Bauers Depeschen


Samstag, 31. März 2012, 883. Depesche



Nachtrag

DER WEG IST STEINIG: 1860 München II vs Stuttgarter Kickers 1:1



LETZTE KARTEN FÜR DIE BLAUE NACHT

Am Ostersamstag, 7. April, steigt in der Werkstattbühne des Stuttgarter Autohauses ALBRECHT & DEFFNER am Olgaeck unsere „Blaue Nacht“, der garantiert werbefreie Abend für Freunde der Stuttgarter Kickers (und nicht nur für Fußballfans). Stargast ist der Ruhr-Poet und Kabarettist Fritz Eckenga; es ist mir eine Ehre, ihn in der Stadt zu begrüßen. Musik machen Roland „Countryboy“ Baisch und sein Gitarrenspieler Frank Wekenmann. Die Spielstätte ist Stuttgarts ältestes Autohaus, in diesem Gebäude hat einst Clara Zetkin gewohnt. Ich kenne den Ort und habe dort bereits mit dem Flaneursalon gute Erfahrungen gemacht. Es gibt noch ein paar Karten. Tel 07 11 / 23 99 30.



FLANEURSALON IN OSTHEIM

Der nächste Flaneursalon findet am Mittwoch, 9. Mai, im historischen Wirtshaussaal der Friedenau in der ehemaligen Arbeiterkolonie Stuttgart-Ostheim statt. Es spielen Stefan Hiss, Roland Baisch, Anja Binder & Jens-Peter Abele. 20 Uhr. Karten: 07 11 / 2 62 69 24.



SOUNDTRACK DES TAGES



Die StN-Kolumne vom Samstag:



OCHSENTOUR

Der Nase nach, vom Ostendplatz nach Ostheim, weiter Richtung Gaskessel, Schlachthof. Die alte Ochsen-Tour. Zügiger Schritt. Der letzte schöne Frühlingstag im März. Am Himmel das Dach der Mercedes-Benz-Arena, mehr Linie als der VfB. Zu meiner Rechten, neben einer Autowerkstatt, das Hinweisschild auf die Kef-Bar. Die Treppe hinab zum Kellereingang des alten Hauses. Bars sind nicht für Tageslicht gemacht. Geheimnisvoll. Ich kann noch so viel herumgehen in der Stadt, es gibt Tage, da erscheint mir alles neu.

Vorhin in Ostheim war Baulärm zu hören. Zwischenstopp beim schwäbischen Griechen-Schorsch, im Garten vom Wirtshaus Friedenau. Gegenüber, da war die Apotheke, sie gibt es schon eine Weile nicht mehr. Peter, der Karikaturist, kommt an den Tisch. Ja, laut ist es geworden im Viertel, man muss damit leben, sagt er. Die SWSG saniert im Nelkenweg 35 Mietwohnungen. Danach wird die Renovierung weitergehen. Der Osten soll „aufgewertet“ werden. Schluss mit dem „Bronx“-Gerede der alten Tage. Bewohner der evakuierten Häuser haben Angst, sich nach der Sanierung die Miete nicht mehr leisten zu können.

Das ist der Lauf der Dinge, der Markt, auch in einer kleinen Stadt wie Stuttgart, wo sich die Politiker besonders aufspielen, seit Investoren die Macht über Lebensräume übernommen haben. Wer nicht viel Geld hat und keine Immobilie, hat alle Chancen, aus der Stadt hinausmodernisiert zu werden. Zurück bleiben „Zukunft“ und „Fortschritt“ mit Stuttgart-Adressen wie Think K, Pariser Platz, Milaneo,

Jetzt, am letzten Märztag, steigt die „Lange Einkaufsnacht“ unter dem Titel „Frühlingserwachen in S-City“. Der City-Manager, führender Business-Denker und SPD-Mitglied, wird kaum wissen, wie seine Partei mal unter dem Motto „FrühLINKSerwachen“ marschierte. Als es in der SPD noch Sozialdemokraten gab.

Wer den Stolperspruch „S-City“ erfunden hat, gehört mit der Goldenen Zunge prämiert. Wie schlau muss einer sein, der „S-City“ und, noch dämlicher, „Stuttgart City“ ausruft in einer zerfledderten Stadt, wo es keine Innenstadt gibt, keinen urbanen Kern, der sich mit der Angeberfloskel „City“aufbrezeln ließe. Im Handbuch des guten Stils könnte der Texter nachlesen, warum selbst Titulierungen wie „Mexiko City“ und „New York City“ bei uns nichts anderes als großtuerischer Unfug sind. Der Rumpelrhythmus von „Frühlingserwachen in S-City“ wird noch überboten, wenn im Herbst wieder der Rolltreppenrummel unter dem Motto „S-City leuchtet“ ansteht.

Dieser PR-Murks wird sich ändern, wenn der CDU-Kandidat als neuer OB das Rathaus ausleuchtet. Mich wundert, weshalb der Wahlkampf noch nicht auf Touren ist. Bald ist Fußball-EM, danach sind Sommerferien. Eher diskret geht der CDU-Kandidat seit Wochen auf Freund- und Feindtour, verbreitet in allen Lagern seine Siegerbotschaft: „Ich bin noch nie gescheitert.“ In der Branche bekannt als kaltschnäuziger Stratege mit reichlich Erfahrung im politischen Propagandagewerbe, streut er bereits branchenübliche Stabreime: Sein Stuttgart werde „keinen Bahnhof bauen, sondern Brücken“.

