttgart.

Einen Stadtspaziergänger, allerlei Ausdünstungen in der Nase, führt der Weg ins politische Milieu seit jeher über die Grenze zum alltäglichen Verbrechen. Das Einfachste und Billigste ist es dabei immer, die Dinge nach seinem Privat­geschmack zu bewerten. Geht nicht, pfui!

Gehen wir einmal davon aus, dass unsereins nicht vor Wut schnaubt, wenn ein Mann eine Bank als, sagen wir mal: illegal operierende Firma einstuft. Die kalauerische Berufs­bezeichnung „Bankster“ ist seit dem Börsen-Crash 2008 ohnehin gang und gäbe. Sie stört kaum noch einen, der je als Kunde mit einer Bank zu tun hatte. Allerdings, das ist das wahre Problem im Fall Rockenbauch, sitzt nicht jeder, der seine Meinung sagt, im Gemeinderat. „Das Amt des Stadtrats und die Äußerungen müssen zusammenpassen“, sagt Rockenbauchs Kollegin Andrea Münch (Grüne). „Als Stadtrat muss man sich die Mühe machen, differenziert zu denken“, sagt Roswitha Blind. Beide Kommentare sind belehrend, sie haben ein Geschmacksmotiv. Seit wann denken aus­gerechnet parteiabhängige Politiker „differenziert“? Und wer maßt sich an zu bestimmen, welche Äußerung zu einem Stadtrat „passt“? Für letztere Frage war früher das „gesunde Volksempfinden“ zuständig; damit hat man nicht immer gute Erfahrungen gemacht.

Parteipolitik und ihre Propaganda folgen heute den Parolen der Marketing-Berater. In den Wahlprogrammen steht, was unter populistischen Gesichtspunkten ankommt. Entsprechend fallen Slogans aus: „Currywurst ist SPD“, „Ein Bürger als Oberbürgermeister“, „Lieber neue Wahlen als neue Schulden“. Mit solcher Reklame bewegen sich Politiker mit den Protagonisten des Unterhaltungsgeschäfts „auf Augenhöhe“ (um eine ihrer Floskeln zu benutzen). Sie sind Selbstdarsteller auf modernen Volksbühnen wie TV-Talkshows und Internet.

In diesem Genre arbeitet, ob er will oder nicht, auch Rockenbauch. Als Mitglied der kleinen Partei SÖS ist er eine Figur, bekannt geworden als führender Kopf des Protests gegen Stuttgart 21. Mit seiner Äußerung, bei der LBBW handle es sich um eine „kriminelle Vereinigung“, hat er getan, was Bühnenauftritte generell fordern. Er hat bei einer Demonstration zum Stilmittel der Zuspitzung gegriffen, seine Meinung über eine Bank mit einem Begriff aus der Welt des Verbrechens erhärtet. Die Zuspitzung im politischen Kampf ist Wächtern von Sitte und Moral ein Fressen.

Der Familienvater und studierte Stadtplaner ­Rockenbauch wird von der Konkurrenz als „Schande“ und „spätpubertär“ beschimpft (er ist ein Jahr jünger als der erfahrene FDP-Pleitier Christian Lindner). Seit Rockenbauch bekannt ist, kennt er auch die Schattenseite der Popularität. Nicht nur Feinde, auch Mitstreiter werfen ihm auf ihren Internetportalen Eitelkeit, Selbstdarstellungsdrang und Narzissmus vor. Sie sehen nicht, dass ein Politiker mit Erfolgshunger die politische Bühne erst gar nicht zu betreten bräuchte, lebte er nicht auch sein Rampensau-Talent und seine Lust an verbalen Wirkungstreffern aus. Ohne ein gewisses Charisma sind auch ernst gemeinte Inhalte nicht zu vermitteln.

Der Streit, was man sagen darf und was nicht, gehört zum beliebtesten Spiel im Politzirkus. Rockenbauchs SÖS-Kollege Stocker blieb vor Gericht straffrei, nachdem er dem Tunnelbohr-Unternehmer Herrenknecht „mafiöse Strukturen“ unterstellt hatte. Der Richter verwies auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit.

