Bauers Depeschen


Freitag, 26. September 2008, 228. Depesche





Betr.: Humor



Da war am Mittwoch die Konzertfahrt nach Schorndorf. Es trat auf My Brightest Diamond, man darf in diesem Fall sagen: das PROJEKT der New Yorker Sängerin Shara Worden. Vielleicht 100 Besucher in der Manufaktur. Vorband (Clare and the Reasons mit den Musikern des Diamanten), 16 Euro Eintritt. Das reicht für die Hotelkosten, und Gott sei Dank gibt es noch ein Recht auf Kultursubvention in diesem Land, auch wenn keine Sau mehr mit dem Grundgesetz unterm Arm herumläuft und jeder Idiot nach privatwirtschaftlichem Kultur-Management schreit, bevor er 300 Millionen an eine bankrotte Bank überweist.

Die ausgebildete Opernsängerin Shara Worden aus Brooklyn geht mit Vaudeville-Verneigungen auf die Bühne: Wir erleben etwas Jahrmarkt, zwei, drei Zaubertricks aus dem Magier-Handbuch und enorme musikalische und dramaturgische Präzision. Sarah Worden zersägt mit den Sounds ihrer punkig geschlagenen E-Gitarre Violine, Bratsche und Cello ihrer Mitspieler. Einmal interpretiert die Dame in ihrem unglaublich unvorteilhaften Kostüm (logischerweise mit den gleichen Mustern wie die Rummel-Fähnchen auf der Bühne) ein Piaf-Chanson. Das alles ist intensiv und humorvoll und eine Schorndorf-Reise wert.

Warum habe ich das jetzt aufgeschrieben? Wenn das eine Sau interessieren würde, wären nicht nur 100 Leute angereist (darunter mein wackerer Kollege Frank Rothfuß und mein Uraltschulfreund Stefan Geyer). Herr Geyer kam aus Frankfurt am Main per Zug, weil er der Diamant-Dame so sehr verfallen ist, dass er es in Kauf nimmt, morgens um sechs aufzustehen, um nach Frankfurt zurück ins Büro zu eilen. Um 8 Uhr 30 war er dort, früher also sonst.

Am Donnerstagabend habe ich mich lange mit dem in Stuttgart wohnenden Komiker Rolf Miller, 41, über die neue Fußball-Unterhaltung unterhalten. Fußball, sagt der Fußball-Enthusiast, tauge nicht als satirischer Gegenstand. Aber die Wandlung der Sportdisziplin Fußball zur Party-Abteilung der Unterhaltungsindustrie ist für die Werbebranche längst vollzogen. Der Loden-Komiker Waldemar Hartmann hat in seiner Naturrolle als Tresen-Entertainer heute schon historische Bedeutung. Das komplette Interview mit Miller kann man am kommenden Montag in den Stuttgarter Nachrichten lesen. Vorher aber schaue ich mir in Dortmund das Spiel der Borussia gegen den VfB an, weil ich mal wieder ein richtiges Fußballstadion von innen sehen will.

Meine Website, sagt Herr Geyer, werde vergleichsweise viel zu wenig angeklickt. Schande. Kann man nichts machen, höchstens die Seite aus dem Programm nehmen. Oder den Leuten sagen, sie sollen die Seite verlinken oder Links weitermailen. Oder ich muss mehr Witze aus der Unterhaltungsindustrie draufstellen. Herr Oettinger, hat eine Umfrage meines Arbeitgebers ergeben, ist unbeliebt. Das wundert mich. Ich dachte, nur seine Ex-Frau könne ihn nicht leiden – und war mir nicht sicher, wer von beiden dafür meinen Respekt verdient.

Es ist ganz klar, dass man eine Homepage nicht mit schnellen Betrachtungen über Gitarre spielende Sängerinnen aus Brooklyn unterhalten kann. Da müsste noch ein Witz dazu. Auf der Stehplatz-Tribüne der Kickers herrscht an diesem Samstag erstmals wieder freier Blick aufs Spielfeld. Das Fangnetz ist weg!!! Das Netz hing, seit ein Fremder mit einem Plastikbierbecherwurf einen Linienrichter so hart im Genick traf, dass dieser so perfekt zu Boden ging, als hätte er diese klassische Slapstick-Nummer an einer New Yorker Vaudeville-Bühne gelernt.

Und jetzt habe ich keine Lust mehr. Wenn Sie sich unterhalten wollen, dann kommen Sie bitte in den nächsten Flaneursalon. Für die Flaneursalon-Werbung wurde diese Homepage eingerichtet – und nicht, um nach satirischen Gegenständen für gelangweilte Internet-Schnorrer zu suchen. Ich habe gesprochen.

Auch wenn diese Art Website-Reklame nichts und überhaupt nichts bringt, so ist sie zurzeit doch notwendig und beruhigt mein Gewissen:



- 10 Jahre Flaneursalon am Dienstag, 14. Oktober, im Theaterhaus. Mit Los Gigantes, Michael Gaedt & Michael Schulig, Dacia Bridges & Alex Scholpp und einem Überraschungsgast. Beginn 20.15 Uhr. Karten: 0711 / 4 02 07 20.



- Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



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