Bauers Depeschen


Dienstag, 13. Mai 2008, 146. Depesche

BETR.: MINOGUE, PLANT & KRAUSS



Pfingsten ist gelaufen, Zeit für die Mitternachtsdepesche.

Reden wir nicht von Fußball, reden wir über Musik.

Mit einer AH-Abordnung, darunter die Herren Roland Baisch und Michael Gaedt, besuchte ich die Show der australischen Sängerin Kylie Minogue in der Stuttgarter Schleyerhalle. Es geht in der teuren, aufwändigen Pop-Produktion von Kylie Minogue um das, worum es in hochkarätigen Shows immer gehen sollte: um la figura, um Stil und Eleganz.

Große Shows gefallen mir, und neuerdings vermute ich dahinter eine alte Idee. Ich stelle mir Frank Sinatra und das Rat Pack auf einer Hotelbühne in Las Vegas vor, und danach kommt ein Mann an die Bar und sagt: Lasst uns das Vegas, das wir nachts draußen vor dem Hotel in den Straßen sehen, auf die Bühne holen. Wenn gute Regisseure und Choreografen hinzukommen, funktioniert der Trick.

Dem Popstar Kylie Minogue, dieser starken, schneidenden Stimme, sind wir ohnehin was schuldig: Auf seinem Album "Murder Ballads" singt Nick Cave, unser allseits geschätzter Prophet der Düsternis, mit Frau Minogue „Where The Wild Roses Grow“. Dieses Duett reicht für alle Zeiten als Reputation.

Kylie Minogue hat Stil und Eleganz, das hat nicht nur mit ihren Kostümen von Gaultier zu tun. Sie verkörpert, eher mit der Hochgeschlossenheit des Adels als mit der Erotik des Vamps, Geradlinigkeit. Das entspricht der Optik ihrer Show. Die Cubewände im Bühnenhintergrund werden gefüttert mit Symbolen von der Klarheit Kandinskys: Dreiecke, Vierecke, Kreise. Wir sehen flirrende amerikanische Stadtlandschaften. Pop.

Die Artisten-Tänzer setzen ähnlich gute Bilder auf der Bühne um. Die Disco-Sounds ihrer Songs bricht die Sängerin mit einer Walzer-Szene, mit A-cappella-Takten, mit der Hinwendung zum tuntigen Musical. Vermutlich wird sie es dennoch nicht schaffen, wie Madonna als Performer-Superstar den Status von Zeitlosigkeit zu erreichen. Ihr Publikum gehört zu der Sorte, das Fußball- und Popstars grundsätzlich beim Vornamen nennt. Herr Gaedt schimpfte über die dramaturgischen Löcher der Show, Herr Baisch lobte diese technisch bedingten Kurzpausen als Momente der Stille. Ich war zufrieden.

Anderntags fuhr ich mit einer Delegation unter der Reiseleitung von Mirjam mit jott per Bahn nach Düsseldorf, im Tross der Plattenhändler Karl-Heinz Zeppelin Ratzer mit Frau Ratzer und Herr Michael Piltz vom Veranstalterteam Montagegruppe. In der Düsseldorfer Philipshalle gaben der Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant und die amerikanischen Country-Größe Alison Krauss mit entsprechender Band (feat. T. Bone Burnett) ihr einziges Deutschland-Konzert. Auch hier in jeder Sekunde Stil und Eleganz, wobei sich die Ausstattung auf bescheidenes Licht und den Wechsel der Vorhangfarbe beschränkt. Gitarren, Geigen (auch die Sängerin Alison Krauss spielt virtuos die Violine), Mandoline, Banjo, Stehbass, Schlagzeug. Robert Plant zog sich mit Würde zurück, ließ der fantastischen Alison Krauss in Gentleman-Art den Vortritt. Was für eine umfangreiche Stimme, welche unaufgeregte Präsenz. Ratzer muss CDs bestellen. Die Sängerin ist bei uns so unbekannt, dass ihr Name auf den Eintrittskarten falsch geschrieben war - was die Veranstalterin Mirjam mit jott im eigenen Stall um den Verstand gebracht hätte.

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Achtung, Werbeblog. Nach nur einem Spot geht es weiter.

Am 20. Mai ist der Flaneursalon im Bix. Ohne Werbung läuft nix.

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Plant/Krauss haben das Album „Raising Sand“ aufgenommen, darunter Songs von Tom Waits, Townes Van Zandt. Bei Plant & Krauss klingen sie wie eigene. Der Song „Killing The Blues“, das Zusammenfinden des Rock’n’Rollers und der Country-Dame jenseits von Star-Posen, ist mir jederzeit eine Bahnreise wert. Züge, egal wie schnell, rollen noch immer im Rhythmus von Blues, Country, Rock'n'Roll. Und wir erlebten Künstler, die sich gegenseitig dienen. Pure Harmonie. Robert Plant - mit Rüschenhemd und, erstaunlich leichtfüßig, in Cowboystiefeln - beherrscht so unaufällig und demütig die Tiefe der Bühne, dass man ihm zum Dank eine Tasse Früchtetee reichen möchte. Herr Piltz kritisierte den übersteuerten Sound. Ich höre das nicht. Wir hörten einen im Publikum "Stairway" schreien. Das ist die Schule von Radiosendern wie SWR 1.

Am anderen Morgen schmeckte das Frühstück - Eier mit Speck – ausgezeichnet. Nicht einmal unser preisgünstiges Hotel an der Düsseldorfer Peripherie war Scheiße. Wir bekamen auch nicht Krach, obwohl Herr Zeppelin VfB Ratzer mental doppelt belastet war: Die Roten, auch Lampen genannt, hatten vor der Show 0:4 bei den Pfeifen in Wolfsburg verloren.

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