Bauers Depeschen


Donnerstag, 11. September 2008, 223. Depesche



Betr.: Warnung



Meine Lieblingsfirma Telekom hat mich dreimal angerufen, um mir einen DSL-16-plus-Anschluss anzudrehen. Man kann damit in der Kloschüssel fernsehen und in der Waschmaschine surfen. Ich habe gefragt, ob das technische Veränderungen mit sich bringe, etwa die Auswechslung irgendwelcher Teile. Nein, hat man mir gesagt, DSL 16 plus werde einfach freigeschaltet. Und so geschah es – mit dem Ergebnis, dass ich überhaupt keinen DSL-Anschluss mehr hatte. Meine Lieblingsfirma hätte mir nämlich, wie befürchtet, ein neues Modem schicken müssen. Dies aber hat meine Lieblingsfirma, wie sich nach endlosen Telekom-Telefonaten bis hoch nach Kiel herausstellte, einfach vergessen. Die Sendung hätte fünf (!) Tage gebraucht, im Telekom-Laden gibt's den Mist nicht. Inzwischen habe ich ganz ähnliche Horrormeldungen von Freunden GEHÖRT. Mailen können sie ja nicht mehr.

Nach viel Geschrei am Telefon und mehreren Morddrohungen meinerseits wurde der neue Vertrag gelöscht, und zwei Tage später hatte ich wieder den alten Zugang zum Internet. China ist ein Scheiß dagegen. Von Experten habe ich mir sagen lassen, es helfe nur ein einziges Mittel: Wenn Telekom anruft, blitzartig auflegen, Haustür abschließen und Kabel festbinden.

Habe mich weiterhin durch Stieg Larssons Krimi-Bestseller „Verblendet“ gekämpft, bin aber mit dem ersten Teil seiner Trilogie immer noch nicht fertig. Im Auftrag von Mirjam mit j dokumentiere ich den nächsten T-Shirt-Aufdruck der gepiercten Hackerin und Hilfsermittlerin Lisbeth Salander: „I can be a regular bitch. Just try me.“

Ansonsten, Euer Ehren, ist das Buch ein Scheißdreck, mit schrecklich gestelzten Dialogen. Alle sprechen im gleichen Sound.

Das Buch wurde von allen Seiten, darunter ein supercooler „Taz“-Kolumnist, empfohlen. Alle sind begeistert. Ich fand die ersten 150 Seiten außergewöhnlich spannend. Auf den ersten 150 Seiten passiert nicht viel. Es liegt was in der Luft. Inzwischen bin ich bei Seite 595 und erfahre, dass ich es mit von Nazis gezeugten, bisexuellen Inzestfreaks aus dem Großindustriellenmilieu zu tun habe. Mit womöglich seelisch leicht deformierten Lustmolchen, die ihre eigenen Kinder vergewaltigen, ihren Kindern beim Vergewaltigen der eigenen Geschwister helfen und nebenbei als Firma Vater & Sohn erfolgreich im Frauenserienmörder-Geschäft tätig sind, bevor sie von der eigenen Brut ersäuft werden. So etwas fällt nur Schweden ein, und dieser Quatsch geht auch nicht als Parodie auf das perverse Skandinavien durch.

In "Verblendet" stieß ich auf folgende Stelle: „Ihre Stimme klang wie Sandpapier. Mikael würde sein Leben lang nicht vergessen, wie ihr Gesicht aussah, als sie zum Angriff überging. Sie fletschte die Zähne wie ein Raubtier. Ihre Augen glänzten pechschwarz. Sie bewegte sich blitzschnell wie eine Spinne und schien sich nur noch auf ihre Beute zu konzentrieren, als sie den Golfschläger erneut schwang und Vangers Rippen traf.“

Wenn ein Schriftsteller seine Heldin auf engstem Raum mit einer Stimme WIE Sandpapier WIE ein Raubtier die Zähne fletschen und sich blitzschnell WIE eine Spinne bewegen lässt, dann soll ihn der Golfschläger WIE eine Atombombe in den Eiern treffen. Da will man vor lauter Überdruss die pechschwarzen Augen schließen und schnarchen, egal wie hartnäckig im Bettkanten-Buch kreuz und quer gefickt und bibeltreu geschlachtet wird.

Zurück also zu meinen amerikanischen Schmuddelschreibern. Da werden die Dinge sauber erledigt. In meinen amerikanischen Schmuddelkrimis klingt auch eine mordende Motorsäge wie die Geige der Poesie.

Geigen haben wir im Flaneursalon zurzeit leider nicht, immerhin aber eine Trompete. Besuchen Sie uns! Bestellen Sie! Wir werden nichts vergessen.



- ZEHN JAHRE FLANEURSALON am Dienstag, 14. Oktober, im Theaterhaus. Vorverkauf läuft gar nicht so schlecht. Karten: 0711 / 40 20 720



- Flaneursalon in Fellbach: 19. September!!!



- Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



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