Die Meinungsfreiheit, eines der höchsten Güter der Demokratie, wird bei uns traditionell nicht gerade mit gebotener Selbstverständlichkeit betrachtet. Vor diesem Hintergrund geht es mir nicht darum, ob ­Rockenbauch mit seinem verbalen Ba-Ba-Banküberfall recht oder unrecht hat. Für seine Meinung hätte er sich nicht einmal auf Bert Brechts Kapitalismuskritik berufen müssen, um sich mit einer literarischen Sichtweise zu rechtfertigen. Die entscheidende Frage ist, ob es auch einem Stadtrat zusteht, eine Bank eine „kriminelle Vereinigung“ zu nennen, wohl wissend, dass es dafür Prügel gibt. Fatal wäre es, könnten auf der politischen Showbühne das Recht auf Meinungsfreiheit nur noch Berufskomiker ungestraft ausüben.



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VORSCHAU - es geht um ALLES!



"Den Charakter einer Stadt erkennt man an ihrem Verhältnis zum Wasser." (Dichterwort)



FLANEURSALON-PICKNICK:

DER NECKARHAFEN RUFT!

Am Sonntag, 24. Juni, steigt die Show am Fluss - Vorverkauf hat begonnen



Die Kickers sind aufgestiegen, der Flaneursalon am Mittwochabend in der ausverkauften Friedenau ist gelaufen (gute Stimmung im Osten). Jetzt geht es volle Kraft voraus in den Hafen. Nach drei Schiffsausflügen unter dem Motto "Flaneursalon im Fluss" haben wir uns etwas Neues ausgedacht, um den Neckar, Stuttgarts vergessenen Fluss, im Auge zu behalten. Mit im Boot bei dieser Sache sind Mirjam Aichele vom Konzertbüro Music Circus als Anstifterin und Johannes Zeller von Orgakomm als Hafenpicknickmeister. Zum ersten Mal machen wir ein (überdachtes) Open-Air, das "Hai Noon Hafen-Picknick". Dankenswerterweise stellt uns die Firma Stahlbau Heil ihr Gelände zur Verfügung. Das große Fest der Sinne findet am Sonntag, 24. Juni, während der Fußball-EM statt, am Tag eines Viertelfinales - aber dank Spielplan wissen wir: Das deutsche Team pausiert für uns an diesem Abend.

An unserem Spielort mit Gleisanschluss in betörender Neckarufer-Kulisse gibt es Verpflegungsstände (Theaterhaus-Gastronomie), jeder aber kann zusätzlich seine Kühlbox zum Picknick anschleppen, ohne von Security-Typen vermöbelt zu werden.

Die Picknick-Idee ist die:

Alle Gäste können Essen mitbringen. Es gibt einen offenen Grill. Getränke sollte man bitte an den Gastro-Ständen holen (dort gibt es auch einfaches Essen als Grundversorgung).

Alles geht in freier Baseball-Stadion-Atmosphäre mit Blick aufs Wasser über die Bühne. Wir rechnen mit etwa 300 Besuchern.

Um 16 Uhr wird das Picknick-Gelände für Mann und Maus geöffnet, etwa um 19 Uhr starten wir unser durcharrangiertes Bühnenprogramm. Der Abend läuft ein wenig anders als sonst im Flaneursalon - aber auch bei dieser Aktion behält der Flaneursalon seinen Charakter: eine Mixed-Show mit scharfen Schnitten.

HIER GEHT ES ZUM VORVERKAUF - Telefon: 07 11 / 22 11 05



Alles auf einen Blick:



Joe Bauers Flaneursalon

bittet zum

HAI NOON HAFEN PICKNICK

Die große Sonntags-Show am wilden Neckarufer mit:



Putte & Edgar … das Strom-Duo

Dacia Bridges … die Balladen-Königin

Roland Baisch … der Sänger im Fluss

& The Countryboys

Pheel … der Beatboxer

Joe Bauer ... der Levitenleser



Sonntag, 24. Juni 2012

Picknick-Gelände geöffnet ab 16 Uhr

Neckarhafen, 70327 Stuttgart

Stahlbau Heil, Mittelkai 12 - 16

Anfahrt über B 10, Ausfahrt Hedelfingen



° Das Hafen-Picknick-Gelände ist überdacht °



KOMMENTARE SCHREIBEN IM LESERSALON

DIE STN-KOLUMNEN



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

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RAILOMOTIVE

EDITION TIAMAT BERLIN

Bittermanns Fußball-Kolumne Blutgrätsche

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