Bauers Depeschen


Donnerstag, 08. Januar 2009, 272. Depesche



BETR.: FLYING NICHTS



Im aktuellen „Spiegel“ steht, der amerikanische Radrennfahrer Lance Armstrong stelle pausenlos Tagebuchnotizen auf seine Homepage, sein bester Freund sei der Blackberry, wegen Armstrongs Abhängigkeit „Crackberry“ genannt. Die Nachrichten des Tour-Siegers an die Welt lesen sich so: „Gerade von einem Nickerchen aufgewacht. Nett.“ – „Im Cuyhs gegessen. Eins von Austins Besten. Hatte einen ,Big as yo face‘-Burrito.“

Wer kennt die Flying Burrito Brothers mit Gram Parsons?

Lance Armstrong lebt. Gram Parsons ist tot. Zu viel gedopt. Seine Countryseele fliegt.

Tagebucheintrag „Bauers Depeschen“, mangels Blackberry in die verkabelte Kiste: „Gerade von einem langen Schlaf erwacht. Einen Apfel, eine Banane und eine Clementine aus dem Biomarkt Naturgut zum Frühstück gegessen.“

Neue Kaffeemaschine ausprobiert. Ist mir zugelaufen. Bin kein Kaffeetrinker. Konnte die Maschine gar nicht bedienen. Wasser nachschütten, okay. Wasser entleeren, okay. Warum aber sagt mir keiner, wo die Bohnen reinmüssen?

Im Radio, SWR 1, sagt gerade einer, Kaffee sei gut fürs Kurzzeitgedächtnis, um sich Telefonnummern zu merken usw. Hilft Kaffee auch, SWR-1-Gelaber wegzusaufen? Dann kaufe ich mir eine zweite Kaffeemaschine. Dieses Wohlfühl-Getue ist unerträglich dumm. SWR 1 läuft immer, solange ich dusche. Im Bad kriege ich keinen anderen Sender.

Ein Blackberry wäre die Lösung für alles.

Ich war im Stuttgarter Fernsehturm, um mir „6 and the City“, eine Reihe des Theaters Rampe, anzuschauen. Sechs Autoren schreiben kurze Stuttgart-Stücke, die Rampe-Leute inszenieren und spielen. Schneller Gedanke: Immer schwer, Stuttgart in eine Geschichte einzuarbeiten. Wo ist das Sujet? Wie befürchtet, fliegen Maultaschen und Kehrwöchner in 140 Meter Höhe. Maultaschen und Kehrwöchner fliegen, weil die Autoren die Maultaschen- und Kehrwöchner-Klischees brechen wollen.

„Kehrwoche ist Faschismus.“

Aha. Die Wahrheit ist: Unkraut zwischen Betonplatten mit der Schere zu schneiden entspricht der Präzision großer Kunst.

Flying Trollinger Brothers, Flying Maultaschen Brothers, Flying Mercedes Brothers. Mein Gott, wir haben nicht nur Maultaschen und Kehrwoche. Wir haben auch Zündkerzen und supergeile Weiber.

Big as yo dick Fernsehturm.

Habe darüber nachgedacht, ob der schwäbische Dialekt ausstirbt: Kann man sich in Zukunft noch an irgendeinem globalen Geschäft beteiligen, wenn man Schwäbisch spricht? Muss man sich den Dialekt gewaltsam wie die Kinder dummer Eltern wegtrainieren? Oettinger und die Biathlon-Athletinnen im Fernsehen sind Gift.

Ich spreche nicht mehr. Ich kaufe mir einen Blackberry. Die Zukunft heißt nettes Nickerchen und kriminelles Schweigen.

Es war schön, bei gutem Schnee eine Stunde durch den Wald zu laufen. Der Schnee ist ein Erlebnis in der Stadt, seit es Schnee in der Stadt nicht mehr gibt. Mein serbischer Schrittmacher Eddy spricht Schwäbisch, ich habe ihm eine schwarze Mütze mit rotem Stern verpasst. Flying Grillplatte.

Ich selbst besitze seit Weihnachten einen zugelaufenen Jogginganzug, laufe aber immer noch mit diesen alten Rocky-Kapuzenjacken. Die Jogginganzugläufer, die mir im Wald entgegenkommen, sehen dermaßen professionell aus, dass ich Angst bekomme: Armstrongs mit Blackberry im Schuh.

Sehen Sie, es ist nicht schwierig, eine Homepage-Seite mit Flying Nichts zu füllen. Mr. Armstrong, ich gehe jetzt mittagessen. Big as yo ass Rostbraten.



- Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



REKLAME:

- Nächster Flaneursalon: Mittwoch, 18. Februar 2009, Theater Rampe, Filderstraße 47, Stuttgart. Letzter gemeinsamer Auftritt von Ralf Groher & Stefan Hiss als LOS GIGANTES. Weitere Gäste: Dacia Bridges & Alex Scholpp. Beginn 20 Uhr. Karten 0711 / 6 20 09 09 - 16.

(In der Depesche vom 31. 12. 2008 erfahren Sie, was es mit dem schwimmenden Flaneursalon auf sich hat.)



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