Das hat er nicht Unrecht. Zum einen geht es in der Tat nicht um einen Bahnhof, sondern um eine U-Bahnhaltestelle zur Gewinnung von Spekulanten-Land. Zum anderen habe ich gute Erfahrung gemacht mit den Eselsbrücken der Werbung: Viele, viele Marlboros ruinierten in Wahrheit nicht meine Lunge. Vielmehr hinterließen ihre Qualmwolken das Brandzeichen von Freiheit und Abenteuer auf meinem Arsch.

Der CDU-Kandidat, darauf wette ich meine Babylunge, wird die OB-Wahl gewinnen und uns nach seinem Organspender-Slogan „Das neue Herz Europas“ den Pathologen-Claim „Der größte Kopf des Kontinents“ auftischen. Nebenbei wird er ein neues Stuttgart gestalten, ohne dass sich etwas verändert. Der Job des Werbers ist es ja nicht, neue Realitäten zu schaffen. Er wird dafür bezahlt, den Leuten andere Wirklichkeiten vorzugaukeln. Der Kandidat will „vereinen und gestalten“, frei nach dem weltberühmten Werber-Eid: „Designen, leimen, schleimen“. Schon hat er die neue „Bürgerstadt“ ausgerufen. Was für ein Ding. Nicht einmal nach der großen Bürgerbewegung konnte einer ahnen, dass es sich im Fall einer Stadt mit Hunderttausenden Bürgern um eine Bürgerstadt handelt. Und nicht um einen Hundezwinger, einen Kirmesplatz oder eine Werbeagentur.

Die grüne Konkurrenz wiederum, so ist beim Herumgehen zu hören, ist bereits damit beschäftigt, sich bei den Schuldigen über ihre bevorstehende Niederlage zu beklagen. Was für ein zahnloser Wahlkampf. Zeit, dass die Ochsentour beginnt.



KOMMENTARE SCHREIBEN IM LESERSALON

DIE STN-KOLUMNEN



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

FlUEGEL TV

RAILOMOTIVE

EDITION TIAMAT BERLIN

Bittermanns Fußball-Kolumne Blutgrätsche

VINCENT KLINK

KESSEL.TV

GLANZ & ELEND
Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20120331
 

 

im Nordbahnhof-Areal
 

Archiv 


Depeschen 1891 - 1907

Depeschen 1861 - 1890

Depeschen 1831 - 1860

Depeschen 1801 - 1830

Depeschen 1771 - 1800

Depeschen 1741 - 1770

Depeschen 1711 - 1740

Depeschen 1681 - 1710

Depeschen 1651 - 1680

Depeschen 1621 - 1650

Depeschen 1591 - 1620

Depeschen 1561 - 1590

Depeschen 1531 - 1560

Depeschen 1501 - 1530

Depeschen 1471 - 1500

Depeschen 1441 - 1470

Depeschen 1411 - 1440

Depeschen 1381 - 1410

Depeschen 1351 - 1380

Depeschen 1321 - 1350

Depeschen 1291 - 1320

Depeschen 1261 - 1290

Depeschen 1231 - 1260

Depeschen 1201 - 1230

Depeschen 1171 - 1200

Depeschen 1141 - 1170

Depeschen 1111 - 1140

Depeschen 1081 - 1110

Depeschen 1051 - 1080

Depeschen 1021 - 1050

Depeschen 991 - 1020

Depeschen 961 - 990

Depeschen 931 - 960

Depeschen 901 - 930

Depeschen 871 - 900
28.04.2012

26.04.2012

25.04.2012
24.04.2012

23.04.2012

21.04.2012
20.04.2012

18.04.2012

17.04.2012
16.04.2012

14.04.2012

13.04.2012
09.04.2012

08.04.2012

06.04.2012
04.04.2012

03.04.2012

31.03.2012
29.03.2012

28.03.2012

26.03.2012
23.03.2012

21.03.2012

19.03.2012
14.03.2012

11.03.2012

06.03.2012
01.03.2012

29.02.2012

27.02.2012

Depeschen 841 - 870

Depeschen 811 - 840

Depeschen 781 - 810

Depeschen 751 - 780

Depeschen 721 - 750

Depeschen 691 - 720

Depeschen 661 - 690

Depeschen 631 - 660

Depeschen 601 - 630

Depeschen 571 - 600

Depeschen 541 - 570

Depeschen 511 - 540

Depeschen 481 - 510

Depeschen 451 - 480

Depeschen 421 - 450

Depeschen 391 - 420

Depeschen 361 - 390

Depeschen 331 - 360

Depeschen 301 - 330

Depeschen 271 - 300

Depeschen 241 - 270

Depeschen 211 - 240

Depeschen 181 - 210

Depeschen 151 - 180

Depeschen 121 - 150

Depeschen 91 - 120

Depeschen 61 - 90

Depeschen 31 - 60

Depeschen 1 - 30




© 2007-2018 AD1 media ·