Bauers Depeschen


Montag, 01. September 2008, 218. Depesche



PUNKT MITTERNACHT.



Der Sonntag ist gelaufen und ich auch. Nach zwei Wochen Erkältungspause erster Start mit Eddy im Wald über der Stuttgarter Hasenbergsteige. Eddy kam austrainiert von seinem vierwöchigen Partisanenurlaub aus Serbien zurück. Ich hatte Angst, am Hügel einzubrechen. Aber alles lief wie geschmiert, wie in der Bundesliga.

Wettbetrugsverdacht. Warum sollten die Banditen-Zocker ausgerechnet in der Mafia-Hochburg Deutschland kein Geld verdienen wollen? Abhaken. Habe für die Montagausgabe eine Fußballkolumne geschrieben.

Beim Spiel zwischen dem KSC und dem 1. FC Köln ist der Kölner Kapitän Özat ohne Fremdeinwirkung zusammengebrochen. Kölns Trainer Daum sagte, Özat betrachte ihn als „Vater“ und habe vielleicht zu wenig getrunken vor dem Spiel. Daraus ergeben sich folgende Fragen: Wer möchte freiwillig Daum als Vater? Und hat Özat zu wenig getrunken oder zu viel geschluckt? Er hatte zuvor sechs Kilogramm abgespeckt und laut TV-Reporter seine "Athletik" verbessert.

Stuttgarts OB Schuster hat gesagt, er könne sich nach 2012 eine dritte Kandidatur vorstellen. Auch Männer haben ihre Perioden. Jetzt macht uns Schuster den Kohl. Der Dicke musste warten, bis die Mauer fiel. Der Schüttere will bleiben, bis der Bahnhof fällt. Betonköpfe.

Es ist nicht besonders schwer, OB zu werden. Die Hälfte der Bevölkerung wählt gar nicht, von der restlichen Hälfte braucht man die Hälfte, dann ist man dran.

Ein Stadtmagazin hat mich gefragt, ob ich etwas zum Thema „Kneipen“ absondern könne. Ob es vielleicht etwas präziser ginge, habe ich gefragt. Nein. Hier ein kurzer Auszug: „Das Ambiente ist total überschätzt. Das einzig Wichtige an einer Kneipe, habe ich gelernt, ist der Wirt, meinetwegen auch die Wirtin. Ein guter Wirt ist fair und diskret. Ein guter Wirt macht seinen Saftladen so sauber, dass sich einer mit Blick auf seine weiße Weste betrinken kann, egal ob er auf Champagner, Dinkelacker oder Racke rauchzart steht. Ein guter Wirt ist nicht nachtragend, er spielt nicht dauernd Musik, und er empfängt seinen Gast, der das Lokal nächtens beinahe in den Ruin getrieben hätte, am nächsten Tag als besten Freund des Hauses. Und irgendwann ruft der Wirt den Arzt.“

Die Stuttgarter Kickers haben im fünften Spiel das erste Tor geschossen und den ersten Punkt geholt. Gastwirt Tschelle hatte mich bereits nach dem 0:1 gegen Sandhausen per SMS belehrt: „Solange gesungen wird, ist die Kirche nicht aus.“

Am Sonntagabend war ich, wie immer im Schlepptau meines Kollegen und Klassikkenners Jürgen Holwein, beim Konzert des Radio-Sinfonierorchesters Stuttgart (RSO) mit Musik des selten gespielten Komponisten Charles Koechlin. Europäisches Musikfest der Bachakademie, neulich besuchte ich bereits einen Liederabend mit Schubert-Werken. Mein größtes Problem bei der klassischen Musik ist die volle Konzentration. Gedanklich nicht abzuschweifen in den Stress-Scheiß, der mich in diesen Tagen beschäftigt. Lustig war am Sonntag, wie sich der Organist des Orchesters trotz heftiger Gesten des Dirigenten weigerte, sich beim Schlussapplaus dem Publikum zu zeigen. Er trug als Einziger keinen dunklen Anzug, sondern etwas Helles, als hätte er gerade die Schülermesse in der evangelischen Kirche von Kirchheim unter Teck gespielt. Wunderbar.



- Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten:

www.stuttgarter-nachrichten.de/joebauer



- ZEHN JAHRE FLANEURSALON am Dienstag, 14. Oktober, im Theaterhaus. Vorverkauf läuft.



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