Bauers Depeschen


Sonntag, 16. Januar 2011, 658. Depesche



Die aktuelle StN-Fußballkolumne:



MACH DEIN DING

Kaum hatte Dortmund in Leverkusen 3:1 gesiegt, stand der Borussen-Torschütze Kevin Großkreutz im Sky-Studio und grinste, als hätte er einen Joint erwischt. Er war der lebende Honigkuchen: glänzend sprachlos. Vor den Fernsehgeräten in der Fußballrepublik glaubte man die Damen singen zu hören: „Sugar for my Sweet . . .“ Dann fand der junge Herr Großkreutz doch noch Worte: Der Trainer sagt, wir müssen unser Ding machen – was die anderen sagen, interessiert uns nicht.

Es wäre dumm, Dortmunds Motto „Wir machen unser Ding“ als Floskel abzutun. Womöglich steckt darin die ganze Wahrheit über den sagenhaften Erfolg der neuen Borussia. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sagt die vier Worte nicht nur so daher, dafür gebraucht er sie zu oft.

Hinter diesem „Wir machen unser Ding“ verbirgt sich uramerikanische Lebensart: Ärmelaufkrempeln, Pioniergeist, die Philosophie des Erfolgs. „Do your own thing“ steht nicht etwa für den Weg, egoistisch seine Sache durchzuziehen. „Mach dein Ding“ ist die amerikanische Aufforderung, eine Idee zu finden, sich dem Risiko unbeirrbar zu stellen und auch im Moment des Scheiterns nicht aufzugeben.

Nicht umsonst hat der Amerikaner ein anderes Verhältnis zur Niederlage als wir. Einen Bankrott versteht er nicht als Demütigung, er sieht ihn als Herausforderung, erneut anzugreifen: Mach dein verdammtes Ding! Du hast eine zweite Chance.

Klopps Dortmunder Ding ist es, mit sehr jungen Spielern schnellen, disziplinierten Hochgeschwindigkeitsfußball zu spielen. Damit begeistert er die Fans und verunsichert die Gegner. Respekt.

Klopp hält oft Vorträge über die Wichtigkeit des Charakters eines Spielers. Erst neulich sagte er der „FAS“: „Ich würde niemals ein Arschloch, das überragend kicken kann, verpflichten, das kann ich definitiv sagen.“ Fast glaubt man ihm.

„Mach dein Ding“ ist Thema unzähliger Songs, man findet es bei Rock-Poeten wie Neil Young oder Hip-Hop-Stars wie 50 Cent; auch der deutsche Veteran Udo Lindenberg hat es auf seiner jüngsten CD wieder aufgegriffen: „Ja ich mach mein Ding / Egal was die andern labern / Was die Schwachmaten einem so raten / das ist egal / Ich mach mein Ding.“

Ganz ähnlich klingt die Unser-Ding-Nummer des Jürgen Klopp: „Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können. Das andere blenden wir aus. Das ist gar nicht so schwer.“

Seine Haltung sagt etwas über die Hingabe zum Fußball, zu den emotionalen Dingen des Spiels. Daraus erwächst der Instinkt für die Chemie des Teams. Der Instinkt ist unterschätzt. Machen der VfB-Präsident Staudt oder sein Aufsichtsrat Hundt ihr Ding, sprechen sie über Stadionausbau & Business-Seats – und kaufen günstig Camoranesi und Kuzmanovic. Ihr Ding ist das „Wirtschaftsunternehmen Fußball“. Sie merken nicht, dass in der Computer- oder Autozubehörbranche andere emotionale Einflüsse herrschen als im Film- oder Showgeschäft und damit im Fußball. Der Unterschied ist der Kunde, denn dazu zählt neben Sponsoren auch Publikum.

Selbst der Augsburger Nietengürtelträger Armin Veh kam als HSV-Trainer inzwischen zu der Erkenntnis: „Leidenschaft siegt über Klasse.“ Klopp würde ihn korrigieren: Klasse erwächst aus Leidenschaft – die nämlich kann man, egal was die anderen labern, beeinflussen, und dann stimmen auch Klasse und Kasse.

Spielbestimmend ist wohl Klopps Talent, junge Profis mit seinem Lebensentwurf zu infizieren. Das ist nicht leicht. Der VfB-Star und Autonarr Maurizio Gaudino wurde einst von der Polizei aus dem Fernsehstudio geholt. Er hatte „Mach dein Ding“ mit „Dreh ein Ding“ verwechselt.

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