Bauers Depeschen


Mittwoch, 14. Juli 2010, 540. Depesche



(Bitte TERMINE beachten)



SPIELBERICHT: Kickers (4. Liga) und und VfB (1. Liga) trennten sich am Mittwoch auf der schönen Waldau leistungsgerecht 1:1. Erstmals waren Blaue und Rote mit demselben Trikotsponsor, der Frischkäsefirma Gazi, am Start. Im Kickers-Umfeld wird sich nach meiner Vorstellung die Bezeichnung GAZIPROM durchsetzen, in VfB-Kreisen spricht man wohl vom GAZISTREIFEN (auf der Brust).



DAS WUNDER HAROLD

Da ich, wie gesagt, eine Arbeitspause einlege, kommt mir Klaus Bittermann, Berlin, zur Hilfe. Klaus ist der Mann, der in seiner Edition Tiamat mein jüngstes Büchlein "Schwaben, Schwafler, Ehrenmänner" veröffentlicht und Ende März im Flaneursalon in der Stuttgarter Uhu-Bar gelesen hat. Mit solchem Kram ist kein Geld verdient. Jeder Kleinverleger wartet auf ein Wunder (etwa so aussichtsreich wie ich auf den Aufstieg der Kickers). Und jetzt ist die Sensation perfekt: Klaus hat den Roman "Harold" herausgebracht. Angeblich handelt es sich um das kleine Werk eines unbekannten Autors, der sich "einzlkind" nennt. Der anonyme, selbstverständlich sehr schüchterne Schriftsteller hat das Manuskript "unverlangt eingesendet". Im Begleittext weist der elfjährige Melvin, der Co-Held des Romans, bescheiden auf das "beste Buch der Welt" hin. Es erschien mit einem kunstvoll geknoteten Galgenstrick auf dem sargbraunen Cover und schildert die skurrilen Erlebnisse eines arbeitslosen Londoner Wurstverkäufers.

Inzwischen ist im Hause Bittermann die Hölle lös. Erst feierte die FAZ "Harold" als den größten literarischen Sommerhit des Jahrhunderts, dann schrieb der "Spiegel", Herr Bittermann habe pures "Gold" gegriffen, und danach überboten sich sämtliche großen Blätter mit Vergleichen zwischen Salinger, Hornby und Monty Python. Unsereins ist noch mittendrin im Bestseller "Harold" und freut sich über hinreißend beswingten Sound und gut dosierten sarkastischen Humor. Man sucht, um mit Harold zu sprechen, seinesgleichen, "und auch das vergeblich".

Klaus meldet aktuell, die Druckerei sei überfordert, was sein Urteil über ein generell unfähiges Deutschland wieder mal bestätige. Allerdings dementiert er meinen Verdacht, er sitze mit einzlkind und zahlreichen Damen Champagner saufend auf der Admiralbrücke zu Kreuzberg, um den größten Coup seit Konrad Kujaus "Hitler-Tagebüchern" zu feiern. KOMMENTARE SCHREIBEN

SOUNDTRACK DES TAGES



Um meine Depeschen-Lücke zu füllen, hat mir Herr B. eine seiner "Berliner Szenen" zur Verfügung gestellt:



GEKREUZIGTE KUSCHELTIERE

Von Klaus Bittermann, dem seit Tagen berühmten Verleger

des literarischen Sommerhits "Harold"



Ausstellungseröffnung bei Herrn »Endart«, Kreuzberg, mit dem in der Kunstwelt einzigartigen Namen Klaus Theuerkauf. Da kann ich Miss Trixie mal zeigen, was moderne Kunst ist (Anmerkung des Depeschen-Manns: Miss Trixie ist noch sehr klein).

Als erstes treffe ich den unter dem Namen Karin Kramer firmierenden Anarchisten, inzwischen aber zum Anachronismus konvertierten Bernd Kramer, der mir sagt, daß er jeden Tag reicher wird. Nach einer Pause, die lang genug ist, um zu denken, davon kannst du aber nur träumen, sagt er: »An Erfahrung.« Damit sind wir beide in der Tat reichlich gesegnet, nützen tut sie uns aber trotzdem nichts. Dann sagt Herr Kramer bewundernd: »Ich möchte mal wissen, wann der Theuerkauf das alles gemacht hat. Ich dachte, der säuft ständig. Steht ja jede Menge Zeugs rum.«

Das »Zeugs« ist blasphemisch und verstößt gegen Sitte, Anstand und Moral. Am besten gefällt mir eine Gruppe Bambis in gestreiften Häftlingsanzügen vor einem Wachturm, auf dem eine kleine fiese Soldatenfigur mit MP im Anschlag steht. Das Stilleben hinter Glas wird gerade noch geklebt, kostet 1500 und heißt Bambi-KZ. Das mag Miss Trixie gar nicht, noch weniger begeistert ist sie von den Stofftieren mit Riesenpimmel, die ans Kreuz genagelt sind und bluten.

Auch mein Lieblingsbuchhändler blutet, allerdings unterhalb der Nase, und es ist echtes Blut, das einfach nicht zu stoppen ist.

Der Verbandskasten im Atelier stammt noch aus NVA-Beständen und ist für dieses Zivilopfer nicht gerüstet. Freunde kommen und machen Fotos von ihm. Ich gehe in die nächste Apotheke und besorge blutstillende Watte, mit der sich mein Lieblingsbuchhändler einen Hitlerschnurrbart fertigt. »Morgen geh ich in die Klinik zur Entgiftung«, sagt er mit einem Bier in der Hand. »Freust du dich schon?« frage ich. »Ja, vor allem auf die Dose Bier morgen früh im Taxi, wenn ich mich in die Anstalt bringen lasse.«



DIE STN-KOLUMNEN



AMTLICHES

Im LESERSALON sind noch Zimmer frei

E-Mail- „Kontakt



FRIENDLY FIRE:

www.kessel.tv

www.edition-tiamat.de (Hier gibt es mein aktuelles Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart")

www.bittermann.edition-tiamat.de (mit der Fußball-Kolumne "Blutgrätsche")

www.unsere-stadt.org

GLANZ & ELEND


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