Bauers Depeschen


Dienstag, 17. Mai 2011, 727. Depesche



NACHTRAG: Unter den STN-KOLUMNEN findet man ab sofort die aktuelle Geschichte vom Donnerstag, 19. Mai: Es geht um Joschka Fischer, die sechziger Jahre und den Club Voltaire in der Stuttgarter Altstadt - hier der SOUNDTRACK ZUM TEXT. (Seltsam, ohne Facebook-Botschaft klickt die StN-Online-Texte keiner an, niemand hinterlässt Bewertungsspuren. Ist das zu schwierig? Dann schaffe ich die Links auf dieser Seite ab.)

Und hier geht's direkt zu den Indianern: STN ONLINE



KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON



BENEFIZ-SALON AM SONNTAG

Am Sonntag, 22. Mai, sind wir mit dem Flaneursalon im GENERATIONENHAUS in Heslach zu Gast, und zwar im dortselbst integrierten Café NachBARschafft. Unsere Benefiz-Vorstellung zum 10. Jubiläum der Einrichtung startet nachmittags - um 15 Uhr. Am Start sind neben dem Vorleser der große Musikant Zam Helga sowie die bei Gott nicht kleine Musikantin Anja Binder mit ihrem gigantischen Musikanten Jens-Peter Abele. Der Eintritt ist frei. Spenden an das Haus willkommen!



Der Neckar ruft

FLANEURSALON IM FLUSS

Die Vorbereitungen für den Flaneursalon im Fluss laufen auf Hochtouren, und inzwischen ist ein Drittel der 200 Karten weg. Am Mittwoch, 29. Juni, entern wir das Neckarschiff "Wilhelma". Ausflug auf Stuttgarts letzter Arche der Freiheit mit den Musikern Zam Helga, Roland Baisch & Friends, Michael Gaedt, Dacia Bridges, Nils Heinrich. Und hier geht's nahtlos zum -> VORVERKAUF



Die aktuelle StN-Kolumne vom Dienstag:



DIE INDIANER

Es ist leicht, eine Meinung zu haben, solange sie nicht verboten ist. Bei Bedarf kann man seine Meinung an der Garderobe des Landtags abgeben oder sich eine am Eingang zum Schlossgarten aneignen.

Wir in Stuttgart haben der Meinung viel zu verdanken. Hätten zuletzt nicht viele Menschen in der Stadt ihre Meinung zu Markte getragen, ohne sie zu verkaufen, wären wir bis auf den heutigen Tag in der Welt nicht bekannter als Poppenweiler.

Zurzeit geht es wieder um unsere Meinung. Einen Teil der Bürger hat man gefragt, ob sie dafür sind, den Park zu räumen, die Camper aus dem Park zu vertreiben. Das Ergebnis fiel gut stuttgarterisch aus. Die Hälfte ist dafür, der Rest dagegen.

Ich habe dazu noch keine Meinung. Mich stören die Zelte nicht, mir gefällt es, wenn die Stadt mir in ihrer Größe einen Indianerstamm gönnt. Wenn ich gesagt habe, man könne seine Meinung an der Garderobe des Parks abgeben, trifft das nicht auf alle zu. Manche sondern ihre Meinung zum Park nämlich ab, ohne den Eingang je gesehen zu haben. Wenn diese Leute sagen, sie hätten Angst, in den Park zu gehen, dann sage ich mir: Diese Leute hätten Grund zur Angst, wenn im Schlossgarten KEINE Zelte stünden. Das lehrt uns eine urbane Binsenweisheit: Wird eine Gegend von Menschen belebt, ist die Chance, eins über die Rübe zu bekommen, wesentlich kleiner, als in einer toten Ecke seinen Ringfinger zu verlieren. Wer sich je in Schmuddelecken herumgetrieben hat, wird mir recht geben.

Manche bezeichnen die Indianerzelte im Schlossgarten als „Schmuddel-Camp“, andere erkennen im Park „Anarchie“, ohne etwas über die Philosophie der Anarchisten zu wissen. Als ich unlängst im Laufschritt die Zelte umkreiste, waren einige Männer dabei, den Vorgarten ihres Höllencamps zu kehren. Mein Gott, dachte ich, sind das komische Chaoten. Randalieren mit Besen.

In den Zelten und ihrem Schatten wohnen verschiedene Kategorien von Menschen, und diese Menschen erzählen uns etwas von der Stuttgarter Realität:

Zum einen gibt es politisch motivierte Parkschützer, die der Meinung sind, sie verteidigten ihr Recht auf Lebensraum, ohne den Park privat zu vereinnahmen.

Dann haben wir die Obdachlosen, denen es im Park besser geht als neben einem Müllcontainer; doch auch die Straße kennt eine schwäbische Lebensregel, unter Sozialarbeitern als gruppendynamischer Prozess bekannt: Es gibt sotte und sotte.

Drittens haben wir im Park die Punks, und über deren Befindlichkeit wage ich nicht zu urteilen, weil die Geschichte des Punk eine Wissenschaft für sich ist.

