Bauers Depeschen


Montag, 20. Juli 2009, 355. Depesche



BETR.: NETZ, REBECCA MELLONE



Das Netz ermöglicht unverhoffte Begegnungen. Dies ist mit ein Grund, das brotlose Depeschen-Geschäft am Laufen zu halten. Am 9. Juni dieses Jahres habe ich unter der Überschrift "Versuch über die Fressbox" eine Geschichte über Essen aus Pappe auf die Depeschenseite gestellt. In meinem Text aus den Stuttgarter Nachrichten konnte man folgenden Absatz lesen:

"Im Internet stieß ich auf die Vorlieben einer in Rheinland-Pfalz tätigen Radiomoderatorin mit dem schönen Namen Rebecca Mellone: ,Schlafen, Kunst, Bahnhöfe und Flughäfen, Radio, Tage am Meer, Kino, mich mit Horrorfilmen selbst zu Tode thrillen, Menschen mit Meinung, Helmut Schmidt, Irland, verliebt sein, pinke iPods, Marcs & Spencer, Placebo live, Essen aus Pappkartons'."

Diesen Eintrag hatte ich zufällig auf der Website der mir bis dahin unbekannten Frau Mellone entdeckt. Wenig später meldete sich die Verfasserin - sie arbeitet bei RPR1 - per E-Mail, um ihre Haltung zu erklären. Ihr Schreiben zeugt von so viel gedanklicher Gründlichkeit, dass ich es in Auszügen dokumentieren möchte:



"Ja, ich gebe es zu, Essen macht mich sagenhaft glücklich und am glücklichsten macht es mich, wenn es aus Pappkartons kommt. Das liegt aber nicht primär an dem Pappkarton, sondern daran, dass Vieles, was ich gerne verspeise, eben nun mal aus einem Pappkarton stammt. Das bedeutet, ich müsste mich schon sehr darum bemühen, das gleiche Essen auf Tafelsilber serviert zu bekommen.

Ich kann und will auch gar nicht leugnen, dass ich Stammkundin in diversen amerikanischen Schnellrestaurants bin und ja, ich liebe es, mir nach einem anstrengenden Tag einen Kalorien geladenen und von Fett triefenden Burger zu genehmigen und ich wäre böse enttäuscht, wenn dieser Burger nicht in einer Pappschachtel liegen würde. Denn diese Pappschachtel ist dann für mich wie ein Geschenkpäckchen. Voller Erwartung und Vorfreude fahre ich dieses süße kleine Päckchen vom Drive-In in meine Wohnung - immer in der Sorge, ich müsste mal scharf bremsen und mein Burger wäre dahin.

Das Fahrverhalten orientiert sich ja mitunter an dem, was man im Auto transportiert. Wenn ein Burger mein Beifahrer ist, fahre ich somit besonders vorsichtig und vorausschauend. Zu Hause wird dieses Päckchen dann auf meinem Tisch platziert. Ich stelle ein Glas Cola daneben, setze mich hin und jetzt kommt der Moment: Der Moment, in dem ich dieses Geschenkpäckchen langsam aufklappe und mein Herz zu springen beginnt. Auf die gleiche Art und Weise funktioniert das bei mir im Übrigen auch mit vielen anderen leckeren Sachen, die aus Pappschachteln zu entnehmen sind. Zum Bespiel mit Schokokuchen! Ich liebe Schokokuchen! Leider erlaubt es aber meine Figur nicht, ständig davon zu speisen. Aber was glauben Sie, wie ich im Dreieck hüpfe, wenn mein Freund völlig unverhofft diese Schokokuchen-Pappschachtel aus dem Ärmel zieht!? Denn es ist ein Geschenkpäckchen und da ist was unglaublich Leckeres drin. Dann bin ich glücklich und mein Freund ist glücklich, weil ich glücklich bin. Schon schön, was so ein Pappkarton alles kann, oder?

Ähnlich, aber noch toller, ist es mit Latte Machiatto aus Pappbechern. Ich habe zugegebenermaßen nicht dasselbe Glücksgefühl, wenn ich in einem Café meinen Kaffee im Glas bekomme. Abgesehen davon habe ich auch nicht ständig Zeit, im Café zu sitzen. Der Pappbecher eröffnet mir aber ungeahnte Möglichkeiten, denn ich kann meinen Kaffee jederzeit überall da trinken, wo ich grade Lust habe. Allein wegen diesem Pappbecher, kann ich zwischen Uni und Arbeit im Bus sitzen, mit meinem pinken iPod im Ohr Musik hören und meinen Latte schlürfen und dann bin ich froh und ich ertappe mich oft selbst dabei, wie ich plötzlich zwischen all dem Stress im Bus sitze und ein Lächeln im Gesicht habe.

Die plakative Verschlagwortung von Inhalten ist für uns Radiomacher das tägliche Brot (wenn auch aus Plastiktüten) und wieder einmal ist bewiesen worden, dass diese Art der Kommunikation von Informationen stets Raum für Interpretationen und Missverständnisse lässt. Aber genau deshalb konnte ich es mir nicht nehmen lassen, für Sie diese Schlagworte mit einem tief erfahrbaren Inhalt zu füllen...

Beste Grüße

Rebecca Mellone"

Der Depeschen-Schreiber bedankt sich bei Frau Mellone für ihre liebevolle Arbeit und wünscht ihr alles Beste und guten Appetit.



Neue Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



FUSSBALL IST UNSER LEBEN

Samstag, 8. August, Theaterhaus Stuttgart, 20 Uhr: "Hurra, wir kicken noch!", die Show zur mentalen Unterstützung der Stuttgarter-Kickers-Fans und anderer Fußballfreunde. Mit Michael Gaedt + Michael Schulig & Band als Die Große Rockschau (Ex Kleine Tierschau), Nu Sports (Ska-Band), Timo Brunke (Sprachkünstler), Joe Bauer (Vorleser), Ralf Schübel (Hymnensänger). Moderation: Stefan Kiss (Sportreporter, SWR-Fernsehen). Eintritt: 9 Euro, so günstig wie ein Stehplatz auf der schönen Waldau. Der Vorverkauf läuft. www.theaterhaus.com - Kartentelefon: (0711) 4 02 07 20

(Siehe Depesche vom 15. Juni 2009)



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