Um in diesem Biotop des Allzumenschlichen die richtige Maßnahme zu ergreifen, bedarf es emotionaler Intelligenz. Leicht wäre es, das Geschäft einer Polizeiarmee zu überlassen. Wie unsere Dorfpolitiker nach der Staatsgewalt zu schreien. Auf militärischem Gebiet aber sind wir traditionell nicht besonders gut. Wahr ist, dass auch Stuttgart-21-Gegner diskutieren, wie das Feld am klügsten zu räumen wäre. Es gibt die bekannten Lösungsansätze. In vielen Städten sind Mediatoren unterwegs, soziale Vermittler, die (wie in Berlin) junge Menschen auch mal davon überzeugen, eine Autobrücke nicht bis morgens um fünf mit Bier und Pizza zu belagern, zumal nach der Party ein Heer von Ratten anrückt.

Der Sozialarbeiter aber ist kein Superman. Deshalb denken im Lager der S-21-Gegner einige darüber nach, wie sie ihre Indianer mit den stärksten Waffen der Bewegung, nämlich mit Kreativität und Fantasie, zum Auszug aus dem Park bewegen könnten. Es könnte Veranstaltungen zum Thema geben: Gespräche mithilfe des Fernsehsenders fluegel.tv, kulturelle Aktionen im Park, buntes Miteinander.

Im Moment wäre es am sinnvollsten, nach der Methode meines Deutschlehrers vorzugehen: Erst Stoff sammeln, dann Stoff gliedern, vielleicht wird am Ende eine gute Geschichte daraus.

Noch ein Wort zur Ästhetik des Parks. Sollten die Indianer verschwinden – der Metallschuppen für das „Grundwassermanagement“ wird bleiben. Und der ist hässlicher als jedes Wigwam.

SOUNDTRACK DES TAGES



DIE STN-KOLUMNEN



FRIENDLY FIRE:

NACHDENKSEITEN

FlÜGEL TV

VINCENT KLINK

RAILOMOTIVE

UNSERE STADT

KESSEL.TV

GLANZ & ELEND

EDITION TIAMAT BERLIN (Hier gibt es mein Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart")

Fußball-Kolumne Blutgrätsche
Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20110517
 

 

im Nordbahnhof-Areal
 

Archiv 


Depeschen 1891 - 1908

Depeschen 1861 - 1890

Depeschen 1831 - 1860

Depeschen 1801 - 1830

Depeschen 1771 - 1800

Depeschen 1741 - 1770

Depeschen 1711 - 1740

Depeschen 1681 - 1710

Depeschen 1651 - 1680

Depeschen 1621 - 1650

Depeschen 1591 - 1620

Depeschen 1561 - 1590

Depeschen 1531 - 1560

Depeschen 1501 - 1530

Depeschen 1471 - 1500

Depeschen 1441 - 1470

Depeschen 1411 - 1440

Depeschen 1381 - 1410

Depeschen 1351 - 1380

Depeschen 1321 - 1350

Depeschen 1291 - 1320

Depeschen 1261 - 1290

Depeschen 1231 - 1260

Depeschen 1201 - 1230

Depeschen 1171 - 1200

Depeschen 1141 - 1170

Depeschen 1111 - 1140

Depeschen 1081 - 1110

Depeschen 1051 - 1080

Depeschen 1021 - 1050

Depeschen 991 - 1020

Depeschen 961 - 990

Depeschen 931 - 960

Depeschen 901 - 930

Depeschen 871 - 900

Depeschen 841 - 870

Depeschen 811 - 840

Depeschen 781 - 810

Depeschen 751 - 780

Depeschen 721 - 750
02.07.2011

30.06.2011

28.06.2011
24.06.2011

22.06.2011

20.06.2011
18.06.2011

16.06.2011

14.06.2011
10.06.2011

07.06.2011

05.06.2011
04.06.2011

03.06.2011

02.06.2011
31.05.2011

30.05.2011

29.05.2011
27.05.2011

25.05.2011

24.05.2011
21.05.2011

20.05.2011

17.05.2011
15.05.2011

13.05.2011

10.05.2011
08.05.2011

07.05.2011

06.05.2011

Depeschen 691 - 720

Depeschen 661 - 690

Depeschen 631 - 660

Depeschen 601 - 630

Depeschen 571 - 600

Depeschen 541 - 570

Depeschen 511 - 540

Depeschen 481 - 510

Depeschen 451 - 480

Depeschen 421 - 450

Depeschen 391 - 420

Depeschen 361 - 390

Depeschen 331 - 360

Depeschen 301 - 330

Depeschen 271 - 300

Depeschen 241 - 270

Depeschen 211 - 240

Depeschen 181 - 210

Depeschen 151 - 180

Depeschen 121 - 150

Depeschen 91 - 120

Depeschen 61 - 90

Depeschen 31 - 60

Depeschen 1 - 30




© 2007-2018 AD1 media ·